Präsidentschaftskandidatur: Tusk stürzt in Umfragen massiv ab

29. Oktober 2009, 15:31
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39 Prozent der Polen wissen derzeit nicht, wen sie im Herbst 2010 wählen werden

Warschau - Der polnische Premier Donald Tusk, der mehrere Monaten lang als sicherer Kandidat für das neue Staatsoberhaupt galt und sich noch vor kurzem einer Unterstützung von rund 50 Prozent der Wähler freute, ist in einer aktuellen Umfrage beinahe sensationell abgestürzt. Nur noch 21 Prozent der Polen wollen Tusk als Präsident, berichtete die Tageszeitung "Rzeczpospolita" am Donnerstag. Nach Ansicht von Experten deutet dieses Ergebnis darauf hin, dass sich viele Polen einen dritten Kandidaten neben Tusk und dem amtierenden konservativen Präsidenten Lech Kaczynski wünschen.

An zweiter Stelle platzierte sich mit 16 Prozent Unterstützung der ehemalige polnische Außenminister und Ex-Premier Wlodzimierz Cimoszewicz. Laut Beobachtern hätte er als einziger eine Chance, Tusk bei den Präsidentenwahlen zu schlagen. Doch Cimoszewicz will nicht kandidieren, wie er in der vergangenen Woche öffentlich ankündigte. Ihm fehle das politische Umfeld. Mit seiner Partei, dem Bündnis der Demokratischen Linken (SLD), hat sich Cimoszewicz überworfen, weil er mit ihrem Kurs nicht mehr einverstanden war. Erst an dritter Stelle landet in der GfK-Polonia-Umfrage mit zwölf Prozent Amtsinhaber Kaczynski.

39 Prozent unentschlossen

39 Prozent der Befragten wissen derzeit noch nicht, wen sie bei der Präsidentenwahl im Herbst 2010 wählen werden. Der Sozialpsychologe Norbert Maliszewski von der Warschauer Universität glaubt, dass dies eine Folge des permanenten Konflikts zwischen Tusk und Kaczynski sei. Seiner Meinung nach hätte diese Wählergruppe gerne einen anderen Kandidaten. "Diese Sehnsucht zeigt sich in der hohen Popularität von Cimoszewicz, der aktuell eigentlich wenig macht und bei jedem Schritt und Tritt betont, dass er keine Absicht hat, zu kandidieren. Wäre er gestartet, könnte er alle überraschen, weil ein Teil der Wähler der PiS (rechtskonservative Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit) lieber den Postkommunisten als den Anführer des gegnerischen Lagers unterstützen würde", so Maliszewski.

Auch andere Politologen sind der Auffassung, dass die Polen des politischen Krieges zwischen der rechtsliberalen Regierungspartei PO (Bürgerplattform) und der PiS müde sind. "Es kann sich herausstellen, dass wir es bei den nächstjährigen Präsidentenwahlen mit der niedrigsten Wahlbeteiligung seit 1989 zu tun haben werben", erklärte der Politologe Jacek Kloczkowski gegenüber "Rzeczpospolita". (APA)

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