Leberwurst statt Pastete

30. Oktober 2009, 17:59
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Sondheims "Sweeney Todd"

Klagenfurt - Der Teufelsbarbier aus der Fleet Street, so der Untertitel, wird unter Josef E. Köpplingers Regie den an ihn gestellten "Ansprüchen" voll und ganz gerecht. Von unstillbarer Rachsucht getrieben, bringt er einen nach dem anderen zur Strecke, um letztlich den Urheber seines Schicksals, Richter Turpin, über die Klinge springen zu lassen. Überzeugend vermittelt Erwin Windegger den von Verzweiflung getriebenen Sweeney Todd alias Benjamin Barker. Kongenial steht ihm Dagmar Hellberg als mitreißend komische Pastetenproduzentin Mrs. Lovett zur Seite, die ihre Köstlichkeiten mit kommerziellem Erfolg aus dem Fleisch der Opfer fabriziert.

Diesen unfreiwilligen Kannibalismus garnierte Stephen Sondheim 1979 mit Zutaten aus unterschiedlichen Töpfen: Einiges an spätromantischer Filmmusik, plakative Leitmotive, häufig wiederkehrende Zitate des mittelalterlichen "Dies irae" et cetera.

Im Laufe des Geschehens geht dem Ganzen dann allmählich die Luft aus. Die Inszenierung lebt von schnell wechselnden Bildern, die an Akteure wie Publikum hohe Anforderungen stellen. John Owen Edwards führt das Kärntner Symphonieorchester souverän durch die schwülstige Partitur, Chor und Statisterie runden eine gediegene Ensembleleistung ab. (Bernhard Bayer, DER STANDARD/Printausgabe, 31.10/01.11.2009)

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