Raiffeisen bäckt im Osten Brötchen für McDonald's

29. Oktober 2009, 19:01
11 Postings

Der Mühlenriese - bekannt durch die Mehlmarken "Finis Feinstes" und "Farina" - investiert 50 Millionen in seine Expansion

Raiffeisen versucht sich als Bäcker und stößt dafür mit ihrem Mühlenkonzern Leipnik Lundenburger in neue Gefilde vor. Eigene Brötchen zu backen sei nicht ganz unproblematisch - zumal man seinen bestehenden Kunden ja keine Konkurrenz machen wolle, räumt LLI-Vorstand Kurt Miesenböck ein. Wirklich geplant habe man das nie, aber dann sei McDonald's an einen herangetreten. Nun wird investiert.

Zehn Millionen Euro fließen in die neue Bäckerei in Bukarest, die ab Juni die Laberln für die US-Fastfood-Kette backen wird. Bestimmt sind sie für den rumänischen und bulgarischen Markt, bisher erledigten deutsche Partner das Geschäft.

Verträge mit McDonald's hat die Leipnik Lundenburger keine; auch der Wiener Bäcker Kurt Mann, der weitere große Brötchenproduzent des Konzerns, muss ohne sie auskommen. Die Amerikaner sichern aber immerhin die Abnahme fixer Mengen zu. Gegen ihre Gepflogenheiten ist es, dass der Mühlenriese auch andere Kunden in Osteuropa beliefern darf, so soll Toastbrot für Supermärkte vom Band laufen.

Unter dem Mühlrad

Europas größtes Mühlenimperium sieht sich mit einer wachsenden Konzentration im Handel konfrontiert und dreht an der Kostenschraube. In Ungarn ersetzt die LLI zwei veraltete Mühlen durch eine neue. Werke in Tschechien, Polen und Deutschland werden modernisiert. Das Geschäft mit Mischfutter in Ungarn gab der Konzern auf. Um Wertschöpfung zu erhöhen, bringt man sich stärker bei Backmischungen und Spezialmehlen ein.

Alles in allem lassen sich die Giebelkreuzer die Mühlen im neuen Geschäftsjahr 50 Mio. Euro kosten. 20 Mio. sind in den kommenden drei Jahren für Schwechat reserviert: Der Standort, der regelmäßig in Frage gestellt wurde, ist damit über die nächsten Jahrzehnte abgesichert, sagt Miesenböck.

Fest im Griff hat Raiffeisen mittlerweile das bulgarische Mehlgeschäft. Leipnik Lundenburger hat vor kurzem die größte Mühle des Landes gekauft - mit ihr lässt sich gut die Hälfte des Mehlbedarfs Bulgariens abdecken. Für Sand im Getriebe sorgt freilich der in Krisenzeiten florierende Schwarzmarkt: Der geringe Getreidepreis zieht unzählige kleinen Müller an. Weizen, Mehl und Brot werden an der Steuer vorbei geschleust.

Der weltweite Einbruch bei den Preisen für Getreide und Mehl kostet Leipnik Lundenburger Umsatz. Er soll sich 2009/10 bei einer Mrd. Euro einpendeln, rechnet Christoph Kempkes, Chef der LLI Euromills, vor. Die Tonnage sei hingegen gestiegen, auch das Ergebnis habe sich leicht verbessert. Vom einst für 2010/11 ins Auge gefassten Börsenplan hat man angesichts des wenig erbaulichen Marktumfelds Abstand genommen. Ein Abbau unter den europaweit mehr als 2800 Mitarbeitern ist nicht geplant.(Verena Kainrath aus Sofia, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 30.10.2009)

 

Share if you care.