"Solange Essen da ist, wird besetzt"

29. Oktober 2009, 15:51
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Wie lange wird der Protest der Studierenden noch andauern? derStandard.at bringt mögliche Ausstiegsszenarien

Seit einer Woche ist das Audimax der Uni Wien jetzt schon besetzt. Wie lange wird die Besetzung noch weitergehen? Wie wird der Protest beendet werden? derStandard.at fasst mögliche Ausstiegsszenarien zusammen - einige davon nicht ganz ernst gemeint.

Szenario 1 - Das Audimax wird noch heute Nacht geräumt.

Eher unwahrscheinlich. Das Audimax-Kollektiv hat schon das Programm für die nächsten Tage festgelegt (diverse Workshops, Vorträge und Podiumsdiskussion) und scheint nicht davon auszugehen, dass es den Saal demnächst räumen muss. Auch seitens der Uni heißt es auf Anfrage von derStandard.at, dass keine Räumung geplant ist. Derzeit bestehe die Notwendigkeit nicht, weil "keine Gefahr im Verzug" ist.

Szenario 2 - Die Besetzer ziehen sich von selbst zurück, weil das Audimax von Streikbrechern gestürmt wird.

Ja, es gibt auch Studierende, die gegen die Besetzungen der Unis sind. So zum Beispiel Vertreter auf der WU, der Montan-Uni oder des Juridicums. Ihre Äußerungen sind den Besetzern bis dato aber herzlich egal. Es ist also nicht damit zu rechnen, dass die Besetzer sich von ihren Kollegen, die gegen die Proteste sind, überreden lassen, abzuziehen.

Szenario 3 - Die Studierenden halten noch eine Weile durch, geben dann aber auf, weil ihnen das Geld ausgeht.

Die Besetzung der Hörsäle ist sehr zeitaufwendig. Auch wenn sich die Studierenden im Audimax abwechseln, wird der eine oder andere keine Zeit mehr haben, seinem (Neben)job nachzugehen. Und irgendwann geht den Betroffenen dann wohl das Geld aus. Im Audimax werden zwar laufend Spenden gesammelt, trotzdem könnte die finanzielle Situation ausschlaggebend für den Abzug werden.

Szenario 4 - Die Volxküche sperrt zu und die Studenten ziehen hungrig ab.

"Solange Essen da ist, wird die Besetzung weitergehen", sagten zwei Studentinnen in RAU-TV, die in der Volxküche des Audimax mitarbeiten. Und sie könnten recht haben. Solange für leibliches Wohl gesorgt ist, werden die Studierenden immer wieder zurückkommen. Derzeit gibt es noch genug Spenden für die Köche, allerdings besteht auch hier möglicherweise die Gefahr, dass diese abreißen.

Szenario 5 - Wissenschaftsminister Hahn macht den Studenten ein Zugeständnis - sie ziehen zufrieden ab.

Die Banken haben ihre Finanzspritze schon erhalten, die nächste ergeht an die Unis. Das bedeutet: keinen Zugangsbeschränkungen mehr, keine Studiengebühren, genügend Seminarplätze und ausreichend Sitzplätze in den Hörsälen. Auch die prekären Beschäftigungsverhältnisse für Lehrende werden aufgehoben und die Stipendien ausgebaut. Die Audimax-BesetzerInnen ziehen zufrieden ab und überreden Hahn, doch nicht als EU-Kommissar auf EU-Ebene zu wechseln, sondern Wissenschaftsminister in Österreich zu bleiben.

Szenario 6 - Das Audimax wird zum Wissenschaftsministerium.

Bundeskanzler Faymann nimmt die jüngste derStandard.at-Umfrage ernst und ernennt das Audimax-BesetzerInnen-Kollektiv zum neuen Wissenschaftsminister. Das Audimax wird vom Hörsaal zum Ministerium umfunktioniert. Die Beamten machen sich in der Galerie breit und richten ihre Amtsstuben ein. Beschlüsse werden über das Plenum gefasst und in den wöchentlichen Ministerrat wird jedes Mal ein basisdemokratisch legitimierter Vertreter entsandt.

Szenario 7 - Die Audimax-BesetzerInnen sind auch noch in 20 Jahren vor Ort.

Wir schreiben das Jahr 2029. Das Audimax ist immer noch besetzt. Die inzwischen teils ehemaligen Studenten leben in einer Art Kommune. Es gibt schon Audimax-Nachwuchs aus der Babyboomzeit der Erstbesetzungen 200, der auch schon inskribiert ist. Die Uni hat schon 2011 die Hoffnung aufgegeben, dass die Besetzer jemals abziehen könnten und hat die Regierung gebeten, im Zuge des Parlamentsumbaus auch gleich ein neues Audimax am Ring errichten zu lassen. Dort finden die Einführungsvorlesungen seit 2013 auch statt. Mit 5.000 Sitzplätzen wurde es sicherheitshalber größer gebaut als das alte. Der Rathauspark musste leider dran glauben. (rwh, derStandard.at, 29.10.2009)

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    Werden die Studenten irgendwann auch wieder abziehen? Derzeit schaut es nicht danach aus.

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