Faymann und Pröll in Brüssel, ein Skandal

29. Oktober 2009, 17:33
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Gerade hat der EU-Gipfel in Brüssel begonnen, und die Journalistenkollegen aus Österreich kommen aus dem Staunen nicht heraus. Das Match zwischen SPÖ und ÖVP, zwischen Kanzler Werner Faymann und Vizekanzler Josef Pröll geht weiter! Diesmal als Fernduell.

Es geht, man höre und staune, um die mögliche Besetzung von EU-Spitzenposten. Ganz konkret darum, wer erstens der erste ständige Präsident des Europäischen Rates wird, der als Vorsitzender der Treffen der 27 Staats- und Regierungschefs agiert und die Union in der Welt vertreten soll. Und zweitens um den Posten des neuen Hohen Beauftragten für die gemeinsame Außenpolitik, des "Mr. EU-Außenminister!"also. Beide Funktionen sind die eigentlichen Neuerungen des Lissabon-Vertrages, denn die Union schickt sich nach der Währungsunion nun an, auch eine gemeinsame Außen-, Sicherheits-, Wirtschafts- und Außenwirtschaftspolitik zu machen.

Das Rennen um diese Posten hat auf den höchsten Ebenen voll eingesetzt. Alle Staaten kämpfen darum, no na, es geht darum, sich über einen Landsmann indirekt nicht nur Prestige, sondern Einfluss zu sichern.

Alle Länder kämpfen? Nein, da ist ein kleines Ländchen hinter den Alpen, Österreich, das kämpft mit sich selbst! Pardon, dessen Regierung kämpft mit sich selbst. Denn aus vielen Ecken Europas, aus Deutschland, aus der Fraktion der Sozialdemokraten, bei den Christdemokraten sowieso, ist zu hören, dass unter gewissen Umständen auch Wolfgang Schüssel und Alfred Gusenbauer in Frage kämen, wenn ein Kompromiss gesucht werden muss zwischen alle 27 Ländern. Dann zum Beispiel, wenn Blair und Juncker als Präsidenten ausschieden, weil Briten und Benelux einander aus dem Rennen geschossen haben.

Nun müsste man meinen, der sozialdemokratische Österreicher Werner Faymann würde sich da ins Zeug werfen für Schüssel oder Gusenbauer. Weit gefehlt. Vor 40 Minuten etwa kam er im Ratsgebäude an, und was sagte er: "Ich habe davon noch nie gehört".

Etwa 1000 Meter entfernt tagten vor ein paar Stunden Europas Christdemokraten, darunter Josef Pröll und Michael Spindelegger. Pröll bestätigte, dass Schüssel seit langem "immer wieder genannt" wird. Und der Außenminister bekräftigte, dass Österreich "Interesse habe" am Top-Job. Nur bei Gusenbauer schränkte Pröll ein, dass er "dieses Gerücht gehört habe, aber er ist mir nicht so nahestehend, dass ich offensiv dafür eintreten würde".

Das kann ja noch ein amüsanter Gipfel werden. Später gibt's mehr.

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