Intelligenter Container sichert Waren-Qualität

30. Oktober 2009, 08:29
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Deutsches Projekt mit erfolgreichem Praxistest auf hoher See - Umgebungsdaten werden laufend überprüft

Ingenieure der Universität Bremen haben erfolgreich das Konzept eines intelligenten Containers  getestet, der die Qualität darin transportierter Lebensmittel kontrolliert. Beim Feldversuch wurden zwei Container mit Bananen auf dem Weg von der Plantage in Costa Rica nach Hamburg überwacht. Mehrmals täglich wurden dabei Temperatur und Luftfeuchtigkeit einzelner Paletten gemessen.

Planung

"Mit diesen Daten können wir die Lagerhaltung zukünftig besser planen", so Axel Moehrke, Geschäftsführer und Qualitätsbeauftragter bei Agrarmulti Dole. So lässt sich vorausberechnen, in welchem Zustand einzelne Paletten das Zielland erreichen, um den Verkauf entsprechend zu organisieren. Die größte technische Herausforderung war die Kommunikation zwischen den Sensoren, um Daten erfolgreich sammeln zu können.

Kühlung vor Ort

Um die Bananen zu überwachen, die im Container auf Transporttemperatur heruntergekühlt werden, kamen beim Feldtest rund 20 Sensoren pro Container zum Einsatz. "Der Kühlvorgang kann je nach Position und Luftumströmung einer Palette unterschiedlich lange dauern", erklärt Reiner Jedermann, Entwickler am Microsystems Center Bremen, im Gespräch mit pressetext. Die präzise Überwachung einzelner Paletten ist wichtig, da sich langsam abgekühlte Bananen nicht so gut halten und daher nach der Ankunft zuerst verkauft werden sollten. Langfristig sollte aber rund ein Dutzend Sensoren pro Container ausreichen, so Jedermann.

Die Daten der Sensoren werden über ein Kommunikations-Gateway nach außen zu einem WLAN-Access-Point auf dem Schiff übertragen. Von diesem gelangen die Daten weiter über eine Satellitenverbindung an einen Server der Universität Bremen. Eine Herausforderung war aber die Datensammlung selbst, da die Umweltbedingungen im Container die Übertragung durch die Sensoren behindern. "Nur mit Weiterleitung der Daten über mehrere Sensoren im Container konnten die Daten gesammelt werden", Markus Becker, Mitarbeiter in der Bremer Arbeitsgruppe Kommunikationsnetze.

Präzise Kontrolle

Die genaue Überwachung per intelligenten Sensor eröffnet neu Möglichkeiten für die Qualitätssicherung. Wenn etwa eine Palette nicht abkühlt, könnte das beispielsweise auf Schimmelbefall hindeuten. Darüber oder über andere auftretende Probleme könnte die Plantage umgehend informiert werden, damit möglichst nur eine Ladung betroffen bleibt. "Wenn wir den Fehler erst beim Entladen in Europa bemerken, sind schon zwei oder drei weitere Schiffe mit einer ähnlich problematischen Ware unterwegs", betont Moehrke.

Im Feldtest wurden Temperatur und Luftfeuchtigkeit gemessen, doch im Prinzip könnten auch geeignete Sensoren für andere Parameter genutzt werden. Bei Bananen sei beispielsweise Ethylen interessant, so Jedermann. Dieses Gas steht in Verbindung mit dem Reifeprozess der Früchte.

Marktreife

Der Pilotversuch hat gezeigt, dass es beim intelligenten Container nicht ausreicht, Standardkomponenten zusammenzufügen. Das System muss mit Störungen selbstständig umgehen können und beispielsweise bei Bedarf neue Verbindungen aufbauen. Trotz nötiger Weiterentwicklungen hofft man an der Universität, in zwei bis drei Jahren ein kommerzielles System zur automatisierten Überwachung von Lebensmitteltransporten vorstellen zu können. (pte)

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