Neues von der Schweinegrippefront

30. Oktober 2009, 00:58
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Aktuelle Studien über H1N1 liefern neue Fakten über das Virus und seine Bekämpfung

Washington - Seit gut einem halben Jahr plagt die Menschheit ein neues Schreckgespenst: H1N1, das Schweinegrippe-Virus. Droht der Welt womöglich eine ähnlich grausame Pandemie wie in den Jahren 1918/19, die schätzungsweise 50 Millionen Tote forderte? "Wir können nichts vorhersagen", erklärte kürzlich WHO-Sprecher Gregory Härtl. Die H1N1 ist eben ein äußerst unberechenbarer Gegner. Neueste Studien bringen aber doch ein wenig Licht ins Dunkel.

So dürfte die Infektionsgefahr durch Betroffene der Schweinegrippe relativ lang gegeben sein, wie sich bei einer Untersuchung einer Krankheitswelle in der Akademie der US Air Force in San Diego in Kalifornien Ende Juni dieses Jahres zeigte. Am 25. Juni waren 1376 Kadetten angekommen, um an einem sechswöchigen Training teilzunehmen. Ab dem 6. Juli gab es die ersten Fälle.

Insgesamt wurden 134 H1N1-Erkrankungen registriert. Hinzu kamen 33 Verdachtsfälle. Insgesamt steckten sich elf Prozent der Personen mit einem Infektionsrisiko an. Erstaunlich: Auch sieben Tage nach dem Beginn einer A(H1N1)-Erkrankung "versprühten" noch immer 24 Prozent der Betroffenen lebensfähige Viren. Das war auch bei 19 Prozent jener Personen der Fall, die bereits 24 Stunden lang symptomlos waren.

Wie aber lässt sich vorhersagen, ob Impfstoffe gegen Grippeviren und ihre Mutationen wirken? Dazu haben US-Forscher die Evolution von Grippeviren an (Renn-)Pferden untersucht, die seit rund 50 Jahren geimpft werden. Dabei zeigte sich, dass die Veränderungen in den Aminosäuren des Hämagglutinins beeinflussten, wie sich das Virus jeweils ausbreitete.

Je weniger gut der Wirkstoff zum mutierten Virus passte, desto größer wurde das Ansteckungsrisiko und die Dauer der Krankheit, so die Forscher in "Science" (Bd. 326, S. 729). Doch auch "ungenaue" Wirkstoffe hatten positive Effekte - insbesondere im Zusammenspiel mit antiviralen Medikamenten.

Was schließlich ist in Sachen H1N1-Ausbreitung angesichts der Ende November stattfindenden Pilgerreise nach Mekka zu befürchten? Experten sind seit Monaten mit der Ausarbeitung von Maßnahmen beschäftigt, damit die größte Menschenansammlung der Welt nicht zur H1N1-Tragödie wird.

Diese ebenfalls in "Science" (online) vorgestellten Maßnahmen umfassen Warnungen für gefährdete Personengruppen (Schwangere, Senioren und Kinder) sowie Impfhinweise. Zudem wird es an saudischen Flughäfen Temperatur-Screenings und Quarantäne-Räume geben. Und schließlich werden auch ausreichend antivirale Medikamente bereitgestellt. (Klaus Taschwer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30. Oktober 2009)

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    Rund drei Millionen Menschen werden Ende November in Mekka zusammenkommen. Droht dort eine H1N1-Katastrophe?

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