Bringt mir den Kopf von!

30. Oktober 2009, 17:10
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Manifest-29 - Von Michaela Falkner

Die Häuser halten Horden von Affen besetzt.

Menschen jubeln abwechselnd einmal am Tag einmal in der Nacht hocken flach im Wasser oder bedecken das abgemagerte Hinterteil Fallschirme über der Stadt.

Fliehen.

Zu Tode hetzen.

Auf den Mann hinter der Kamera losgehen.

Verträumt mitsummen an nichts Böses denken.

Volk steht auf Sturm bricht los.

Auf das Dach steigen mit vor Euphorie aufgeschlagenen Knien verkünden über Mikrophon: Ich habe einen Traum.

Ein Leben für ein Leben.

Aufschneiden und wieder zunähen stumm bleiben das Kinn beginnt augenblicklich zu bluten aber ihr werdet dann zugänglicher aussehen ein Leuchten in den Augen haben.

Es ist schon so wie ich es sage!

Ich beiße euch in den Nacken.

Sind es Äpfel?

Sind es Birnen?

Sag bloß!

Und.

In den Wald sollt ihr nicht gehen!

Zwei Mal links dann zwei Mal rechts dann zwei mal links und so weiter Trallala Trallala Trallala Angst haben ab sechzehn Uhr dann.

Sonst nichts.

An die Tür trommeln.

Exakt.

Sprachlos.

Einander gegenüber stehen auf roten Plastikstühlen damit das Sehnen aufhöre.

Das ist keine Übung.

Tag eins also.

Beine brechen Beine brechen mit allen daraus sich ableitenden Ansprüchen kommt mit mir kämpfen wie tapfere Krieger von seltener Schönheit.

Hunderte von Tonnen Erdreich durchsiebt dieses Land gibt es gar nicht Nein ich vergesse nicht schnell das was am meisten fehlt ist: Herzklopfen.

Name?

Lieblingsfarbe?

Film?

Sind es nur drei oder gar viele viele mehr?

Wenn der Tag zu Ende einfach aus der Tür treten und mir eine umwerfend schöne Hymne singen?

Trallala Trallala Trallala.

Ihr werdet sehen in einem Monat ist es hier schöner als je zuvor vor Angst dann sterben weil mir keine Tränen des Glücks mehr über die Wange laufen.

Um euch zu markieren verwenden sie jetzt eingefärbtes Wasser ihr seht eine Person auf der Straße sie muss keine Waffe mit sich tragen ihr müsst sie nicht identifizieren könnt sie einfach niederschießen.

Zwei mal Drei?

Fünf mal Acht?

Sind es Äpfel?

Sind es Birnen?

Bringt mir den Kopf des Innenministers!

Lauf!

Lauf!

Wie es die Liebe zu allen Zeiten verlangt.

Bringt mir den Kopf des Innenministers!

Erstens zweitens drittens merkt euch alles und wiederholt es im Stillen immer und immer wieder bereit sein ist alles alles ganz besonders an Montagen wenn wieder dieses Gedränge in den U-Bahnen.

Ich habe ein Boot.

Ich schenke es euch.

Hammer und Zahnbürste.

Faustregel: Einen Menschen töten einen Menschen glücklich machen.

(ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 31.10/01.11.2009)

Hinweis:
An den kommenden Novembersonntagen wird die österreichische Autorin Michaela Falkner in der Buchsendung "Ex libris" auf Ö1 unter dem Titel "Bringt mir den Kopf von!" jeweils ein Manifest verkünden. Hier das erste, das am 1.11. um ca. 18 Uhr 15 gesendet wird. Zu hören sein werden die Manifeste auch auf www.falkner7.com

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