Reformvertrag tritt laut Sarkozy am 1. Dezember in Kraft

30. Oktober 2009, 15:27

Sofern Tschechiens Präsident Václav Klaus demnächst unterschreibt - Prag bekommt "Opt out" bei Grundrechtecharta

Nach jahrelangem Tauziehen könnte - wenn in Tschechien alles glatt läuft - der Reformvertrag von Lissabon nach Angaben Frankreichs am 1. Dezember in Kraft treten. Das stehe nach der Einigung auf dem EU-Gipfel in Brüssel "außer Zweifel", sagte zumindest der französische Präsident Nicolas Sarkozy am Freitag zum Abschluss der Beratungen.

Abzuwarten bleibt natürlich, wie kommende Woche - wahrscheinlich am 3. November - das tschechische Verfassungsgericht über eine Klage tschechischer Senatoren gegen den Vertrag entscheiden wird. Erst danach ist eine Unterschrift des EU-kritischen Präsidenten Vaclav Klaus, der nicht in Brüssel anwesend war, überhaupt möglich.

Der Weg zum Inkrafttreten des Reformvertrags wurde bereits am Donnerstagabend um 21 Uhr geebnet: Die Staats- und Regierungschefs gestanden Tschechien eine Ausnahme bei der mit dem Lissabon-Vertrag verknüpften EU-Grundrechtecharta zu. "Damit ist der Weg zur endgültigen Ratifizierung des Reformvertrages frei", erklärte der amtierende Ratspräsident, Schwedens Ministerpräsident Fredrick Reinfeldt, unmittelbar nach der Einigung.

Die schwedische Präsidentschaft hatte in der Causa vor allem mit fünf Ländern gesprochen - Tschechien, Österreich, Deutschland, der Slowakei und Ungarn. Tschechiens Präsident Václav Klaus hatte mit Blick auf die Beneš-Dekrete und allfällige Entschädigungsklagen von Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg auf das "Opt out" bestanden. Vorher wollte er seine Unterschrift nicht unter die Ratifikation des Vertrages setzen.

Ausnahmen auch für Polen und Briten

Rein formal tritt Prag einem Protokoll bei, das bereits den Polen und Briten Ausnahmen von der Grundrechtecharta zugesteht. Der Anhang soll dem nächsten Beitrittsvertrag - jenem Kroatiens oder Islands - beigefügt werden, um dem Lissabonvertrag eine neue Ratifizierungsrunde unter den EU-27 zu ersparen. Tschechiens Nachbarstaaten sollen von dem Kompromiss rechtlich nicht eingeschränkt werden.

Dass Václav Klaus diesmal tatsächlich unterschreiben wird, galt am Donnerstag in Brüssel als sicher. Der tschechische Präsident habe schließlich einen persönlichen Vertrauensmann in die EU-Kapitale geschickt, um mitzuverhandeln, erklärte ein in die Verhandlungen eingebundener Diplomat dem STANDARD.

Am Freitag haben dies auch beide engen Mitarbeiter des EU-kritischen Staatschefs angedeutet. Der Chef der Präsidentschaftskanzlei, Jiri Weigl, der am EU-Gipfel am Donnerstag präsent und ständig mit Klaus telefonisch im Kontakt war, erklärte, der Präsident habe für die Ratifizierung des Lissabon-Vertrages eine Bedingung gehabt, "die jetzt meiner Meinung nach erfüllt wurde ... Er wird keine Bedingungen mehr stellen", so Weigl.

Auch der Sekretär von Klaus, Ladislav Jakl, äußerte sich in diesem Sinn. "Die Erfüllung seiner Bedingung ist ein großer Fortschritt", sagte Jakl gegenüber der tschechischen Tageszeitung "Mlada fronta Dnes".

Damit liegt der Ball wieder beim tschechischen Verfassungsgericht, das am Dienstag über den Lissabon-Vertrag entscheiden soll. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 30.10.2009)

Kommentar posten
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rainer helmstreit
00
31.10.2009, 00:03
Wertegemeinschaft ..ade....

Wer kann sich noch erinnern als Österreich "sanktioniert " wurde weil es sich nicht der "Wertegemeinschaft" genehm verhalten hat!
Und genau die Selben erlauben die damals auf Werte gepocht haben erlauben einem Mitglied diese Werte nicht befolgen zu müssen..Alles scheinheilige Blender und eigentlich ehrloses Gesindel diese Politiker die diesem "Kompromis" das Wort geredet haben...einfach schändlich

sestrelevante
81
30.10.2009, 18:53
Sofortige Volksabstimung ,und austriet aus der EU,,,

net-diver
 
00
2.11.2009, 14:10
Warum?

Randalf X.
13
31.10.2009, 07:09
Einverstanden, das ist jetzt endlich möglich

Gerade durch die Möglichkeit einer Volksabstimmung und der Freiheit jeden Tag zu sagen "Wir wollen gehen." sind wir jetzt nicht mehr gepresste Politsklaven sondern frei Bürger, die sich jeden Tag dafür entschieden haben an dieser EU mitzumachen. Dieser Punkt gehört zu den Besten im gesamten Vertrag.

Christoph ************
12
30.10.2009, 20:50

Warum treten Sie nicht aus Österreich aus?

Randalf X.
29
30.10.2009, 18:29
Ich habe mir Mitte der 90-er zum EU-Beitritt die Nachteile der EU anhören dürfen

Schildlausjoghurt, Kriegseinsätze in EU-Ländern, ...

Jetzt höre ich die Ängste über den EU-Vertrag (Globalisierung, Neoliberalismus, ...). Also wenn das genauso läuft wie letztes Mal wird es wunderbar.

Truthlobby
00
3.11.2009, 12:13
nicht zu vergessen

die osteuropäer die uns allen die arbeitsplätze wegnehmen werden..

Ava Tar
22
31.10.2009, 00:11
Würden Sie bitte aufzählen,

was in den letzten 14 Jahren "wunderbar" war ?

Weh Ess Deh
11
31.10.2009, 13:32
Keine Schildläuse, kein Kriegseinsatz innerhalb der EU...

...und das waren ja die Argumente damals, oder, Hr. Ava Tar?

0Stoney0
31
30.10.2009, 18:16
Erfreulich

hiermit wäre die Überwachung der Bürger innerhalb der EU durch.
--
Willkommen in der ehemaligen DDR.

Ggg14
12
30.10.2009, 21:35

So ein Blödsinn.

GB ist der ärgste Überwachungsstaat in der EU und die haben ja bekanntlich mit Brüssel wenig am Hut.
-> dafür braucht man keine EU.

Anarchoskinhead
 
00
30.10.2009, 18:06
zweifler
31
30.10.2009, 18:04
Grundwerte

Soviel zur Bedeutung von Grundwerten in der EU....
Unrecht ist Recht, wenns der Freiheit des Kapitals dient.

Ggg14
00
30.10.2009, 21:36

Womit Sie die wahren Motive Klaus´ aufgedeckt haben.

Christoph ************
12
30.10.2009, 20:55

Sie haben wohl keinen Schimmer worum es hier überhaupt geht. Die Grundrechte betreffen nur die EU Gesetzgebung, im nationalen Rahmen gelten sie ja ohnehin schon länger. Mit dem Lissabon Vertrag gelten sie nun auch verbindlich für die EU und ihre Legislativakte.

Diese opt outs für GB, Polen und nun wohl auch Tschechien, sind wohl im Ende ziemlich unerheblich, da die EU Institutionen ohnehin an die Charta gebunden sind.

unlocked
00
1.11.2009, 17:49

es gibt gar kein opt out aus der charta seitens gb und polen

135
 
51
30.10.2009, 17:46
Hier wurde mit der Uninformiertheit der

Arbeitnehmer gerechnet.
Es ist höchste Zeit, die Menschen auf diverse Urteile des EuGH zu informieren, die Kollektivvertragsrecht und Streikrecht aushebeln..

Ggg14
00
30.10.2009, 21:36

... richtig, aber von Seiten Klaus´.

Christoph ************
10
30.10.2009, 20:59

Na was da manche als "streiken" bezeichnen ist ja auch eher verhaltenskreativ. Wenn man Konkurrenten sabotiert hat das meiner Meinung nach nichts mit streiken mehr zu tun.

Diese Problematik hat aber ohnehin wenig mit Lissabon zu tun. Sollte es wirklich zu größeren Problemen kommen, was ich derzeit nicht sehe, kann die EU ja gesetzgeberisch eingreifen. Dazu braucht es nur einer Mehrheit links der Mitte. Solange die ganzen Sozialdemokraten aber daheim bleiben weil die EU ja eh nichts kann, wird das halt sicher nichts.

135
 
01
31.10.2009, 11:46
Zu schön um wahr zu sein...

Und Sie denken, daß aufgrund der arbeitnehmerfeindlichen Haltung der mächtigen Lobbys eine konservative EU, auch nur das geringste unternehmen würde?
Die Sozialdemokraten sind eben nicht in der Mehrheit. Wären sie es, dann wäre auch fraglich, ob sie richtig reagieren würden. Sie sind Teil des Systems....

135
 
31
30.10.2009, 18:21
Traurig, wenn das einzige Argument ein rotes

Stricherl ist.

Stachanow, Mitarbeiter des Monats!
 
21
30.10.2009, 17:30
Schlechtest, denkbare Lösung!

Damit ist der Weg frei um auch Diktaturen in das "Friedensprojekt" EU aufzunehmen. Hauptsache neoliberal!

Gemeinsam mit der Nato Zivilisten in Afhganistan bombardieren, aber Hautsache der freie Kapitalverkehr (= Ursache der Finanzkrise) wird nicht eingeschränkt.

Die EU wirbt damit, gemeinsam die großen Ziele anzugehen. Tatsächlich verschlimmert sie aber die Zustände nur, indem sie die Entscheidungen dem "freien Markt" überlässt, der weder Moral noch Ethik kennt.

Die EU entwickelt sich immer mehr zu einem kriminellen Großreich. Kein Wunder, wo doch die Privatisierung (lat. berauben, enteignen) das definierte Ziel ist.

khaleb
00
30.10.2009, 17:27
gibts das irgendwo zu lesen ?

Ggg14
15
30.10.2009, 17:24

Schön langsam dämmerts den Tschechen (lt. Ö1-Mittagsjournal von heute), dass ihr Präsident neben den Benesdekreten auch erreicht hat, dass die tschechischen Bürger ihre zb Arbeitnehmerrechte jetzt nicht mehr beim EUGh einklagen können und ihnen ihr neoliberaler Präsident damit ein ganz schönes Ei gelegt hat.

135
 
52
30.10.2009, 17:34
Damit paßt die Haltung von Klaus exakt diversen

Entscheidungen des EuGH.
Die angebliche Begründung mit den Benesdekreten funktionierte also nur als Vorwand und zwar auch für die Sicht sowohl der Arbeitgeberlobby in Brüssel..
Damit zeigt sich deutlich, wie sehr der "Wettbewerbsliberalismus" sich mit Scheinargumenten maskiert..

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