Post-Bush-Putschisten

30. Oktober 2009, 17:57
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Die Vertreter der oligarchischen Machtverhältnisse haben sich glatt verrechnet

In Honduras haben sich die Vertreter der oligarchischen Machtverhältnisse glatt verrechnet. Nach alter, aber schlechter lateinamerikanischer Tradition hatten sie den aus ihren Reihen stammenden Präsidenten Manuel Zelaya abgesetzt, als sich dieser politisch nach links zu entwickeln begann. Zelaya näherte sich Venezuelas Hugo Chávez an, der neben dem für Freunde günstigen Erdöl auch seine Ideen vom "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" exportiert.

Das machte Zelaya im bitterarmen Honduras populär. Für die Vertreter der herrschenden Oberschicht war es sozusagen eine natürliche Konsequenz, Zelaya eines Morgens von Soldaten abholen und - noch im Pyjama - außer Landes schaffen zu lassen. Bisher hatten die USA, der übermächtige Bruder im Norden, solche Maßnahmen noch immer akzeptiert, oft auch selber eingefädelt. Auch dieses Mal vermuteten erzürnte Chávez- und Zelaya-Anhänger, dass die Anstifter des Staatsstreiches in der US-Regierung sitzen, die in Honduras ja auch eine große Militärbasis unterhält. Links-liberale US-Politiker wie der im August verstorbene Senator Ted Kennedy, die auf die Respektierung der Menschenrechte pochten, galten autoritären Caudillos in Lateinamerika als "Kommunisten". Pentagon, CIA und den gerade im Weißen Haus sitzenden Realpolitiker wussten sie stets hinter sich.

Mit Barack Obama und seiner Außenministerin Hillary Clinton könnte dies nun doch anders werden. Der Beweis liegt dann vor, wenn Zelaya wieder in den Präsidentenpalast zurückkehrt und ein Machtwechsel in Honduras bei Wahlen, nicht durch einen Militärputsch vonstatten geht. (Erhard Stackl/DER STANDARD, Printausgabe, 31.10.2009)

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