US-Rezession zu Ende

29. Oktober 2009, 17:39
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Ökonomen warnen vor Euphorie: Allein die Staatshilfe machte die Wende möglich. Jetzt drohen wieder härtere Zeiten

Wien/Washington - Angetrieben vom privaten Konsum und dem Wohnbau ist die US-Wirtschaft im dritten Quartal 2009 erstmals seit einem Jahr wieder gewachsen. Die US-Wirtschaft legte nach den am Donnerstag veröffentlichten Zahlen in den vergangenen drei Monaten um 3,5 Prozent zu. Anders als in Europa rechnen die USA ihre Quartalszahlen stets aufs ganze Jahr hoch. Nach europäischer Berechnung betrug das Wachstum im Quartal "nur" 0,86 Prozent.

Dennoch: "Eine bemerkenswerte Zunahme" , sagt Marcus Scheiblecker, Konjunkturexperte am Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung. Erstaunlich sind vor allem einige Detailergebnisse. Die Ausgaben für den privaten Wohnungsbau gehen in den USA seit Ende 2005 zurück. Die Einbußen waren zum Teil gewaltig, und der Einbruch am Immobilienmarkt hat die Krise ja mitausgelöst.

Im vergangenen Quartal gab es nun erstmals wieder ein Wachstum beim Wohnbau, und zwar übers Jahr gerechnet um rund 23 Prozent (nach europäischer Berechnung: etwa plus fünf Prozent). Laut dem Wall Street Journal war das der höchste Anstieg seit 1986. Zugelegt hat aber auch der Privatkonsum, der das Bruttoinlandsprodukt mit Abstand am stärksten beeinflussende Indikator. Der Konsum nahm um 3,4 Prozent zu. Vor allem der Anstieg des Autoverkaufs treibt den Privatkonsum an, sagen US-Analysten.

Verschrottungsprämie

Für die guten Zahlen vom Automobilmarkt zeichnet vor allem die Verschrottungsprämie verantwortlich. Die USA hatten ihr "Cash for clunkers" -(etwa: Bargeld für Rostlauben)-Programm erst im August verlängert. Wer einen sparsameren Neuwagen kauft, kann in den USAmit einer Prämie von bis zu 4500 Dollar rechnen.

Scheiblecker geht generell davon aus, dass die massive US-Staatshilfe für die positiven Konjunkturdaten verantwortlich zeichnet, Experten des Weißen Hauses schätzen, dass die Staatshilfe rund zwei Prozent des Wachstums ausgemacht hat. "Es war klar, dass irgendwann ein Wachstum kommen muss, wenn der Staat so viel Geld in die Wirtschaft steckt" , sagt Scheiblecker. Allerdings:"Das ist kein selbstragender Aufschwung, sobald die aktive Fiskalpolitik nachlässt, geht es wieder bergab."

Das glauben auch die Amerikaner selbst: Wie das Wirtschaftsforschungsinstitut Conference Board am Dienstag bekanntgab, sank das Vertrauen der US-Verbraucher in die wirtschaftliche Entwicklung ihres Landes unerwartet deutlich. Der entsprechende Index verringerte sich im Oktober auf 47,7 Punkte, im September lag der Index noch bei 53,4 Punkten.

Die schönsten Zahlen

Kai Carstensen, Chef der Konjunkturforschung am Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (ifo), rechnet im kommenden Jahr mit einem weit niedrigeren Wachstum. "Das waren jetzt die schönsten Zahlen, die wir bis Ende 2010 sehen werden" , sagt er im Gespräch mit dem Standard.

Carstensen ortet aber Bewegung am Arbeitsmarkt, er spricht von einer relativen Entspannung: Die Arbeitslosigkeit werde zwar weiter steigen, aber nicht mehr so stark wie in den vergangenen Monaten. "Bei vergangenen Krisen war dies stets ein Zeichen dafür, dass sich die Rezession nicht mehr verschärft" , sagt der Ökonom. Die Arbeitslosigkeit in den USA liegt derzeit auf einem Rekordhoch von 9,8 Prozent. (András Szigetvari, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 30.10.2009)

 

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    Das Ende der Krise oder nur eine kurze Atempause? Die Amerikaner kaufen wieder mehr, was die Wirtschaft anfacht. Allerdings verschlechtert sich die Stimmung unter den US-Konsumenten neuerlich.

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