Die bösen Hexen und Weiber vom Seekopf

    30. Oktober 2009, 16:57
    2 Postings

    Die Aufwertung des Meurersteiges in der Wachau durch eine seltsame Begebenheit

    Am Meurersteig, der von Oberkienstock in der Wachau auf den Seekopf führt, stehen sieben - die magische Zahl! - bis zu Mannshöhe aufgeschichtete Steinmandln, die einen Hut tragen und einen Schal umgebunden haben. Es sind dies die Überbleibsel des Holzhacker-Michl, Förster-Hiasl, Büssen-Bartl, Schoner-Gustl, Jaga-Loisl, Schwarza-Motzl und des Hiata-Jogl.

    Diese Männer beobachteten den Angaben in der Gipfelbuchkassette zufolge Hexen und böse Weiber bei deren Treiben und wurden deshalb in granitene Gestalten verwandelt. Geschehen muss dies erst in jüngster Zeit sein, denn vor vier Jahren gab es diese Mandln noch nicht. Die Geschichte ist wahr, dafür verbürgt sich die Sektion Muskateller der Seekopfrunde, die Sektion Riesling bestätigt es.

    Ob dieser Figuren wegen der Steig wesentlich häufiger als früher begangen wird? Nun, die Route war einst nur in eine Rundwanderung einzubeziehen, wenn man einen zwei Kilometer langen Marsch auf der Bundesstraße nicht scheute. Seit es aber den Radweg auf dem südlichen Ufer der Donau gibt, auf dem man natürlich auch wandern kann und den Autos nicht in die Quere kommt, erlebt der Steig eine Renaissance. Der Seekopf mit seiner Warte fand immer schon Anklang.

    Mit einem ganz kurzen Abstecher lässt sich auf der Runde die Hirschwand erreichen, eine etwa 15 Meter hohe, schmale Felsschneide, die sich auf zwei versicherten Klettersteigen auch erklimmen lässt, sofern man schwindelfrei ist und sich entlang der Stahlseile zu bewegen weiß. Wem es zu mulmig ist, braucht auf das Vergnügen einer herrlichen Aussicht nicht zu verzichten, denn der Rundblick von der Seekopfwarte lässt keinen Wunsch offen.

    Auf dem Geländer der Plattform sind Richtung und Entfernung auch zum Nordpol, zum Kilimand-scharo oder zum Mount Everest angegeben, doch stellt schon der Blick zur Alpenkette mit Ötscher und Dürrenstein, in die malerische Wachau, zu den Erhebungen des südlichen Waldviertels, ins Tullnerfeld und zum Stift Göttweig vollauf zufrieden.

    Schwierigkeiten gibt es keine, Vorsicht bei bösartig aussehenden Frauenzimmern.

    Die Route: Von St. Lorenz - auch mit der Fähre von Weißenkirchen erreichbar - wandert man auf dem Radweg in einer halben Stunde stromaufwärts bis Oberkienstock, wo der rot markierte Meurersteig beginnt. Dieser führt in zahlreichen Kehren zügig zum Gipfel, den man dann in 1¼ Stunden erreicht. Auf der grünen Markierung geht es in einen Sattel hinab, von dem aus man die Hirschwand erreicht. Ab Seekopf eine gute Viertelstunde.

    Nun zurück in den Sattel, dort wechselt man auf die gelbe Markierung, die teils auf einem schmalen Pfad, teils auf einem Fahrweg mit kleineren Gegenanstiegen zur Donau führt. Zuletzt wendet sich der Weg scharf nach links - dann rot und gelb markiert - und man kommt nach St. Lorenz. Ab Hirschwand 1½ Stunden. (Bernd Orfer/DER STANDARD/Printausgabe/31.10.1009)

    Gesamtgehzeit 3½ Stunden, Höhendifferenz knapp 500 Meter. Kein Stützpunkt auf der Runde. ÖK25V Blatt 4323-West (Melk).

    • Steinmandl werden bis zu Mannshöhe aufgeschlichtet.


Foto: Erika Tiefengraber/picasaweb.googl.com; Veröffentlicht unter der Creative Commons-Lizenz.
      foto: erika tiefengraber/picasaweb.google.com

      Steinmandl werden bis zu Mannshöhe aufgeschlichtet.

      Foto: Erika Tiefengraber/picasaweb.googl.com; Veröffentlicht unter der Creative Commons-Lizenz.

    • Artikelbild
      grafik: der standard
    Share if you care.