Heinisch-Hosek pocht auf Einkommenstransparenz

30. Oktober 2009, 12:39
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Frauenministerin Heinisch-Hosek will erste Maßnahmen setzen und will die verpflichtende Einkommenstransparenz im ersten Quartal 2010 umgesetzt sehen

Wien - Deutlichen Nachholbedarf offenbart bei der Gleichstellung von Frauen der "Global Gender Gap Report 2009". Vor allem in der heimischen Wirtschaft. Im internationalen Vergleich liegt Österreich auf Platz 103 von 134 erhobenen Staaten (2008: Platz 84). Besonders schlecht sieht es bei leitenden Funktionen aus, die nach wie vor Männerdomäne sind. Frauenministerin Heinisch-Hosek will nun erste Maßnahmen setzen.

Der Anteil von Frauen am Arbeitsmarkt hat sich hingegen leicht erhöht. Bewertet werden in der Studie der Grad der Gleich- bzw. Ungleichstellung der Geschlechter auf einer Skala von null bis 100 Prozent - Österreich erreichte seinen 103. Rang in der Wirtschaft mit insgesamt 57 Prozent. Der Anteil von Frauen am Arbeitsmarkt liegt im aktuellen Report bei 84 Prozent, im Jahr davor waren es 83. Bei der Einkommensgleichheit bei ähnlicher Arbeit blieb der Wert konstant bei 48 Prozent, der Anteil bei den Führungskräften sank von 40 auf 36 Prozent.

Verpflichtende Einkommenstransparenz

Angeführt wird das internationale Ranking von der Mongolei, die auf rund 83 Prozent bei der Gleichstellung von Frauen kommt. Das erste europäische Land ist Schweden auf Platz sechs.

Angesichts des schlechten Zeugnisses für Österreich bei der Gleichbehandlung von Männern und Frauen vor allem in der Wirtschaft will Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek nun erste Maßnahmen setzen. So zeigte sie sich am Freitag bei einer Pressekonferenz überzeugt, die verpflichtende Einkommenstransparenz für Unternehmen noch im ersten Quartal 2010 umsetzen zu können. Am Dienstag präsentiert Heinisch-Hosek im Ministerrat außerdem einen Zwischenbericht zum Nationalen Aktionsplan.

Ökonomisch noch immer stark benachteiligt

Viele Studien würden schwarz auf weiß belegen, dass Frauen vor allem ökonomisch noch immer stark benachteiligt werden, so die Frauenministerin. So zeige etwa eine schwedische Studie, dass man mit einem Wirtschaftswachstum von drei Prozent bei einer höheren Quote von Frauen in Führungspositionen das BIP auf vier Prozent steigern könnte. Die gesamte Regierung habe sich zur Gleichstellung bekannt, und "es wird Zeit, unterschiedliche Standpunkte aufzugeben". Im Zuge des Nationalen Aktionsplans zur Gleichstellung habe man bisher rund 150 Maßnahmen gesammelt. Am Dienstag will Heinisch-Hosek die bisherigen Ergebnisse im Ministerrat darlegen und diskutieren, welche Schritte umgesetzt werden können.

Nach wie vor pocht die Frauenministerin auf eine verpflichtende Einkommenstransparenz für Unternehmen. Ab 25 MitarbeiterInnen sollen die Gehälter anonym aufgelistet und an eine Kontrollstelle, etwa die Gleichbehandlungsanwaltschaft oder Ministerien, weitergeleitet werden. Nach einer Evaluierungsphase von etwa zwei Jahren müsse man auch über Sanktionen für säumige Unternehmen nachdenken, betonte Heinisch-Hosek.

"Keine Ausreden mehr"

Verankert werden soll diese Maßnahme in der Novelle zum Gleichbehandlungsgesetz für die Privatwirtschaft, an der gerade gearbeitet wird. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner war bisher allerdings wenig begeistert von den Plänen der Frauenministerin. Mitterlehner sei nur gegen den bürokratischen Aufwand, so Heinisch-Hosek, und dieser halte sich in Grenzen, da der entsprechende Fragebogen für die Unternehmen zwei Seiten lang sei. "Ich glaube, seine Begeisterung ist gewachsen." In Anspielung auf das von der ÖVP geforderte Transferkonto meinte Heinisch-Hosek außerdem: "Wenn ich von der ÖVP höre, dass ja niemand in diesem Land etwas gegen Transparenz haben kann, kann man ja auch nichts gegen Einkommenstransparenz haben."

Um den Frauenanteil in Führungspositionen zu erhöhen, will Heinisch-Hosek bis Jahresende eine Internetseite einrichten, auf der Frauennetzwerke gebündelt werden. Dann gebe es "keine Ausreden mehr", wonach ArbeitgeberInnen für freie Stellen keine qualifizierten Frauen finden würden. (APA)

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    Es soll keine keine Ausreden mehr geben, so Heinisch-Hosek.   

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