Verwirrende Rochaden

30. Oktober 2009, 18:30
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Private imitieren Öffentlich-Rechtliche - und umgekehrt. Fehlt nur noch, dass ATV die Seitenblicke als Ganzes übernimmt, um die Heinzl-Lücke zu schließen

Nichts währt ewig in dieser Fernsehwelt. Doch bei allem Wandel - ein eindeutiger Trend ist schwer festzumachen. Mit Servus TV ist eine neue kleine Konkurrenz-Last auf den ORF zugekommen, die jedoch auch öffentlich-rechtlich agiert, was man an abgespielten ganzen Symphonien (samt erklärender Worte) festmachen kann.

Das wiederum ist dem ORF, der für so etwas häufiger zuständig sein sollte, egal. Er glaubt, andere Sorgen zu haben und erneuert sich durch groteske Poker-TV-Formate und Personal-Transfers. Der garstige Society-Frager Dominic Heinzl kommt also zum ORF zurück, um wohl nicht nur die Seitenblicke in Existenzängste zu stürzen.

Natürlich gibt es auch beim Nachbarn Änderungen. Indes ist es auch schwer, aus den dortigen Personalrochaden zwischen Privaten und Nichtprivaten klare Trends herauszulesen. Johannes B. Kerner wechselt vom Öffentlich-Rechtlichen wieder zu Sat.1, bittet aber um Geduld für seine am Montag startende Show. In einem Anfall von präventiver Bescheidenheit mahnt Kerner, dass "es länger dauern wird, als viele glauben", bis die Quoten stimmen werden.

Der Sendeplatz (um 21.15 Uhr) wäre nämlich ziemlich gewöhnungsbedürftig; und schließlich laufe bei RTL bitteschön um dieselbe Zeit Bauer sucht Frau. Das ungewohnt Neue hierbei: dass einer - statt Sensationen anzukündigen - tiefstapelt und davon ausgeht, dass ihm der neue private Arbeitgeber Zeit gibt, um Rendite heran zu schaffen. Passt auch nicht in das Bild von einer brutalen Quotenwelt der Privaten. Es ist also verwirrend: Private imitieren Öffentlich-Rechtliche - und umgekehrt. Fehlt nur noch, dass ATV die Seitenblicke als Ganzes übernimmt, um die Heinzl-Lücke zu schließen. (Ljubisa Tosic, DER STANDARD; Printausgabe, 31.10./1.11.2009)

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