Bisher unbekannte Tierarten auf Lanzarote entdeckt

30. Oktober 2009, 15:56
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Grottenkrebs und vielborstige Ringelwürmer bei Tauchexpedition in Lavahöhlensystem gefunden

Lanzarote - Auf der zu den Kanarischen Insel gehörenden Vulkaninsel Lanzarote hat ein internationales Forscherteam bisher unbekannte Tierarten im Rahmen einer Tauchexpedition im März 2008 gefunden. Die Studien sind im September in einer Sonderausgabe des Fachblatts "Marine Biodiversity" veröffentlicht worden.

Zu den Neuentdeckungen in einem Lavahöhlensystem gehören eine Krebstierart der Gattung Speleonectes sowie zwei neue Arten vielborstiger Ringelwürmer der Klasse Polychaeta. Die Ringelwürmer gehören zu den Familien der Nerillidae und der Sylliden, erläuterte Stefan Könemann vom Institut für Tierökologie und Zellbiologie der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Sie bekamen die wissenschaftlichen Namen Meganerilla cesari ("Große Nerilla des Caesar") und Sphaerosyllis iliffei ("Runde Syllis des Iliffe").

Grottenkrebse

Mit dem bisher unbekannten Grottenkrebs Speleonectes atlantida, benannt nach dem Höhlensystem ("Atlantida-Tunnel"), ist erst die dritte Remipedia-Art außerhalb des Hauptverbreitungsgebietes dieser Gruppe in der karibischen Region entdeckt worden. Die räuberischen Grottenkrebse der Klasse Remipedia besitzen keine Augen. Lange Antennen erfühlen den lichtlosen Raum in alle Richtungen. Ihr Kopf ist mit mächtigen Fangarmen und Giftklauen ausgestattet.

Die Grottenkrebse zählen nach Auskunft der Hochschule zu den bemerkenswertesten zoologischen Funden der vergangenen drei Jahrzehnte. Die ersten Exemplare dieser Krebstiergruppe wurden 1979 während eines Tauchgangs in einem Höhlensystem auf Grand Bahama entdeckt, einer Insel des Bahamas-Archipels. Insgesamt sind 22 Remipedia-Arten bekannt.

Spekulationen

Das Vorkommen dieser drei isolierten Arten - neben Speleonectes atlantida eine Art in Westaustralien und der bereits bekannten Art Speleonectes ondinae auf Lanzarote - abseits der karibischen Hauptgruppe gibt bis heute Anlass zu Spekulationen über die Evolution und Abstammungsgeschichte der Remipedia. Da man davon ausgeht, dass die bis zu vier Zentimeter großen, augenlosen Höhlenbewohner nicht aktiv schwimmend einen Ozean durchqueren können, müssen der getrennten Verbreitung andere Ursachen zugrunde liegen. Es wird daher unter anderem vermutet, dass es sich um eine sehr alte Krebstiergruppe handelt, die schon vor über 200 Millionen Jahren in den Ozeanen des Mesozoikums weit verbreitet war. Remipedien gelten demnach als mögliche Urzeitform der Krebstiere. (APA/red)

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