Die Mehrheit profitiert vom Aufschwung nicht
Maputo - Als Mosambik (Mozambique) 1975 seine Unabhängigkeit
erlangte, war es eines der ärmsten Länder der Welt. Heute gilt es als
ein Hoffnungsträger Afrikas mit Wachstumsraten von acht Prozent in
den letzten Jahren und relativer politischer Stabilität. Die
Bevölkerung bekommt vom Wachstum jedoch wenig mit.
GESCHICHTE: Ab Ende des 15. Jahrhunderts stand das jetzige
Mosambik unter dem Einfluss Portugals. Fast ein halbes Jahrtausend
sollte es dauern, bis sich die portugiesischen Besatzer zurückziehen:
Ein Jahr nach der "Nelkenrevolution" in Portugal im Jahr 1974 wird
die Republik Mosambik am 25. Juni 1975 unabhängig. Die
marxistisch-leninistische "Mosambikische Befreiungsfront" (Frelimo),
die seit den 60er-Jahren gegen die Kolonialmacht Portugal kämpft,
übernimmt die Herrschaft über das Land. Erster Präsident wird Samora
Machel. Ab 1977 kommt es zu einem blutigen Bürgerkrieg mit der von
Rhodesien (heutiges Simbabwe) gegründeten und unterstützten
"Mosambikanischen Nationalen Widerstandsbewegung" (Renamo). Der Krieg
dauert bis 1992. Verlässliche Zahlen über die Opfer gibt es kaum. Man
geht aber von einer knappen Million Toten aus.
GEOGRAFIE UND BEVÖLKERUNG: Mosambik liegt im Südosten Afrikas.
Südlich grenzt es an Südafrika und Swasiland, westlich an Simbabwe,
Sambia und Malawi. Nördlich liegt Tansania. Mit einer Fläche von etwa
800.000 Quadratkilometer ist es knapp zehnmal so groß wie Österreich.
Es hat etwa 23 Millionen Einwohner.
POLITIK: 1994 kommt es zu den ersten freien Wahlen. Die Frelimo
erhält dabei knapp die absolute Mandatsmehrheit. Präsident wird der
seit 1986 regierende Joaquim Chissano. Seit damals konnte die Frelimo
ihren Vorsprung sukzessive ausbauen, im Moment stellt sie 160 der 250
Mandatare. Präsident ist Armando Guebuza. Die Renamo ist die derzeit
größte und mit 90 Sitzen einzige im Parlament vertretene
Oppositionspartei. Im Vorjahr wurde der Bürgermeister von Beira,
Daviz Simango, aus der Renamo ausgeschlossen und gründete seine
eigene Partei: die Bewegung für ein Demokratisches Mosambik (MDM).
Sie könnte bei den Wahlen am 28. Oktober der Renamo den Rang als
größte Oppositionspartei ablaufen. Politisch gilt Mosambik als
relativ stabil: "Der Bevölkerung ist der Frieden sehr wichtig", sagt
der deutsche Afrika-Experte Manfred Öhm. "Aber dadurch, dass die
Frelimo die Macht bisher noch nie abgeben musste und das in näherer
Zeit vermutlich auch nicht muss, verschwimmen die Grenzen zwischen
Staat und Partei."
WIRTSCHAFT: Die Portugiesen hinterließen ein wirtschaftlich
marodes Land. Durch den Bürgerkrieg wurde die Armut weiter verstärkt.
Ende der 80er-Jahre begann man, die vormals zu einem großen Teil
verstaatlichte Industrie zu privatisieren. Durch Entwicklungshilfe
des Internationalen Währungsfonds konnte die Inflation von 160
Prozent im Jahr 1987 auf 35 Prozent im Jahr 1991 gesenkt werden.
Heute beträgt sie knapp zehn Prozent. Das BIP-Wachstum betrug in den
vergangenen Jahren zwischen sieben und acht Prozent, für 2009 wird -
auch wegen der Wirtschaftskrise - ein Wachstum von etwa sechs Prozent
erwartet. Allerdings sei das hauptsächlich ein Resultat weniger
Großprojekte, die Bevölkerung würde davon kaum profitieren, sagt Öhm.
2001 lebten 70 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze.
Mosambik ist unter anderem Mitglied der UNO, UNESCO, WHO und WTO.
QUELLEN: CIA Factbook, Friedrich-Ebert-Stiftung,
Konrad-Adenauer-Stiftung, EISA. (APA)