Sparstift regiert weiter

30. Oktober 2009, 15:41
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Serbien-Tochter steigt langsam zu Kernoperation auf - Erst 2011 Normalisierung bei Kreditrisiken

Wien - Die Erste Group friert nicht nur ihre Kosten weiter ein. Sie will den Verwaltungsaufwand noch stärker senken. Noch immer in Arbeit ist zudem ein neues Gehaltsschema, das alle Manager konzernweit betreffen soll. Es soll bis Jahresende fertig sein.

Das Kostenniveau in der Gruppe von zuletzt rund 3,8 Mrd. Euro soll noch nach unten geschraubt werden, sagte Bankchef Andreas Treichl am Freitag in Wien. Für 2010 sprach er dabei von "zwei bis drei Prozent".

In der ganzen Erste Group ist die Mitarbeiterzahl in den neun Monaten seit Dezember um 3,1 Prozent gesunken. Ende September beschäftigte die Gruppe 51.012 Leute. Davon 34.677 (minus 4,7 Prozent) in Osteuropa und 16.335 (plus 0,4 Prozent) in Österreich. In der Erste Bank Österreich werden derzeit auch Stellen eingespart.

In Rumänien (BCR) und in der Ukraine gab es in den vergangenen Monaten wieder den stärksten Personalabbau. In der ukrainischen Tochterbank sank die Mitarbeiterzahl um 17,2 Prozent auf 1.755. Diese Bank schreibt nochmals höhere Verluste. Treichl betrachtet die Operation in diesem großen Land "ein bisschen wie ein Offshore Drilling, ich muss zugeben ein ziemlich teures Offshore Drilling bis jetzt".

Die Ukraine zähle wie Serbien nicht zur Kernstrategie der Bank. "Dort haben wir sehr geringe Marktanteile. Wir werden die politische und wirtschaftliche Entwicklung abwarten". Sollte die Annäherung an die EU stärker werden, wie in Serbien, "werden wir auch das zu einem Kernland für uns machen." In der Ukraine laufe das Engagement derzeit allerdings auf Sparflamme. Einen Rückzug von dort plant Treichl nicht. "Langfristig" sei es dort extrem interessant.

Mühsamer Aufwärtstrend

"In einem Großteil der Märkte, wo wir sind, wird die Wirtschaft wachsen. Das wird aber nicht ausreichen, um das Ende der Krise auszurufen", meinte Treichl heute. Er sieht vorläufig einen mühsamen Aufwärtstrend. Aber diese Region sei die Wachstumsregion Europas. "Es gibt noch immer 100 Milliarden an EU-Strukturmitteln, um Infrastruktur aufzubauen. Da sind dramatische Investitionen nötig, um an den Standard Westeuropas heranzukommen. Durch die Krise ist der Aufholprozess nicht gestoppt. Es könnte danach sogar schneller gehen als vor der Krise."

Risiko-Vorstand Bernhard Spalt ortet erst 2010 ein erstes langsames Wachstum. Davon sollten Firmenkunden profitieren, freilich nicht alle. Die Risikokosten hinkten der Entwicklung noch einmal hinterher. Bestätigt wurden heute "restriktivere Kreditvergabekriterien", also niedrigere Beleihungsquoten, niedrigere maximale Kreditbeträge. Es werde mehr auf Einkommen und Cash flow abgestellt, nicht so sehr auf die Besicherung. Per Ende September hält die Erste Group bei 130 Mrd. Euro Kundenkreditvolumen (plus 3 Prozent).

Vor allem in Rumänien sind die unbesicherten Konsumentenkredite gewaltig angestiegen. Länder wie Tschechien hätten ihre höheren Risikokosten gut verdaut, so die Erste, und erstaunlich gut laufe es auch in Ungarn. Eine echte Entlastung bei den Risikokosten ist für Spalt erst 2011 realistisch.(APA)

 

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