Karel Gott zeigt Kritikern den Mittelfinger

30. Oktober 2009, 12:24
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Sie hatten die Ehrung des 70-Jährigen mit der Nationalmedaille wegen Gotts politischer Haltung zu kommunistischen Zeiten hinterfragt

Mit dem "Stinkefinger" hat Schlagerstar Karel Gott (70) direkt nach der Verleihung der Nationalmedaille in Prag für erheblichen Wirbel gesorgt. Fast alle tschechischen Zeitungen druckten am Freitag ein Foto der wenig galanten Geste, die Gott im Fernsehkanal Prima an seine Kritiker richtete. Diese hatten die Ehrung des 70-Jährigen wegen seiner politischen Haltung zu kommunistischen Zeiten kritisiert. "Zehnfach" solle dieser Finger allen gelten, die ihm die Ehrung nicht gönnten, sagte Gott in dem Fernseh-Beitrag.

Staatspräsident Vaclav Klaus hatte Gott ("Biene Maja") und 22 andere Persönlichkeiten am Nationalfeiertag vergangenen Mittwoch für "besondere Verdienste" ausgezeichnet. "Dass er die gleiche staatliche Anerkennung wie politische Gefangene bekommt, ist wirklich ein Hohn", sagte etwa Musikkritiker Jan Rejzek der Zeitung "Mlada fronta dnes".

Mit Berufsverbot gedroht

Vorgeworfen wurde Gott auch erneut seine Unterschrift für die so genannte "Anti-Charta" von 1977, mit der das kommunistische Regime sein hartes Vorgehen gegen Systemgegner zu rechtfertigen versuchte. Allerdings wurde Gott und anderen Prominenten damals mit Berufsverbot gedroht, damit sie sich der "Anti-Charta" anschlossen. "Was kann ein Troubadour oder Minnesänger schon tun?", verteidigte sich Gott in einem Interview der Zeitung "Lidove noviny".

Gott, der nach eigenen Aussagen als Künstler stets versuchte, der Politik fernzubleiben, wurde von Klaus als "Legende der tschechischen Popmusik" gewürdigt. Seine Fans erinnern sich auch daran, wie Gott während der "Samtenen Revolution" 1989 in der Tschechoslowakei mit dem aus dem Exil zurückgekehrten Karel Kryl vor zehntausenden Demonstranten die tschechische Nationalhymne anstimmte. Eigentlich, so sagte Gott zu "Lidove noviny", müsse er ein Buch über "all den Zorn, Neid, Missgunst und bösen Willen" schreiben. (APA)

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    "Zehnfach" solle der Finger allen gelten, die ihm die Ehrung nicht gönnten, sagte Karel Gott in einem Fernseh-Beitrag.

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