Internet-Guru Jarvis zu deutschen Medien: Nicht an Altem festhalten

29. Oktober 2009, 15:59
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"Anstatt Google als Feind zu betrachten, sollten Sie daraus lernen"

 Der amerikanische Internet-Guru hatte eine wichtige Botschaft an die Diskutanten in Deutschland: "Ich bin sehr besorgt um die deutsche Haltung, an alten Modellen festhalten zu wollen", sagte Jeff Jarvis, der beim sogenannten Printgipfel der Münchner Medientage per Skype zugeschaltet war. "Anstatt Google als Feind zu betrachten, sollten Sie sehen, was Sie daraus lernen können", meinte der Autor, der das in der Medienbranche viel beachtete Buch "Was würde Google tun?" schrieb.

"Mich nervt die Diskussion um Print oder Online"

Mit dieser Botschaft ließ Jarvis, der die Zukunft nur in einer schönen neuen Online-Welt sieht, um sieben Uhr morgens New Yorker Zeit deutsche Verleger und Chefredakteure allein - und erntete prompt Widerspruch. "Mich nervt die Diskussion um Print oder Online", sagte "Handelsblatt"-Chefredakteur Bernd Ziesemer. "Mich interessiert als Journalist nur die Frage: Kann ich weiter Qualitäts-Inhalte liefern? Egal in welcher Form. Hauptsache, ich kann weiter 20 Korrespondenten für meine Zeitung halten."

Andreas Scherer, Vorsitzender des Verbandes Bayerischer Zeitungsverleger, wiederholte seine Forderung nach Nutzungsgebühren für die Leser, die seine Zeitung ("Augsburger Allgemeine") ausschließlich im Netz konsumieren. "Wie viele Page Impressions brauchen wir denn noch, um uns von der Gratiskultur zu verabschieden?", fragte er.

"Differenzier oder stirb."

Kleinteiligere Formen werden laut Helmut Heinen, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, eine Rolle spielen. "Wir können uns im Print nicht mehr erlauben, zu berichten, was passierte, sondern wie etwas passierte", ergänzte Burda-Vorstand Philipp Welte. Ziesemer brachte es auf den Punkt: "Differenzier oder stirb."

Claus Strunz, Chefredakteur des "Hamburger Abendblatts", sieht durch das Aufkommen neuer Medien auch positive Entwicklungen. Der Beruf des Journalisten sei wiedererstarkt. Jeff Jarvis und seine Thesen wirkten wie ein "Tritt in den Hintern", sind somit nützlich. Aber eines gibt auch Strunz zu bedenken: "Wie hat Jarvis es mit seinem Buch geschafft? Auf gedrucktem Papier und nicht im Internet!" .(APA)

 

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