Norwegischer Expressionismus im Leopold Museum

29. Oktober 2009, 12:42
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Zu "Edvard Munch und das Unheimliche" gesellt sich eine Wiederentdeckung von Aksel Waldemar Johannessen

Wien - Während mit "Edvard Munch und das Unheimliche" ein prominenter norwegischer Künstler derzeit die Hauptausstellung im Leopold Museum bestreitet, findet sich von 30.10. bis 11.1 im Untergeschoß eine kleine, aber nicht weniger düstere, Ausstellung eines vergleichsweise unbekannten Landsmanns: "Aksel Waldemar Johannessen. 1880-1922. Ein Expressionist aus Norwegen" nennt sich die Schau, die zum ersten Mal rund 40 Hauptwerke des wiederentdeckten Künstlers in Wien zeigen. Die Werke wurden von Rudolf Leopold persönlich für die Ausstellung ausgesucht, wie es in der Ankündigung heißt.

In seinem Werk widmet sich Aksel Waldemar Johannessen "sozialkritischen Themen aus der Welt der Arbeiter, Trinker und Prostituierten und schildert ihre Sinnlichkeit und Nöte". Einige der gezeigten Ölgemälde tragen Titel wie "Zur Prostitution gezwungen, 1915", "Trinkerfamilie, 1916" oder "Ohne Frieden, 1921-1922". Ähnlich wie viele Protagonisten in seinen Bildern steuerte auch der Künstler einem dramatischen Ende zu. Johannessen starb mit 42 Jahren an den Folgen exzessiven Alkoholkonsums.

1880 in Oslo geboren, studierte Aksel Waldemar Johannessen Bildhauerei an der Staatlichen Kunstschule in Oslo und gründete gemeinsam mit seiner Frau eine Werkstätte für traditionelle Trachten und Erzeugnisse der Volkskunst. Er stand in engem Kontakt mit dem norwegischen Dichterpaar Arne und Hulda Garbor, den Begründern des Norwegischen Theaters, und entwarf für sie Bühnenbilder und Kostüme. Von seiner Umgebung weitgehend unbemerkt betätigte sich Aksel Waldemar Johannessen seit 1912 auch als Maler. Bis zu seinem frühen Tod entstanden zahlreiche Gemälde, von denen sich der Künstler zeit seines Lebens nicht trennte.

Nach seinem Tod gerieten die Bilder rasch in Vergessenheit. Erst 1990 wurden sie vom norwegischen Kunstliebhaber Haakon Mehren wieder entdeckt. Seither gelten die Bilder von Aksel Waldemar Johannessen als bedeutender Beitrag Norwegens zur Kunst des Expressionismus. (APA)

 

  • "Zur Prostitution gezwungen, 1915"
    foto: leopoldmuseum

    "Zur Prostitution gezwungen, 1915"

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