Manfred Nowak

29. Oktober 2009, 18:42
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Die Stimme der Gefolterten und Misshandelten

Schlimmeres sehen in ihrem Beruf wohl nur die Folterknechte, die Henker, die Gefängniswärter. Und auch nur dann, wenn jene Taten verübt werden, denen Manfred Nowak auf den Grund zu gehen versucht. Als Uno-Sonderberichterstatter für Folter sieht er die Auswirkungen dieser Misshandlungen: Verstümmelte Arme und Beine, kaputtgeprügelte Leiber, blaugeschlagene Schädel. Auf seinen Missionen interviewt er Opfer und Zeugen, fotografiert Wunden, recherchiert in Gefängnissen und Polizeistationen, sammelt Beweismaterial.

16 sogenannte Fact Finding Missions hat der aus dem österreichischen Bad Aussee stammende Jurist bereits absolviert, seitdem er im Jahre 2004 sein Amt angetreten hat, außerdem drei Untersuchungen mit anderen Institutionen, zu Darfur, Guantánamo und eine zu Geheimgefängnissen, die noch in Arbeit ist. Länder wie China, die Mongolei, Jordanien, Nepal und Georgien ließen ihn in ihre Gefängnisse. So etwas wie jetzt in Simbabwe, wo er am Flughafen abgewiesen wurde, hat er bisher aber nicht erlebt. "Noch nie bin ich von einem Land so behandelt worden", sagt der 59-Jährige.

Dabei sind es nicht selten die Regierungen selbst, die den Uno-Berichterstatter einladen, wie eigentlich auch im Fall Simbabwes. Er wird meist freundlich empfangen und trifft Regierungsvertreter auf höchster Ebene, bevor er anfängt herumzufahren und zu recherchieren. "Da weiß die Regierung dann nicht, was ich tue", sagt Nowak.

Oberstes Gebot ist, dass er sich frei bewegen und alle Haftanstalten besuchen kann, die er will. Häftlinge interviewt er unter vier Augen. "Da bin ich sehr streng." Sonst sagt er den Besuch ab, wie 2005 in Guantánamo.

Der Menschenrechtsprofessor mit dem charakteristischen Schnauzbart und der meist tiefsitzenden Lesebrille ist bekannt für undiplomatische Aussagen. Da kritisiert er selbst US-Präsident Barack Obama, wenn er etwas ankündigt, was gegen das Völkerrecht verstößt. In Wien lehrt Nowak an der Universität, wo er - neben der Columbia in New York - studierte, und leitet das Boltzmann-Institut für Menschenrechte.

Seine nächste Mission führt Nowak im Februar nach Jamaika, eine weitere, hofft er, nach Kuba. Offen ist für ihn außerdem Nordafrika und Nahost. "Da gibt es schwere Foltervorwürfe." Ganz wichtig: "der Iran". Als Idealist würde sich der zweifache Vater aber nicht bezeichnen: "Ich bin Menschenrechtler", sagt Nowak auf die Frage. "Oft werden die schlimmsten Erwartungen übertroffen." Mit all seiner Erfahrung sei er deshalb mehr ein Realist. (Julia Raabe, DER STANDARD, Printausgabe, 30.10.2009)

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