Die Dr.-House-Zustellung

29. Oktober 2009, 18:10
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Der neue Fernsehapparat - ein Kompetenzzentrum für aktive Vernichtung von Lebenszeit

Rudi hat mit seinem neuen Fernsehapparat ein echtes Kompetenzzentrum für aktive Vernichtung von Lebenszeit erworben. Mit mehr als 40 Kanälen dampft aus dem Bildschirm die pure Affirmation. Zwischen Dokumentationen für Red Bull trinkende Abenteurer, die Wert auf Sicherheitsabstand gegenüber einem Leben als lebende Kanonenkugel oder als Bungee-Jumper in noch tätige Vulkane legen, ist Rudi bezüglich Adrenalin auch erst einmal rundum versorgt.

Drei Sender für Kleinkinder erinnern ihn an seinen Auftrag zur Fortpflanzung. Sie schaffen aber schlechte Stimmung. Ein Theaterkanal warnt vor überzogenem Ehrgeiz bei der Abendgestaltung. Fremde Mädchen fordern Rudi auf, sie anzurufen und sich ein paar geile Watschen abzuholen. Matlock und Magnum gibt es auch noch immer. Der Fashion-Channel setzt weiterhin auf Magersucht. Der Wetterkanal teilt den Herbst mit. Alles kein Problem.

Rudi muss mit seiner Fernbedienung aber auch die Stereoanlage, die Espressomaschine und die Haustür bedienen. Dies führt zum Problem, dass er nicht mehr Fußball schauen kann, weil er sich nämlich mit der Tastatur nicht auskennt. Lieblings-CDs lassen sich nicht mehr starten, MTV heißt jetzt Okto. Das Radio ist auf eine polnische Station mit christlicher Popmusik vorprogrammiert. Der Teletext wurde zur Homepage von Ö3. 3sat nennt sich Sat 1. Wenn man Kanal 47 eingibt, wird man von einem Hauszustellservice gefragt, ob man wirklich gebratenen Reis mit Ente essen wolle.

Rudi wollte das. Er hat das Kompetenzzentrum gekauft. Was ihn wirklich nachdenklich stimmt, ist, dass die Frau ohne Probleme sofort nachschauen kann, was sich bei Dr. House tut. Blöderweise ist die Bedienungsanleitung zu dick. (Christian Schachinger/DER STANDARD, Printausgabe, 30.10.2009)

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    foto: orf/universal
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