Quelle Österreich am Rande der Insolvenz

30. Oktober 2009, 17:56
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Das Versandhaus hat nur noch wenige Tage Zeit, um einen Investor zu finden

Das Versandhaus hat nur noch wenige Tage Zeit, um einen Investor zu finden. Im Hintergrund formieren sich Mitbewerber wie Otto, um sich Marke, Adressen und Lager zu sichern. Die Post liefert gegen Vorauskassa.

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Wien - Die kommenden drei Tage entscheiden über die Zukunft von Quelle Österreich. In Bankenkreisen wird erwartet, dass, sofern kein Wunder geschieht, in der kommenden Woche die Insolvenz des Versandhauses angemeldet wird. Hinter den Kulissen formieren sich bereits Interessenten für die Marke, Lager und Adressen. Der deutsche Mitbewerber Otto hat sich mittlerweile definitiv gegen die Übernahme der Auslandstöchter des Konzerns entschieden. Sehr wohl will Otto aber um einzelne Vermögensgegenstände der Gruppe mitbieten.

Während die Geschäftsführung alle Hoffnung auf einen "konkreten sehr realistischen internationalen Investor" setzt, mit dem dieses Wochenende unter hohem Zeitdruck verhandelt wird, sprechen Experten schon davon, dass der Konkurs mangels Masse möglicherweise abgewiesen wird. Das würde eine sofortige Liquidation bedeuten. Der Großteil der Immobilien des Konzerns ist an Banken verpfändet, darunter auch das Lager in Linz.

Post kalkuliert ohne Quelle

Die österreichische Post als einer der großer Partner hat die Lieferungen für Quelle in ihre Geschäftspläne 2010 nicht mehr einkalkuliert. Sie arbeitet für den Konzern nur noch gegen Vorauskassa. Ähnlich handhaben es Druckereien und andere Dienstleister des Versenders.

In der Quelle-Zentrale verwehrt man sich scharf dagegen, dass die Quelle am Versiegen sei. Die Verhandlungen mit dem potenziellen Investor seien "qualitativ gut", es sei nichts verloren. Der Zeitdruck sei enorm, das wolle man nicht beschönigen. Für Oktober seien noch alle Gehälter bezahlt worden. Was die Versorgung mit Waren betrifft, so könne Quelle Kunden in Österreich bis Jahresende beliefern. Das Versandhaus meldet guten Bestelleingang. Die Umsätze sinken aufgrund der Rabatte dennoch. Sie liegen diesen Herbst dem Vernehmen nach um mehr als zehn Prozent unter dem Vorjahreszeitraum.

Abverkauf bei deutscher Mutter

Bei der deutschen Mutter brach der Absatz seit ihrer Insolvenz um die Hälfte ein. Ziel ist, die Lager so rasch wie möglich zu Geld zu machen. Lieferengpässe zeichnen sich bei Textilien ab. Rund 1.900 Mitarbeiter wurden am Freitag per Telefon über ihre Kündigung informiert.

In Deutschland hat die Post den Versand von Produkten der Quelle vorübergehend gestoppt, um Schaden von ihrem Unternehmen abzuwenden. Nachdem Quelle die Bezahlung sicherstellte, wurden die Lieferungen am Freitag wieder aufgenommen. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass Quelle kommende Woche den Ausverkauf von 18 Millionen Artikeln beginnen kann. In gut eineinhalb Monaten soll das Lager in Leipzig, das auch Linz versorgt, geschlossen werden.

Um zu überleben, braucht Quelle Österreich wie berichtet 70 Millionen Euro. Profitiert hat von den Turbulenzen unter anderem Otto: In Österreich soll sein Absatz um bis zu 30 Prozent über Plan liegen. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.10./1.11.2009)

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    Volle Lager werden zu Geld gemacht und dann geschlossen. Quelle startet kommende Woche in Deutschland mit dem Abverkauf von 18 Millionen Artikeln.

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