STANDARD-Interview

"Hey, Hahn, komm her ins Audimax"

30. Oktober 2009, 17:30
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    foto: standard/cremer

    In Johannes Hahn hat ÖH-Vorsitzende Sigrid Maurer keine Erwartungen mehr, Hoffnungen setzt sie noch in ein Treffen mit dem Bundeskanzler. Dass die ÖH nicht gewollt werde, stimme einfach nicht.

Die ÖH-Vorsitzende Sigrid Maurer über den Protest der Basis, ihre eigene Beteiligung, einen leidenschaftslosen Minister und extrem angefressene Studierende

Standard: Wozu braucht man die ÖH überhaupt noch, wenn sich die Studenten jetzt auch ihren Protest schon selbst organisieren?

Maurer: Die ÖH war doch ganz von Anfang an dabei. Ich hab genauso wie alle anderen das Audimax geputzt und einen Workshop dort gemacht. Genauso wie die anderen aus der Bundesvertretung.

Standard: Ihr habt aber offensichtlich als Privatpersonen teilgenommen und nicht als ÖH.

Maurer: Im Audimax und an anderen Universitäten haben sich ganz viele Gruppierungen aus verschiedenen Richtungen zusammengetan. Wir haben von Anfang an gesagt: Wir als ÖH wollen uns da nicht draufsetzen und dem einen ÖH-Stempel aufdrücken.

Standard: Aber die ÖH ist doch die politische Vertretung der Studenten.

Maurer: Schon, aber die ÖH hat diesen Protest nicht in dieser Form initiiert. Wir sind nicht ins Audimax gegangen und haben gesagt: "Leute, ihr müsst jetzt besetzen." Es ist ein ganz wichtiges Element von diesem Protest, dass er von der Basis kommt und dass nicht eine führende Kraft vorn steht.

Standard: Gibt es auch Momente, wo Ihnen die Basisdemokratie auf die Nerven geht oder zu viel wird?

Maurer: Nein. Basisdemokratie braucht sehr viel Reflexion. Es sind auch sehr viele Leute mit dabei, die das nicht kennen, die auch das Abstimmungsprozedere nicht kennen, dementsprechend ist es teilweise ein bisschen chaotisch.

Standard: Offenbar hat sich der Protest verselbstständigt. Viele Studenten sind der Ansicht, dass sie die ÖH als politische Vertretung gar nicht mehr brauchen.

Maurer: Nein, das stimmt so einfach nicht. Die ÖH war von Anfang an dabei. Es stimmt nicht, dass die ÖH unerwünscht ist.

Standard: Minister Hahn hat gesagt, er würde sich wünschen, dass die ÖH bei den Protesten mehr Einfluss hätte. Ist das nicht peinlich, wenn jetzt der Wissenschaftsminister als Fürsprecher der ÖH auftritt?

Maurer: Es ist ganz klar, was die politische Strategie von Hahn ist: Er will die Bewegung spalten. Deswegen sagt er, er redet nur mit den offiziellen Vertreterinnen. Aber wir von der ÖH haben immer gesagt: "Hey Hahn, komm her ins Audimax und rede mit den Leuten."

Standard: Wird Hahn kommen?

Maurer: Ich glaube, dass er dafür zu feig ist. Er hat sich ja nicht einmal nach Innsbruck getraut. Da war eine Protestaktion mit Lufballons geplant, und das war ihm zu heiß.

Standard: Habt ihr noch irgendeinen Draht zur Politik?

Maurer: Wir werden einen Termin mit dem Bundeskanzler ausmachen. Er hat gesagt, er versteht die Anliegen der Studierenden, und dementsprechend erwarten wir uns von ihm auch, dass er das nicht nur bei leeren Worten belässt.

Standard: Habt ihr noch Erwartungen in Hahn?

Maurer: Ganz ehrlich, nein. Der ist geistig schon in Brüssel. Wir haben ihn ja getroffen. Der hat kein Interesse für Bildungspolitik. Jede einzelne Besetzerin in diesem Audimax hat doppelt so viel Leidenschaft für Bildungspolitik.

Standard: Wen würdet ihr euch als Nachfolger von Hahn wünschen?

Maurer: Jemanden, der auf die Bedürfnisse der Studierenden eingeht und am besten gleich das Uni-Gesetz ändert, weil wir mehr demokratische Mitbestimmung brauchen. Es müsste jemand sein, der in Bildungsfragen leidenschaftlich ist und Visionen hat. Das muss über die Zahl der Absolventinnen, über Effizienz und Arbeitsmarktleistung hinausgehen. Diese marktwirtschaftlichen Überlegungen funktionieren eh nicht.

Standard: Hättet ihr lieber jemanden aus dem Universitätsbereich? Die Rektoren Badelt und Winckler sind im Gespräch.

Maurer: Winckler und Badelt sind genauso für Zugangsbeschränkungen. Die reden auch von höheren Absolventenzahlen und niedrigerem Dropout. Bildung hat auch einen gesellschaftlichen Wert.

Standard: Wie lange wird der Protest noch durchhalten? Merkt man schon Ermüdungserscheinungen?

Maurer: Natürlich sind die Leute müde, aber es rotiert ja. Es sitzen nicht jeden Tag dieselben Leute im Audimax und an den anderen Universitäten. Da gibt es eine hohe Fluktuation. Die haben sich so professionell eingerichtet, ich glaube, das könnte ewig gehen. Es sind die zwei größten Hörsäle an der Uni Wien besetzt. Es ist die TU besetzt, das Tüwi, die Sowi an der Uni Innsbruck. Salzburg. Linz. Graz.

Standard: Was müsste passieren, dass ihr jetzt sagt, wir haben etwas erreicht?

Maurer: So einfach ist es nicht. Wir brauchen eine ganz grundsätzliche Bildungsdiskussion. Das ist in den letzten zehn, fünfzehn Jahren komplett verabsäumt worden.

Standard: Das klingt nach einer jahrelangen Audimax-Besetzung.

Maurer: Wie lange die Besetzung dauert, können wir nicht abschätzen. Aber klar ist, dass daraus eine Diskussion resultieren muss. Die Leute sind extrem angefressen auf die Politik, weil sie das Gefühl haben, sie werden verraten. Und sie haben recht. Jetzt muss man über die großen Fragen diskutieren. Das will dieser Protest sagen. Wenn es ein Jahr, zwei Jahre dauert, dann dauert es so lange. Aber ich glaube, es ist ganz wichtig, diesen Prozess jetzt endlich zu starten. (Tanja Traxler, Michael Völker, DER STANDARD, Printausgabe, 31.10.2009)

ZUR PERSON:

Sigrid Maurer ist seit Juli Bundesvorsitzende der Österreichischen Hochschülerschaft. Die Front-Frau der Grünen und alternativen Studierenden begann in Innsbruck Musikwissenschaft zu studieren. Mittlerweile hat die 24-jährige Tirolerin auf Politikwissenschaft umgesattelt und lebt in Wien.

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Posting 1 bis 25 von 123
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us&at
00
16.11.2009, 16:17

Super Land, wo Verbrecher Mit Sie und Herr
und Minister mit he Du angesprochen werden.
Viel Glueck im Beruf

Crazy Business
53
6.11.2009, 21:35
extrem angefressene Studierende?


sollte die gute einmal die arbeitende(!) Bevölkerung fragen, dann wird sie vielleicht wirklich mitkriegen, was "angefressen" eigentlich bedeutet!

Hat sich dieses Mäderl jemals einen einzigen Euro erarbeitet?

Julinchen
01
17.11.2009, 23:40
Nur zur Info

Auch Studierende gehen nebenher arbeiten!!!Ja, es gibt sogar solche, die berufsbegelitend studieren und nebenbei Familie haben! " Studenten sollten einmal arbeiten gehen, dann wissen sie was das heißt"-tut mir leid, aber das ist sowas von daneben!!! Man kann doch nicht immer alles in einen Topf schmeißen....

simultanschach
00
12.11.2009, 00:49
arbeit

ich schätze der job "öh-vorsitzende" bringt nicht wenig arbeit mit sich. und ich nehm doch an dass er (zumindest ein bisschen) bezahlt ist.

meine starke vermutung also: ja.

subcoma
 
01
4.11.2009, 15:05
interessanter Kommentar zum "runden Tisch" m. Sigrid Maurer u. Hansi Hahn

http://www.streifzuege.org/2009/prot... nden-tisch

n-minus-1
 
14
3.11.2009, 07:48
"Jede einzelne Besetzerin in diesem Audimax"

Interviewt derStandard morgen dann einen Vertreter der männlichen Protestierenden?

Ruskij
410
2.11.2009, 15:34

Der Studentenprotest hat Maurer eindeutig auf dem falschen Fuß erwischt. Einmal kein Gender-Thema, und schon weiß sie nicht, was sie tun soll. Das ist zumindest mein Eindruck.

IchundIchundIch
510
2.11.2009, 15:28

Maurer: "Hey Hahn, komm her ins Audimax und rede mit den Leuten."

liebe frau maurer - haben sie noch nie etwas von kultivierter sprache bzw. respektvolles gegenüber gehört?
sie glauben doch nicht ernsthaft das der minister zu ihnen kommt, sie wurden ja von ihm eingeladen - ist ja nicht so weit von der uni.
mein posting soll nur zum nachdenken anregen - zur info für die schnellen "rotstricherlposter".

waldhansi
22
5.11.2009, 16:37

jenseitiges kommentar...

Apostel
85
2.11.2009, 11:59
I'd do her...

Das geläuterte gesuderte Übliche
00
6.11.2009, 23:46
Jö.....

ein Burschenschafter macht auf hetero!
;-)

velvet80
14
2.11.2009, 13:15

die katholischen sind immer die schlimmsten.

fizzzzzz
 
00
2.11.2009, 02:14
Jede einzelne Besetzerin in diesem Audimax

hi standard!

ihr habt vergessen, da antisexistisch zu gestalten!

pierre23
25
2.11.2009, 11:03
Ich finde das

Ganze einfach nur lächerlich !
Wann werden sich eigentlich die Männer darüber aufregen, dass sie mit Kreationen wie etwa StudentInnen im Sprachgebrauch ausgegrenzt werden ?! (in diesem Fall sind ja nur die weiblichen Studenten angesprochen)

Bitte vergesst doch solch sinnlose neutrale Bezeichnungen die höchstens dem Lesefluss schaden !

MfG Ein Student

waldhansi
14
5.11.2009, 16:39

"die sprache bestimmt das denken."

gendern ist wichtig, da geht kein weg vorbei.


Ziemlich leichter Stessa
00
17.11.2009, 18:51

Bei Sprache denke ich in erster Linie an sprechen. Wie sprechen Sie den Tschenderschwachsinn mit dem Binnen-I korrekt aus, ohne dass es mit der Femininform verwechselt wird? Studentgrossesinnen?

waldhansi
00
18.11.2009, 23:27

brauchst du nicht, sag einfach studentInnen, oder neutral studierende.
erstere form ist auch nicht diskirminierend, wie du viell. behaupten könntest, denn es geht um die SICHTBARMACHUNG! bei "studentInnen" meinst du, es sei diskriminierend, aber "studenten" soll korrekt sein? weg mit dem doppeldenk!

Vollmilch
22
1.11.2009, 17:06

Badelt hat als einer von wenigen Ahnung (er wäre ein guter Wissenschaftsminister, wird sich das ganze aber meiner Meinung nach nicht antun wollen), Hahn und Maurer glänzen durch ideologisch einzementierte Standpunkte.
Einige der Forderungen der Studierenden sind verständlich viele aber nicht. Die stark linke Positionierung kristallisiert sich immer mehr heraus, durch diese Polarisierung wird die Bewegung letzten Endes im Sand verlaufen. Der Großteil der Bevölkerung hat kein Verständnis für Felber'sche Erzählungen.

derbrain
02
1.11.2009, 16:39
Hahn ist geistig schon in Brüssel...

Das mag stimmen. Wobei ich mich ernsthaft frage, ob man jemandem ein Forschungs- bzw. Wissenschaftsressort geben will, der sich gerade erst durch seine Forderung nach einem Ausstieg Österreichs vom CERN unbeliebt gemacht hat...

JetztOderNIe
02
1.11.2009, 12:41
Hahn nach dem runden Tisch im Gespräch mit Isabella Weiss

http://www.youtube.com/watch?v=JGt7yhz1WRo

n-minus-1
 
10
3.11.2009, 07:53
Hahn hat völlig recht!

"Das Plenum" kann ja gerne in einer legitimen Runde diskutieren - es sollte sich halt vorher irgendwas Vernünftiges ausdenken, was eigentlich erreicht werden soll.

Franz Rinterli
34
1.11.2009, 14:09

Hat er voll recht.

breite
 
57
31.10.2009, 21:53
Wozu brauchen wir die ÖH überhaupt?!?

Wenn (!) die ÖH was erreicht, dann nur lokal u. apolitisch, z.B. wenn Mängel einzelner LVen ausgeräumt werden. Grundeinstellung: Studienorganisation optimieren! Erfolge kann sie auf Bundesebene nämlich nicht aufweisen. Nur damit ein paar (linksextreme) Gruppen ihre bezahlten Spielplätze einrichten können, müssen alle Studenten aufkommen, oder was!? Ein lokales Fachschaftswesen wäre an ihrer Stelle das einzig vernünftige - dass ich gezwungen werde, solche Witzfiguren, sei es nun GRAS oder KSV-Lili, aktiv zu unterstützen, ist mir ein Gräuel. Wenn man sie schon nicht abschaffen kann, dann fordere ich zumindest eine komplette entpolitisierung der ÖH-Gruppen!!!

itavalda
00
8.11.2009, 11:57

Irgendwer muß Euch stromlinienförmigen Weicheier ja doch vertreten.
Leider ist die ÖH bereits auch zu einem matschigen Anbiederungsverein verkommen in dem über die genderrichtige Verwendung des Binnen-Innen diskutiert wird.
In einen gesunden Staat soll die Forderung nach Fortschritt und Porperität von der akademischen Jugend ausgehen und nicht von Beamtem oder gar der WK.
Daher genießt die Jugend auch Nachsicht sollten Forderungen überzogen oder zu weit greifen sein.

Der Mons
02
2.11.2009, 16:47
da glänzt einer ja von fachwissen

öh arbeit ist unbezahlt - maximal niedrige aufwandsentschädigungen für telefonieren etc. kommen da in frage.

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