Kampf gegen "sexuelle Verwahrlosung" durch Pornoseiten

30. Oktober 2009, 11:57
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In Deutschland wird heftig diskutiert, ob die Zugangshürden auf pornografische Seiten zum Schutz von Kindern notwendig sind

Während Jugendschutz bei pornografischen Web-Angeboten hierzulande kaum Thema ist, hat sich in Deutschland eine heftige Debatte entsponnen. Bei unseren Nachbarn müssen sich Personen, die im Web pornografische Seiten besuchen wollen, unter Angabe der Personalien als volljährig identifizieren. Ob das nun zum Schutz von Kindern und Jugendlichen notwendig ist, oder einfach nur eine Schikane für Erwachsene darstellt, darüber scheiden sich die Geister.

"Sexuelle Verwahrlosung"

Im Rahmen der einer Diskussionsrunde "Fesselsex statt Flaschendrehen" anlässliche der Münchner Medientage habe man laut heise keine Hinweise darauf finden können, dass der Zuwachs von im Internet zugänglicher Pornografie zur "sexuellen Verwahrlosung" von Kindern und Jugendlichen geführt habe. Einig war man sich aber nicht. Während ein Sexualforscher den Begriff als Sensationsmache verurteilt hat, warnte KJM-Stabschefin Verena Weigand davor, dass im Web gezeigte Sexualpraktiken deutlich härter seien als früher.

Aussichtsloser Kampf

Weltweit soll es schätzungsweise 420 Millionen Websites mit pornographischen Inhalten geben. Einige Experten meinen, dass es ein aussichtloser Kampf sei, von den Betreibern der Seiten höhere Zugangshürden zu verlangen. Mit den Beschwerden und Verfahren würde der Eindruck vermittelt, dass es irgendwann keine Pornographie im Web mehr gebe und Kinder sicher und unbeaufsichtigt surfen könnten.

User vergrault

Beschwerden gibt es auch von der anderen Seite gegen die verschärften Zugangshürden. Hat es in Deutschland früher noch gereicht, sich mit dem Personalausweis als Erwachsener bei einschlägigen Seiten anzumelden, ist nun eine aufwendigere Identifizierung notwendig. Bei der Sicherheitsfirma Resisto IT, die ein Altersverifizierungssystem anbietet, hat man kein Verständnis für die eingebauten Hürden. Laut Beschwerdeführer und Resisto-Geschäftsführer Tobias Huch sei die Zahl der Nutzer deutlich geschrumpft. Hätten sich früher noch 3.000 Nutzer am Tag angemeldet, seien es heute nur mehr zehn. Anbieter seien daher ins Ausland abgewandert, in Deutschland gebe es faktisch keinen mehr, so Huch gegenüber der AP.

Beschwerden abgewiesen

Die Gerichte haben entschieden, dass das alte System mit der verpflichtenden Angabe der Personalausweisnummer, nicht geeignet sei um Jugendliche von derartigen Seiten fernzuhalten. Die Vertreiber des Systems und Anbieter von Pornoseiten seien daraufhin wettbewerbsrechtlich bzw. strafrechtlich verurteilt worden. Verfassungsbeschwerden seien abgewiesen worden, weil sie nicht hinreichend begründet gewesen seien. Die Unternehmen, die Beschwerde eingereicht hatten, argumentierten, dass man Kinder und Jugendlich ohnehin nicht zu 100 Prozent von Pornoseiten ausschließen könne.

Keine wissenschaftlichen Grundlagen

Auch Huch zweifelt an, dass legale Pornografie jugendgefährdend sei. Sofern es keine hinreichenden wissenschaftlichen Erkenntnisse gibt, muss jedoch der Gesetzgeber entscheiden. Huch betont, dass man in anderen Ländern wie Dänemark oder den Niederlanden durchaus schon Erfahrung auf dem Gebiet habe sammeln können. Vor Gericht sei das aber zu wenig gewesen. "Ich sage nicht, dass Kinder Pornos konsumieren sollen", so der Geschäftsführer. Pornografie solle aber auf einfachem Weg für Erwachsene zugänglich sein. (br/derStandard.at 30. Oktober 2009)

 

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    In Deutschland wird derzeit die Grundsatzfrage erörtert, ob Pornografie jugendgefährdend ist. Ein Ergebnis gibt es nicht.

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