Unterwegs mit wiedergefundener Einmütigkeit

29. Oktober 2009, 19:44
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Pröll fährt alleine nach Brüssel, Faymann und Spindelegger erfüllen die "Kuschelkoalition" mit neuer Wärme

Josef Pröll war der erste, aber nicht der wichtigste an diesem Donnerstagmorgen. Ein wenig verloren saß der Vizekanzler in der Cafeteria am VIP-Terminal des Wiener Flughafens. Mit zwei müde dreinblickenden Referenten im Schlepptau war der ÖVP-Chef auf dem - schlicht inszenierten - Sprung zum Treffen der europäischen Konservativen in Brüssel.

Wenige Minuten nach Prölls Abflug dann rückten Bundeskanzler Werner Faymann und Außenminister Michael Spindelegger mit Konvois, Leibwächtern und großen Delegationen an. Nach zwei innerkoalitionär durchaus ruppigen Wochen lag es an den beiden Herren, das alte Wort vom "Kuschelkurs" mit neuer Anschmiegsamkeit zu erfüllen.

Die Übung gelang umgehend. Man versicherte sich gutgelaunt der gegenseitigen Verwunderung über die Opposition, die sich tags zuvor im Hauptausschuss des Nationalrates so zahm gezeigt habe. Faymann und Spindelegger, die einander dem Vernehmen nach gegenseitig sehr schätzen, steckten dann auch im Flugzeug die Köpfe einmütig zusammen, um vor dem Gipfel noch die österreichischen Strategien zu besprechen. Ihre Beamten nahmen dazwischen letzte Abstimmungen vor. Und alle rätselten, was denn die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy am Vorabend in Paris ausgemacht haben und beim Gipfel auf den Tisch legen mochten.

Die Personalien, zumal die dazu zirkulierenden österreichischen Namen, wurden von der Delegation nebenher gewälzt. Je nach Parteifarbe war etwa zu Wolfgang Schüssel als möglichen Präsidenten des Europäischen Rates unter der Hand Folgendes zu hören: "Zu lange aus dem Geschäft" oder "Kann schon sein, dass das was wird". Der offizielle Wortlaut dazu: "Wir unterstützen Wolfgang Schüssel mit aller Kraft." Das galt zumindest für den nach Parteifarbe dunkleren Teil der Delegation.

Kein Kommissar

Und die Schrammen aus dem Streit um die Kommissarsbestellung in den vergangenen Tagen? Man meidet das Thema, es wurde ja schon extensiv debattiert. Dass Johannes Hahn auch als EU-Kommissar Wiener Parteichef bleiben wolle? "Wir haben ihm vorher gesagt dass das nicht geht. Was soll man machen." Und welches Ressort Hahn denn nun in Brüssel bekommen wird? "Keine Ahnung, es ist noch zu früh das zu sagen. Mehrsprachigkeit wird es nicht werden, das will Barroso zum Glück abschaffen." (DER STANDARD, Printausgabe, 30.10.2009)

  • Bundeskanzler Werner Faymann und Außen-minister Michael Spindelegger in trauter Zweisamkeit auf dem Weg nach Brüssel.
    foto: standard/hopi

    Bundeskanzler Werner Faymann und Außen-minister Michael Spindelegger in trauter Zweisamkeit auf dem Weg nach Brüssel.

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