Baumschlager, Stohl und das doppelte Rallye-Duell

29. Oktober 2009, 18:00
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Sie sind die Chefs der heimischen Rallyeszene und konkurrieren nicht nur auf den Rennstrecken, sondern kämpfen auch um einen spezifischen Markt

Horn/Wien - Im Waldviertel steigt dieser herbstlichen Tage nicht nur das traditionelle Abfischen der Karpfenteiche. Zum 29. Mal wird am Wochenende auch die traditionelle Waldviertel-Rallye gegeben, sie wird um 14.50 Uhr in Gars am Kamp gestartet und endet am Samstag (17.44) in Horn. Am ersten Tag werden sechs Sonderprüfungen auf Asphalt gefahren, am zweiten sechs auf Schotter. Auf diesen 173 Kilometern geht es um die Zeit, auf den insgesamt rund 200 Kilometer langen Verbindungsstücken hingegen ist auf die Straßenverkehrsordnung zu achten, anderenfalls droht die Disqualifikation. Mehr als 130 Teams aus acht Ländern haben genannt.

Mundl Baumschlager (50) steht seit dem vorletzten Meisterschaftslauf Ende September in Admont als Staatsmeister fest. Er holte den Titel zum siebenten Mal en suite. Das ist sogar Weltrekord, denn das ist noch keinem in einem nationalen Championat gelungen, und dass der Franzose Sebastien Loeb im nächsten Jahr auf seinen siebenten WM-Titel losgeht, ist eine andere Geschichte.

Baumschlager ist in einem Škoda S 2000 des Remus-Racing-Teams unterwegs und auch im Waldviertel zu favorisieren. Manfred Stohl (37), unterwegs in einem erdgasbetriebenen Subaru Impreza des OMV CNG Rallye Teams, genügt Platz sieben, um Rang zwei in der Wertung zu behalten.

Ein fahrerischer Vergleich der beiden ist schwer anzustellen. "Kein Kommentar dazu" , sagt Stohl. "Schwer zu sagen" , sagt Baumschlager. Zu unterschiedlich sind heuer die Gefährte. Stohl fährt mit Gas, "weil es der Sponsor so will, weil ich gerne innovativ bin und weil man vor allem im Motorsport an die Umwelt denken sollte" . Stohl beschäftigt sich gedanklich schon länger mit elektrobetriebenen Rallye-Autos, schließlich ist "alles vorstellbar" .

Die Glaubwürdigkeit

Baumschlager war auch international gut drauf, ehe er aus Sponsormangel die heimische Szene aufmischte und auf Anraten von Freunden, gegen die er sich vergeblich wehrte, die Baumschlager Rallye & Racing GmbH in Micheldorf (OÖ) gründete. Stohl schaffte einen WM-Titel bei den Seriennahen, wirkte lange in der sündteuren WRC-Klasse in der WM mit, ehe der Sponsor andere Prioritäten setzte. Vater Rudi Stohl hatte schon eine Werkstatt, und nun leitet Manfred die Stohl Racing GmbH in Groß Enzersdorf (NÖ).

Baumschlager (17 Angestellte) und Stohl (elf Angestellte) bauen in ihren Firmen Rallye-Autos auf, verkaufen und verleasen sie. "Ich hab zehn Autos in diversen Meisterschaften laufen" , sagt Stohl. "Ich habe sechs Autos laufen, aber das Hauptgeschäft machen wir mit Setups und dem Teileverkauf" , sagt Baumschlager. Mit jenem Škoda, mit dem er heuer die Meisterschaft errang, war der Schwede Patrik Sandell in der P-WRC unterwegs, und Raimund Baumschlager gab den Chef des Red-Bull-Racing-Teams. "Das war teilweise ganz schön stressig."

Baumschlager und Stohl betonen, wie wichtig ihre eigene Performance fürs Geschäft ist, dass sie aber auch die Freude am Sport treibt. Und den lassen sich weltweit gut 99 Prozent aller Rallyefahrer sehr viel Geld kosten. "Es geht um die Glaubwürdigkeit bei den Kunden" , sagt Baumschlager. (Benno Zelsacher, DER STANDARD Printausgabe, 30.10.2009)

  • Baumschlager pflegt seine Kunden zügig zu werben.
    foto: harald ilmer

    Baumschlager pflegt seine Kunden zügig zu werben.

  • Stohl pflegt seine Kunden zügig zu werben.
    foto: omv/stohl

    Stohl pflegt seine Kunden zügig zu werben.

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