Japan schöpft nach Rückgang der Arbeitslosigkeit Hoffnung

30. Oktober 2009, 19:23
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Zentralbank sieht drei Jahre lang eine Phase fallender Preise bei moderatem Wachstum

Der Konjunkturmotor in Japan kommt langsam auf Touren. Darauf deuten Zeichen vom Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosenrate ist überraschend gesunken. Dennoch warnen Ökonomen vor zu großer Euphorie.

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Japans Arbeitsmarkt sendet zur Überraschung von Experten positive Signale aus. Japans Arbeitslosenrate ist im September zum zweiten Monat in Folge im Vergleich zum Vormonat um 0,2 Prozentpunkte auf 5,3 Prozent gefallen. Volkswirte hatten einen Anstieg erwartet. Zudem verbesserte sich erstmals seit Mai 2007 das Jobangebot. Hundert Jobsuchende bewarben sich um 43 offene Stellen, ein Punkt mehr als im Vormonat.

Der leichte Entlastung des Arbeitsmarkts stärkt die Hoffnung, dass die schwer angeschlagenen japanische Wirtschaft die Talsohle überwunden hat. Zwar wird die exportabhängige Wirtschaft dieses Jahr wegen der Weltwirtschaftskrise nach einigen Vorhersagen um bis zu sechs Prozent schrumpfen. Aber die Industrieproduktion steigt inzwischen dauerhaft - auch wenn sie noch rund ein Fünftel niedriger ist als vor der Krise. Volkswirte rechnen daher damit, dass Japans Bruttoinlandsprodukt im dritten Jahresviertel zum zweiten Mal in Folge höher als im direkten Vorquartal ausgefallen ist und langsam weiter wachsen wird.

China hält Nachfrage hoch

Hinter der Wende steht zum einen die wachsende Nachfrage aus Asien, wo Chinas Regierung mit riesigen, auf Pump finanzierten Staatsausgaben den Boom am Leben erhält. Außerdem haben die weltweiten Abwrackprämien für Autos dazu beigetragen, dass der Absatz der japanischen Autobauer weniger dramatisch eingebrochen ist als befürchtet. Honda hat in dieser Woche seine Bilanzprognose bereits erhöht, Toyota und Nissan könnten kommende Woche folgen. Beide Konzerne stellen bereits wieder Vertragsarbeiter ein.

Zum anderen stützen Japans Verbraucher die Konjunktur. Inflationsbereinigt haben sie im September ein Prozent mehr als vor einem Jahr ausgegeben, als das Land noch glaubte, immun gegen die Krise zu sein. Nach einer Analyse der Investmentbank Nomura stecken dahinter nicht nur ein direktes Geldgeschenk der Regierung in Höhe von 12.000 Yen pro Person (rund 90 Euro), Abwrackprämien für Autos, Flachfernseher, Kühlschränke und Klimaanlagen. "Die Verbesserung am Arbeitsmarkt scheint die Stimmung der Verbraucher verbessert zu haben und damit den Konsum zu stützen", so Takahide Kiuchi von Nomura.

Kein Ende der Krise

Vor diesem Hintergrund hat Japans Notenbank am Freitag beschlossen, Ende Dezember den Kauf von Handelspapieren und Anleihen von Unternehmen zu beenden, durch den sie Unternehmen während der Finanzkrise aus der Kreditklemme helfen wollte. Die Bank von Japan betonte allerdings, dass sie mit der Beendigung des Programms nicht den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik einleite. Den Leitzins beließ der Ausschuss bei 0,1 Prozent.

Doch einige Ökonomen wollen trotz der ermutigenden Daten kein Ende der Krise am Arbeitsmarkt verkünden. Denn noch immer schleppen viele Unternehmen überschüssiges Personal mit sich herum. Gleichzeitig trägt sich die Erholung nicht selbst, sondern stützt sich stark auf staatliche Konjunkturprogramme. (Martin Kölling aus Tokio, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.10./1.11.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Arbeitslosigkeit in Japan ist im Sinken begriffen, die Industrieproduktion steigt. Im Bild ein Arbeiter, der eine Stahlrolle auf einen Lkw lädt.

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