Obama ehrt gefallene Soldaten

29. Oktober 2009, 12:57
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US-Präsident zu Überraschungsbesuch auf der Dover Air Force Base - Bush hatte Bilderverbot erlassen

US-Präsident Barack Obama hat in der Nacht auf Donnerstag überraschend die Dover Air Force Base besucht. Auf dem Luftwaffenstützpunkt im Bundesstaate Delaware landen die Maschinen, die die Überreste im Ausland gefallener US-Soldaten zurück in die Heimat bringen. Diesmal brachte ein aus Afghanistan kommender C-17-Transporter die Leichen von Soldaten und Mitarbeitern der Drogenbehörde DEA, die bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommen waren, und die acht Opfer eines Bombenanschlags in Südafghanistan (derStandard.at berichtete).

Obama marschierte mit Soldaten im Gleichschritt zu dem Flugzeug und salutierte, als die Särge ausgeladen wurden. Wenige Stunden vor seinem Ausflug hatte der Präsident das neue US-Verteidigungsbudget in Höhe von 680 Milliarden Dollar (460 Milliarden Euro) unterzeichnet. Demnächst soll er über die Entsendung weiterer Truppen nach Afghanistan entscheiden.

Quelle: Youtube

Die Visite des Präsidenten, der von ausgewählten Journalisten und Fotografen begleitet wurde, stellt einen Bruch mit der Medienpolitik seines Amtsvorgängers George W. Bush dar. Dieser hatte untersagt, Bilder der mit US-Flaggen bedeckten Soldatensärge zu zeigen.

Särge unter dem Sternenbanner im TV

Diskussionen über die öffentliche Wirkung der Bilder von Kriegstoten hatte es in den USA bereits im Bürgerkrieg und während der beiden Weltkriege gegeben. Doch erst das neue Massenmedium Fernsehen verlieh der Diskussion eine neue Qualität: In den 60er Jahren flimmerten die Bilder von der Heimkehr der in Vietnam gefallenen US-Soldaten in die Wohnstuben, die Aufnahmen von Särgen unter dem Sternenbanner wurden zum machtvollen Symbol für die Grausamkeit des Kriegs. Dass sich die öffentliche Stimmung in den USA gegen den Krieg wandte, lasteten Armee und Regierung damals vor allem den Medien an.

Bush senior wollte vorgewarnt werden

Während des US-Angriffs auf Panama 1989 zeigten mehrere TV-Sender gleichzeitig eine Ansprache des damaligen Präsidenten George H.W. Bush, in der er bestens gelaunt erschien, und Bilder flaggenbedeckter Särge gezeigt hatten ("Split-Screen"). Der Staatschef brachte sein Missfallen zum Ausdruck und verlangte, in Zukunft vor dem Einsatz dieser Technik darauf aufmerksam gemacht zu werden, was allerdings drei der vier großen TV-Netzwerke ablehnten.

Als die USA 1991 gegen den Irak in den Krieg zogen, wurden Aufnahmen von den Särgen gefallener Soldaten verboten. Damit entschärfte die Regierung ein machtvolles Instrument zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung, sagt die Medienforscherin Kelly McBride von der US-Denkfabrik Poynter Institute: "Wenn ich Ihnen ein Jahr lang einmal pro Woche einen Sarg zeige, werden Sie zu dem Schluss kommen, dass in diesem Krieg sehr viele Menschen sterben." Bilder von Toten seien weitaus wirkungsvoller in der Öffentlichkeit als Statistiken über die Zahl der Gefallenen, sagt McBride.

Erschütternde Bilder aus Somalia

US-Politiker und -Militärs sprechen vom "Dover-Test", um die Reaktion der Öffentlichkeit auf die Bilder Gefallener zu beschreiben. So wurde die Militäroperation "Restore Hope" in Somalia 1993 abgebrochen, nachdem Aufnahmen verstümmelter US-Soldaten in den Straßen Mogadischus für das TV-Publikum entsetzt hatten. (bed/derStandard.at/29.10.2009)

Link

New York Times: Obama Visits Returning War Dead

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    Militärischer Salut für gefallene Soldaten

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    Der Präsident an der Laderampe der C-17

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    Im Gleichschritt über das Vorfeld

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