Lauter fade Politiker - und H.-C. Strache

30. Oktober 2009, 17:33
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Eine tantenhafte Glawischnig, ein bäuerlicher Pröll, ein langweiliger Faymann: Bei Jungwählern könne nur FP-Chef Strache punkten, behauptet Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier nach einer breiten Studie

Wien - H.-C. Strache ist cool. Attraktiv. Jugendlich, vital und frisch. Er wird als Sunnyboy wahrgenommen. Schaut gut aus, strahlt Abenteuerlust aus. Deshalb wählen ihn Jugendliche und Junggebliebene gerne, sagt Bernhard Heinzlmaier, der mit seiner "Trendagentur t-factory" eine groß angelegte Studie mit 1200 Befragten gemacht hat. Thema: "Junge Wählerinnen und Wähler - Kultur, Ästhetik, Themen, Zielgruppen" .

Eva Glawischnig wird nicht als jugendlich wahrgenommen, sagt Heinzlmaier, und sie sei für jugendliche Wähler auch kein attraktives Angebot. Obwohl sie 40 und damit exakt gleich alt wie Strache ist, werde die Grünen-Chefin als bürgerlich, mittelalterlich, betulich und tantenhaft wahrgenommen. Heinzlmaier: "Glawischnig ist sehr traditionell erwachsen."

Werner Faymann und Josef Pröll sind sowieso fad. Kein Angebot für Jugendliche. SPÖ-Chef Faymann werde zwar als seriös und verlässlich eingeschätzt, einer, dem man auch vertrauen kann - aber schlicht langweilig, sagt der Jugendforscher. Faymann habe ein gewaltiges Lifestyle-Defizit.

Ein ähnliches Bild gibt ÖVP-Chef Pröll ab: Er hat keine urbane Ausstrahlung, sagt Heinzlmaier im Gespräch mit dem Standard, Pröll werde von Jugendlichen als nicht ihrem Kulturkreis zugehörig wahrgenommen, er wird als bäuerlich und behäbig empfunden. Aber nicht unsympathisch. Heinzlmaier: "Pröll wirkt wie ein Dieseltraktor. Er fährt verlässlich, erreicht aber keine besondere Höchstgeschwindigkeit und ist auch vom Design her nicht sehr spannend."

Ganz anders wirkt Strache auf Jugendliche. "Selbst linke Grün-Wähler gestehen ihm zu, dass er fesch ist und das attraktivste Angebot an Jungwähler hat" , sagt Heinzlmaier. Dabei habe die FPÖ - bis auf eine Ausnahme - keine Themen anzubieten. Ihr werden auch keine Kompetenzen zugebilligt. Außer im Bereich Ausländer. Und das Thema Zuwanderung und Asyl sei für jugendliche Wähler das mit Abstand interessanteste Themenfeld. Dennoch punktet die FPÖ vor allem abseits der Politik. "Wo die FPÖ auf Jugendliche trifft, geht es nicht um Politik, sondern um Lifestyle" , sagt Heinzlmaier. "Die FPÖ ist eine Partei ohne Substanz, die aber super kommuniziert."

Im Gegenzug dazu werde der SPÖ Kompetenz zugestanden, sie hat Themen, kann diese aber nicht kommunizieren. "Auch ein kantiger, linkerer Kurs würde der SPÖ bei diesem Auftreten nicht helfen" , behauptet der Jugendforscher. SPÖ oder ÖVP würden ästhetisch kaum wahrgenommen.

Prinzipiell gelte, dass Parteien mit inhaltlichen Themen bei Jugendlichen nicht durchkommen, rationale Argumente werden nicht wahrgenommen. Es komme immer stärker auf eine jugendliche Ästhetik und eine symbolhafte Politik an. "Die Jugendlichen denken mit den Augen. Bilder sind wichtig, sie vermitteln Gefühle und Eindrücke." Junge Menschen wollen eine junge Politik, das gelte auch für Junggebliebene. Diese Jugendlichkeit könne nur die FPÖ vermitteln.

Es mache aber keinen Sinn, wenn Glawischnig zu rappen anfängt oder Faymann in die Disco geht, das wäre nicht glaubwürdig. Heinzlmaier meint, dass Politiker mehr Lebensstil in den Vordergrund bringen müssten, Sport, Musik, Kunst. "Im Zentrum der Politik kann nicht nur der inhaltliche Diskurs stehen" , sagt Heinzlmaier. "Mindestens genauso wichtig ist die formale Gestaltung der Kommunikation." Politische Kommunikation dürfe nicht nur auf rationale Argumente setzen, der symbolischen Kommunikation müsse größerer Raum gegeben werden. Im Umgang mit Jugendlichen hieße das, den Bildanteil in der Kommunikation auszuweiten, die nonverbalen Aspekte stärker zu beachten und Personen stärker in den Vordergrund zu stellen - allerdings die richtigen. Heinzlmaier: "Eine Partei mit hässlichen, alten Leuten wird nicht wahrgenommen." (Michael Völker, DER STANDARD, Printausgabe, 31.10.2009)

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    montage: der standard/beiglbeck
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