Tildas erster Händedruck

30. Oktober 2009, 18:02
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Bobby Sommer chauffiert die Stars der Viennale

Wenn er von Yoko Ono spricht, sagt er "die Yoko", und wenn er von der diesjährigen Eröffnungsgala erzählt, dann lobt er "die Tilda": Bobby Sommer tut nicht so, als wäre er den Stars nahe, er ist es. Nur der Grenzpolizist kommt ihm zuvor, wenn es darum geht, die A-Prominenz der Viennale-Gästeliste auf österreichischem Boden zu begrüßen. Bobby Sommer ist Viennale-Chauffeur, und als Captain der Fahrergruppe "für die heiklen Gäste zuständig".

Während der durchschnittliche österreichische Mann seines Alters gerade den ersten Pensionsschock verdaut, kiefelt Sommer am Einsatzplan des Teams: Fahrerin A um 6.30 Uhr am Flughafen. Fahrer B um 15.20 Uhr beim Kino Y, dazwischen im Hotel X, dann wieder im Kino Y, retour zum Flughafen. Der Plan liest sich wie die OP-Tabelle eines Landeskrankenhauses in der Skisaison. "Heute ist es eh locker", beschwichtigt Sommer, und zeigt in Richtung Himmel. Noch ist es trocken. Richtig viel zu tun gibt es, wenn der Regen kommt. Dann wollen selbst die bewegungslustigen Gäste ins Gartenbaukino ums Eck kutschiert werden.

Wer ihn als Taxler bezeichnet, der beleidigt Sommers Philosophie. "Wir, die wir nicht ganz so viel Talent haben wie die, die auf der Bühne stehen, müssen alles daran setzen, dass ihr Licht besser leuchten kann", resümiert er. Als Cheffahrer ist Sommer auch Teil des Gästebetreuungsteams. Konkret bedeutet das: zwischendurch immer wieder nach dem Befinden fragen, Sonderwünsche erkunden, nach der letzten Fuhre noch zum Gästedinner gehen. Mehr als fünf Stunden Schlaf erwischt man da selten.

Der Job als Gästebetreuer verlangt Diskretion, und Sommer macht seinen Job gut. Eine Peinlichkeit hier, ein Gspusi da? Sommer schweigt. Er lobt jene Stars, die trotz Weltruhm bescheiden bleiben, und die halb berühmten Zicken spart er aus. Natürlich gebe es die auch, aber "ich werde mich hüten, Namen zu nennen", enttäuscht er die durstige Journaille.

Alles, was über den Besuch im Kunsthistorischen und die Fiakerrundfahrt hinausgeht, falle unter Amtsverschwiegenheit, sagt auch Markus Hönle, der Chef der Gästebetreuung. "Um alle Wünsche von den Augen abzulesen, fehlt uns aber ohnehin die Zeit."

Mit komplexer Logistik hat Bobby Sommer Erfahrung. Lange Zeit führte er als selbstständiger Tourmanager Bands durch Deutschland, bis ihn die Konzertlogistik nervte. Nach langer Pause in Berlin kehrte er zurück nach Wien. Seine erste prominente Viennale-Fuhre war Fay Wray. "Die Stars meiner Jugend zu treffen", das sei bis heute sein größter Motivator, wenn es wieder einmal stressig wird. (Maria Sterkl, DER STANDARD/Printausgabe, 31.10.2009)

  • Sichere Fahrt: Bobby Sommer und sein Arbeitsplatz.
    foto: m. sterkl

    Sichere Fahrt: Bobby Sommer und sein Arbeitsplatz.

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