Sammler und Erben

30. Oktober 2009, 16:44
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Zumindest 185 Millionen Impressionisten-Dollar hoffen Christie's und Sotheby's kommende Woche in New York einzuspielen

Derlei sucht den Vergleich: Um die 12.000 Werke französischer Impressionisten soll Paul Durand-Ruel im Laufe seiner Kunsthändlerkarriere zu barer Münze gemacht haben, darunter etwa 1000 Monets, 1500 Renoirs, 800 Pissarros oder je 400 von Degas, Sisley und Cassatt. Er war es, der dieser Community über seine Galerien in London und New York zum Durchbruch verhalf; allerdings verlor er später sein Qualitätsgefühl und wies Gauguin wie Matisse die Tür. Einige der von ihm direkt in den Ateliers erworbenen Arbeiten blieben - weniger als Ladenhüter, denn als eine individuelle Auswahl - auch nach seinem Tod 1922 in Familienbesitz.

Jetzt trennen sich die Nachkommen von drei Renoirs sowie je zwei Pissarros und Sisleys, die im Rahmen des Impressionist & Modern Art Evening Sale bei Sotheby's in New York zwischen 8,9 und 12,6 Millionen Dollar einspielen sollen. Zusammen mit weiteren 61 Positionen hofft man am 4. November auf einen Umsatz von 117 wenn nicht 166 Millionen Dollar.

Im Rahmen des Day Sales am 5. November gelangen auch zwei Schiele zur Versteigerung, darunter sein Porträt des Komponisten Arthur Löwenstein. Die kolorierte Kohle- und Bleistiftzeichnung aus dem Jahr 1909 dreht innerhalb von 24 Monaten auch schon die zweite Runde auf dem Auktionsparkett. Sie stammt aus dem Besitz von Christian M. Nebehay, nach dessen Tod die Erben das Blatt bei Sotheby's in New York 2007 versteigern ließen. Statt der erwarteten 180.000-250.000 Dollar fiel der Hammer damals bei stattlichen 993.000 Dollar. Entgegen den üblichen Gepflogenheiten passten die Experten ihre aktuelle Taxe nicht an, sondern schicken das Porträt mit einem bescheidenen Schätzwert von 150.000-250.000 Dollar ins Rennen. Die Gunst des Publikums scheint derzeit schlichtweg nicht berechenbar zu sein.

Noch vor zwölf Monaten schlugen sich beim Vergleichsevent 45 Besitzerwechsel mit stolzen 223,81 Millionen Dollar zu Buche, wovon allerdings die drei höchstdotierten - darunter Malevichs Suprematist Composition - allein 135,2 Millionen beitrugen. Derlei kann aktuell allenfalls in das Reich der Träume verbannt werden, das hat schon die Zwischenbilanz zum Halbjahr gezeigt: Seit Anfang des Jahres musste sich Sotheby's mit 238 Millionen Impressionisten-Dollar zufrieden geben, während Kontrahent Christie's derer 620 Millionen scheffelte. Exakt vor einem Jahr hatte Sotheby's hier die Nase vorn, notierte Christie's für den Evening-Sale "nur" 147 Millionen Dollar für 46 Positionen.

Die aktuelle Startformation umfasst 40 Positionen und die Hoffnung auf einen Umsatz in der Höhe von etwa 68 Millionen Dollar. Dazu soll nun auch Pissarros Le Quai Malaquais beitragen, das bereits am 23. Juni in London den Besitzer hätte wechseln sollen: Nach jahrelanger Suche und Auffindung in Zürich 2007 war es an Gisela Bermann restituiert worden. Eine Stunde vor Auktionsbeginn wurde das 1903 datierte Werk zurückgezogen, da ein amerikanischer Zweig der Familie ebenfalls Ansprüche erhob.

Die geforderte 50:50-Aufteilung des Auktionserlöses hatte Gisela Bermann vehement abgelehnt, ihr Neffe wiederum das Angebot einer 20-Prozent-Beteiligung. Der endgültige Kompromiss ist unbekannt, das potenziell mögliche Ergebnis von 1,5 bis 2,5 Millionen Dollar blieb gleich. (Olga Kronsteiner, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 31.10/01.11.2009)

  • Zweite Chance für Arthur Löwenstein: 150.000-250.000 Dollar soll das Schiele-Blatt bei Sotheby's bringen.
    foto: sotheby's

    Zweite Chance für Arthur Löwenstein: 150.000-250.000 Dollar soll das Schiele-Blatt bei Sotheby's bringen.

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