Uni-Budget: 2,5 Mrd. - ÖBB-Zuschuss: 5 Mrd.

30. Oktober 2009, 17:42
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In die Schulen und Hochschulen muss mehr, viel mehr investiert werden

Die Vizepräsidentin des ÖGB, Sabine Oberhauser, die aus der Gewerkschaft der Wiener Gemeindebediensteten kommt, besuchte die Besetzer im Audimax und rief ihnen zu: "Haltet durch! Wir können zeigen, was geht, wenn die Macht vom Volke ausgeht!"

Von einem Beschluss der Wiener Gemeindebediensteten (Durchschnittsalter der Frühpensionisten 51,6 Jahre), ihre Pensionsregelungen an die ohnehin üppigen des Bundes anzugleichen und die Ersparnis den Hochschulen zur Verfügung zu stellen, ist nichts bekannt. Der Schulterschluss zwischen Werktätigen und Studenten ist schon 1968 dramatisch schiefgegangen. Die Situation hat sich immerhin verbessert, als damals (und später, 1984 bei der Besetzung der Hainburger Au), die Arbeiter und ihre Funktionäre den Studenten noch Prügel angedroht haben ("Gehts was arbeiten!" ).

Die Solidarisierung des ÖGB mit den Audimax-Besetzern ist nett, wird denen aber nichts nutzen. Der ÖGB wird nicht darauf verzichten wollen, dass die ÖBB mit fast fünf Milliarden Euro vom Staat alimentiert werden. Jährlich.

Das gesamte Hochschulbudget beträgt ziemlich genau die Hälfte.

Dieser Staat hat vor langer Zeit eine Prioritätenentscheidung getroffen - 42 Prozent des Budgets und 21 des Bruttoinlandsprodukts werden für Sozialleistungen ausgegeben. Rekord unter den industrialisierten Ländern.

Das wäre, für sich genommen, nicht falsch, wenn in diesen Globalsummen nicht große Bereiche mit unangemessen privilegierten Gruppen gäbe.

Keine oder wenig Priorität hat (bis vor kurzem) die Bildung und höhere Ausbildung. Politisch und publizistisch herrscht der Kult des "kleinen Mannes" , die Erkenntnis, dass der Wohlstand nur erhalten bleibt, wenn wir intellektuell aufrüsten, verfügt über keinen breiten Konsens.

Die Förderbänder, auf denen die traditionsreichen SemperitReifen hergestellt wurden, sind schon seit längerem in die Tschechische Republik übersiedelt; die Söhne und Töchter der Semperit-Arbeiter sollten etwa Materialchemie oder Informationstechnik studieren können - oder auch geisteswissenschaftliche Studien.

Karl-Heinz Grasser, der König der Seifenblasenproduzenten, hat sich einmal verächtlich über "Orchideenstudien" wie Orientalistik geäußert. Es ging wohl über seinen Horizont, dass man in einer globalisierten Wirtschaft vielleicht sehr wohl Orientalisten braucht - und sei es als kulturwissenschaftliche Ratgeber für Exportunternehmen vor Ort.

In die Schulen und Hochschulen muss mehr, viel mehr investiert werden, weil wir a) sonst im internationalen Wettbewerb abgehängt werden und b) der Kult der Unbildung, Banalisierung, Verblödung im gesamten gesellschaftlichen Leben zum Mainstream wird und damit das politische Klima und die Demokratie gefährdet.

Ja, aber der Staat hat kein Geld, sondern Rekordschulden? Dann wird man eben über Umverteilung reden müssen - weg vom gewerkschaftsgestützten, privilegierten Sektor und hin zu Zukunftsinvestitionen in Ausbildung und Bildung. (Hans Rauscher, DER STANDARD, Printausgabe, 31.10.2009)

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