"Eine akute Sinusitis ist immer bakteriell"

Regina Philipp, 20. November 2009, 14:53
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    foto: landeskrankenhaus krems

    Heinz Jünger (51) ist seit 1996 Leiter der HNO-Abteilung im Landesklinikum Krems.

Akute oder chronische Nasennebenhöhlenentzündung? - Zwei Krankheitsbilder, die nach unterschiedlichen therapeutischen Interventionen verlangen

Die unangenehme Punktion der Nasennebenhöhlen ist aus der Mode gekommen - Chronische Sinusitiden werden heute weitgehend endoskopisch operiert - Der HNO-Experte Heinz Jünger vom Landesklinikum Krems im Gespräch mit derStandard.at.

derStandard.at: Warum neigen manche Menschen zur Entzündung ihrer Nasennebenhöhlen?

Jünger: Das Nasennebenhöhlensystem ist sehr kompliziert gebaut. Das Problem ist: Die Höhlen im Gesichtsschädel sind groß, die Verbindungsgänge zur Nasenhöhle dagegen nur relativ klein. Wenn ein Schnupfen diese Gänge verschließt, dann werden die Nebenhöhlen nicht mehr ausreichend belüftet und entstandenes Sekret kann nicht mehr abfließen. Irgendwann kommt es zur bakteriellen Infektion und zu den typischen Symptomen einer akuten Nebenhöhlenentzündung.

derStandard.at: Das heißt jede Sinusitis beginnt mit einem banalen Schnupfen?

Jünger: Ja. Man muss nur grundsätzlich zwischen einer akuten und einer chronischen Sinusitis unterscheiden. Das sind zwei völlig verschiedene Erkrankungen. Eine akute Nasennebenhöhlenentzündung ist ein einmaliges Geschehen und beginnt immer mit einem Schnupfen. Beziehungsweise ist bei jedem Schnupfen eine Beteiligung der Nasennebenhöhlen dabei, ganz einfach weil Nase und Nebenhöhlen funktionell miteinander gekoppelt sind. Wir Mediziner sprechen deshalb von einer viralen Rhinosinusitis. Eine akute Sinusitis im engeren Sinn ist immer erst Ausdruck einer bakteriellen Entzündung.

derStandard.at: Das heißt, die akute Sinusitis ist demnach immer eine Indikation für ein Antibiotikum?

Jünger: Ja, während der Schnupfen kein Antibiotikum braucht.

derStandard.at: Welche Symptome deuten auf eine akute Sinusitis hin?

Jünger: Der Eiterherd in der Nebenhöhle verursacht pochende Schmerzen, die sich beim Bücken noch verstärken. Dazu kommen Allgemeinsymptome wie Fieber und ein schweres Krankheitsgefühl.

derStandard.at: Wann wird aus der akuten eine chronische Sinusitis?

Jünger: Die chronische Sinusitis ist ein ganz anderes Krankheitsbild, deshalb kann man auch nicht sagen, dass aus einer akuten automatisch eine chronische Sinusitis wird. Bei der chronischen Form kommt es in der Nase zu einer Polypenbildung. Das sind Wucherungen der Schleimhaut. Wenn diese Nasenpolypen die Nebenhöhlen und Gänge verlegen, dann kann natürlich im Rahmen einer chronischen Entzündung auch einmal ein akuter Schub auftreten. Patienten mit einer chronischen Nebenhöhlenentzündung haben ständig Probleme.

derStandard.at: Warum kommt es zu dieser Polypenbildung?

Jünger: Trotz intensiver Forschungen kennt man die Ursachen bis heute nicht. Das Krankheitsbild ist sehr eigentümlich. Wir wissen eigentlich nur, dass es sich um eine Schleimhautschwellung handelt, in der bestimmte Blutzellen gehäuft vorkommen. Es konnten auch Pilze darin nachgewiesen werden. Versuche die chronische Entzündung mit Pilzmitteln zur Ausheilung zu bringen haben jedoch nichts gebracht.

derStandard.at: Die chronische Sinusitis erweist sich häufig als therapieresistent. Gibt es trotzdem eine Therapie der ersten Wahl?

Jünger: Die chronische Sinusitis ist tatsächlich fast immer ein Problem und begleitet die Patienten über eine lange Zeit oder sogar ein ganzes Leben lang. Das ist keine Erkrankung, die sich mit einer Behandlung erledigt. Die Betroffenen brauchen laufend medizinische Betreuung. Das klingt zwar frustrierend, heißt aber nicht, dass sich die Beschwerden nicht deutlich verbessern lassen. Bei beginnender Polypenbildung und gelegentlichen Beschwerden ist ein Cortisonspray die Therapie der Wahl. Topische Corticoide sind hier sehr wirkungsvoll. Sie bedingen eine Abschwellung und hemmen die Entzündung, behandeln aber nicht die Ursache der Erkrankung. Die Zirkulation, Belüftung und Drainage der Nebenhöhlen kommt auf diese Weise zwar wieder in Gang, allerdings sind die Patienten meist nur über einen mehr oder weniger langen Zeitraum beschwerdefrei.

derStandard.at: Viele fürchten sich vor Cortison?

Jünger: Das Cortison im Spray ist niedrig dosiert und wirkt nur in der Nase. Das Präparat gelangt praktisch nicht in die Blutbahn. Es sind also keine Nebenwirkungen zu erwarten und ist daher durchaus möglich den Cortisonspray ein Leben lang zu verwenden.

derStandard.at: Was ist mit abschwellenden Nasentropfen?

Jünger: Abschwellende Nasentropfen sind bei langfristiger Gabe schädlich. Sie kommen maximal 14 Tage zur Anwendung und eignen sich nur beim akuten Schnupfen und der akuten Sinusitis. Bei der chronischen Sinusitis sind Nasentropfen nicht indiziert. Hier ist die Cortisonbehandlung Standard.

derStandard.at: Wann entscheiden sie sich für die Operation?

Jünger: Wenn die konservative Therapie einer chronischen Sinusitis keine Erfolge mehr zeigt und die Betroffenen massiv darunter leiden, dann operieren wir. Mittlerweile ist die operative Behandlung der chronischen Nasennebenhöhlenentzündung einer der häufigsten Eingriffe an HNO-Abteilungen, weil eben so viele Menschen darunter leiden.

derStandard.at: Hat sich die Zahl derer die darunter leiden denn in den letzten Jahren vergrößert?

Jünger: Ja, die Inzidenz nimmt ganz sicher zu. Die Schleimhaut ist ein sehr empfindliches Organ. Es gibt eigene Zellen mit Flimmerhärchen, die die Aufgabe besitzen Schleim abzutransportieren. Eine Reihe von Umweltbelastungen, darunter auch das Rauchen, schädigen diese empfindlichen Flimmerhärchen. Eine normale Drainage, der Flüssigkeitsabtransport aus den Nasennebenhöhlen funktioniert dann nicht mehr. Die Folgen sind Nasennebenhöhlenentzündungen.

derStandard.at: Eine Operation der Nasennebenhöhlen ist aber allgemein hin doch sehr gefürchtet?

Jünger: Früher waren diese Eingriffe in der Tat sehr belastend. Da wurde die jeweilige Nasennebenhöhle sehr radikal von außen oder von der Mundhöhle aus aufgemeißelt. Wovor sich Betroffene aber noch mehr gefürchtet haben, war die Punktion. Davon ist man heute weitgehend abgekommen, weil ein akuter Schub mit Antibiotika und Steroiden gut behandelbar ist. Ich persönlich mache schon seit zehn Jahren keine Nasennebenhöhlenpunktionen mehr, ganz einfach, weil die Punktion eben nur kurzfristig eine Entlastung bringt und außerdem sehr unangenehm ist.

derStandard.at: Wie wird heute operiert?

Jünger: Heute wird sehr schonend funktionell endoskopisch operiert. Funktionell bedeutet, man geht mit dem Endoskop den natürlichen Weg, den auch das Sekret nimmt, durch die Nase in die Nebenhöhlen hinein. Mit ein Mikroskop lässt sich die jeweilige Nasennebenhöhle dann darstellen und das Bild auf einen Monitor übertragen. Alls Chirurg habe ich vor Ort dann zwei Möglichkeiten: Entweder ich beseitige bestehende Engstellen oder ich entferne vorhandenen Polypen. Beides dient dazu, die Belüftung der Nebenhöhlen wieder zu gewährleisten. Diese Operation ist wenig schmerzhaft und die meisten Patienten gehen bereits nach einem Tag wieder nach Hause. Was bleibt ist das Risiko, dass die Polypen wieder nachwachsen und der Eingriff unter Umständen wiederholt werden muss. Was aber nicht weiter schlimm ist, weil die Methode wie gesagt sehr schonend ist.

derStandard.at: Was ist mit alternativen Methoden?

Jünger: Wie bei allen chronischen Erkrankungen, ist auch das Geschäft mit der Sinusitis ein großes. An Naturheilmitteln gibt es darum eine ganze Palette von Angeboten. Ich persönlich empfehle Inhalationen mit Tees und halte auch physikalische Maßnahmen, wie die Bestrahlung mit Infrarotlampen für sinnvoll. Wärme hat bei Nebenhöhlenerkrankungen einen sehr positiven Effekt. Es bewirkt einen beschleunigten Entzündungsablauf und damit eine raschere Abheilung. Von alternativen Maßnahmen, wie dem Einsatz der Homöopathie, rate ich nicht ab. Jeder kann das ausprobieren. Wenn es nicht hilft, kommen die Patienten halt wieder. (Regina Philipp, derStandard.at, 20.11.2009)

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Marcus Brinkmann
 
06
Bakterielle Infektionen und Ihre Ursachen / Sinusitis

Immer wieder sieht man eine emotionale Debatte von Antibiotika und Homeopathie. Plus: oft wird Homeopathie mit Naturheilkunde verwechselt. Naturheilkundliche Mittel, z.B. ätherische Öle, wirken gegen Bakterien, nur bekommt man sie nicht so einfach in die Nebenhölen, und sie brennen und haben oft auch eine toxische Wirkung. Ich kann nur bestätigen, dass die Homöopathie selbst nichts bringt. Das gesamte Thema "Sinusitis" ist hochkomplex. So beginnt jede Sinusitis oft mit einer Virusinfektion, dazu kommt aber eine bakterielle Infektion. Ich hatte selbst häufig Sinusitis und schreibe online ein Buch in Englisch darüber. "How I won the batte against Sinusitis" Jeder ist eingeladen, es zu kommentieren: http://naturalsinuscure.blogspot.com

fabs
51
25.11.2009, 17:43

Es ist immer dasselbe - als Ursache von bakteriellen Infektionskrankheiten werden immer die Bakterien gesehen und damit der Einsatz von teuren Antibiotika gerechtfertigt.
Der Mikrobiologe Pasteur hat es ganz klar am Ende seines Lebens auf den Punkt gebracht: "Es sind nicht die Mikroben, das Terrain ist alles", also der Boden (Schleimhaut), auf dem sich Bakterien wohl fühlen und vermehren, oder eben nicht, wenn die Schleimhaut gesund ist.
Die leider immer noch viel zu häufige und oft unangebrachte Anwendung von Antibiotika ist nicht nur Ursache für die Entwicklung ausgesprochen bösartiger Keime, die immer schwerer zu beherrschen sind, sondern sie fördert auch die langfristige Entwicklung chronischer Krankheiten.

dozentusmaximus
20
21.11.2009, 22:57

ist nicht alles wissenschaftlich gefestigt was der herr von sich gibt aber das mit den antibiotikagebrauch ist so absurt nicht. cochrane macht metaanalysen aber die wahrheit liegt dann doch wieder eher in den einzelpublikationen. vielleicht sollten sich die eifrigen poster im forum mal die mühe machen die zu lesen.

presonic
40
22.11.2009, 15:22

her mit der metaanalyse!

something in the air
00
21.11.2009, 10:40
auch meine verdauung ist bakeriell

presonic
50
22.11.2009, 15:24
der ganze körper ist bakteriell. jeder besitzt sehr viel mehr bakterien als klörperzellen.

der körper kann das sogar steuern, dass die richtigen bakterien dorthin wandern und sich dort vermehren, wo sie gebraucht werden - meist zum abbau irgendwelcher gifte. juhu!
diese kleinen lebewesen sind überlebensnotwendig.
das wort anti-biotika sagt schon aus, was es bewirkt. es kämpft gegen das leben.

Ain't got no how watchamacallit
31
20.11.2009, 20:36
akute sinusitis = indikation für antibiotikum

cochrane sagt da was anderes, nämlich dass antibiotika in der akuten sinusitis keinen wesentlichen effekt haben:
http://www.cochrane.org/reviews/e... 00243.html

presonic
40
22.11.2009, 15:26

ein anti-biotikum kann in einer lebensbedrohlichen situation recht gut sein.
aber in allen anderen situationen?

fliegende nonne
05
21.11.2009, 01:31

also ein über 10% besseres outcome und die verhinderung von komplikationen spricht klar für die antibiose

the academic cyber sense
00
21.11.2009, 17:57

dan rechne dir mal die NNT aus.

http://de.wikipedia.org/wiki/Anza... handlungen

Ain't got no how watchamacallit
31
21.11.2009, 14:54

ich weiss schon dass anhänger der evindece based medicine einen schweren stand haben, wie sie aber die aussage der cochrane autoren "this review found that antibiotics help some people a bit, but do not make a major difference to most people" so missachten können ist mir ein rätsel… hängt wahrscheinlich eher mit glauben als mit wissen zusammen…

presonic
30
22.11.2009, 15:28

verwechsle nicht pharmalobbyisten mit anhängern der schulmedizin.... nur so ein tipp. ;-)

fliegende nonne
18
21.11.2009, 16:13

einen cochrane review auf einen satz zu reduzieren und dann fanatisch drauf zu halten als ob es gottes wort persönlich wär...
"hängt wahrscheinlich eher mit glauben als mit wissen zusammen…"

Ain't got no how watchamacallit
21
21.11.2009, 17:02

nein, im gegenteil. nachdem es evidenzlevels gibt und die metaanalyse wenn sie randomisierte kontrollierte studien enthält, die aussagekraft eines RCT hat gegenüber der expertenmeinung (hier im artikel wiedergegeben) deutlich aussagkräftiger ist halte ich es mit der einschätzung der EBM, und das hängt nicht mit glauben, nicht mit gott und nicht mit fanatismus zusammen, das ist epidemiologie. sorry.

fliegende nonne
07
21.11.2009, 21:28
ja hab ich gemacht... und?

nnt= 10
is doch super, bei malignomen würde man da die korken knallen lassen

cure or improvement rate:
placebo group (80%)
antibiotic group (90%)

ich schließe aus dem review dass antimikrobielle chemotherapie klar besser als placebo ist,
also durchaus indiziert.

Ain't got no how watchamacallit
31
22.11.2009, 13:40

grundsätzlich ist das schon korrekt, hier wird jedoch "keine therapie" der "therapie" gegenübergestellt-

Henry Flower
00
20.11.2009, 19:47
der typ auf

www.sinuses.com

scheint vernünftiges zu sagen.

er meint aber dass viele fälle mit antibiotika zu heilen sind, allerdings erst über eine längere zeit, 3-10 wochen wenn man einmal das richtige mittel gefunden hat.

presonic
152
20.11.2009, 18:32
das allheilmittel für schulmediziner: antibiotika und cortison.

ob´s dem menschen nachher wirklich besser geht? is ja wurscht.

twosisters
41
21.11.2009, 21:17
antibiotika und cortison.

....spart halt Zeit & geht schnell - die Nebenwirkungen sind halt ein Hammer!

"Ob es dem Menschen nachher wirklich besser geht?"
- Hauptsache er kann so rasch wie möglich wieder hackeln gehen!

MfG
MTS

presonic
50
21.11.2009, 23:13

hackeln. genau das war das zauberwort.... ;-)

fliegende nonne
110
21.11.2009, 01:25

hysterischer wahn?

contains sugar
31
21.11.2009, 12:41

bakteriozentrisches weltbild?

presonic
20
21.11.2009, 23:14

du hast es erkannt!

gast99
00
20.11.2009, 23:42

ja, wenn des nix mehr nutzt hilft eh nur mehr schmerzmittel, wärme und hoffen dass bald aufhört

contains sugar
51
21.11.2009, 12:42

es gibt aber mittel die wirken und nicht solche hämmer sind. zum glück.

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