Vorstoß bei "Pille danach"

29. Oktober 2009, 12:07
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Gesundheitsminister Stöger und Frauenministerin Heinisch-Hosek einig in der Frage, dass Notfallsverhütungsmittel rezeptfrei erhältlich sein soll

Wien - Die "Pille danach" soll nach jahrelanger politischer Diskussion nun bald auch in Österreich rezeptfrei erhält sein. Dafür haben sich sowohl die Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek als auch Gesundheitsminister Alois Stöger in einer parlamentarischen Anfragebeantwortung an die Grünen ausgesprochen. "Wir fordern den Minister auf, das rasch durchzubringen bzw. umzusetzen", betonte die Grüne Frauensprecherin Judith Schwentner bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Wien.

Die Verordnung könnte vom Gesundheitsminister relativ rasch erlassen werden. Man warte aber laut Stöger-Sprecherin Sigrid Rosenberger noch auf die Empfehlung der Rezeptpflichtkommission. Die Herstellerfirma müsse zunächst einen Antrag auf Rezeptfreiheit bei der Rezeptpflichtkommission einbringen, dieser sei bis dato noch ausständig. "Es ist aber alles in Vorbereitung, der Minister steht dem positiv gegenüber", sagte Rosenberger.

Wirkungsweise

Die "Pille danach" ist ein Notfallsverhütungsmittel, das bei der Frau den Eisprung verhindert oder verzögert. Wenn es nach dem Eisprung zum ungeschützten Geschlechtsverkehr kam, ist die "Pille danach" nicht mehr wirksam. Frauengesundheitseinrichtungen und ExpertInnen zur reproduktiven Gesundheit betonen deshalb, dass das Präparat so früh wie möglich nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden muss, damit seine Wirksamkeit erhöht wird.

Als Alternative zu herkömmlichen Verhütungsmitteln ist die "Pille danach" allerdings nicht geeignet. Mit einer durchschnittlichen Sicherheit von ca. 93 Prozent ist sie deutlich unsicherer als die Antibabypille, Kondome oder Spirale.

Beschränkter Zugang

Seit vielen Jahren wird von SPÖ und Grünen kritisiert, dass der Zugang zur "Pille danach" durch die Rezeptpflicht stark eingeschränkt ist. Eine Studie der österreichischen Gesellschaft für Familienplanung unter Spitälern in Österreich hat etwa gezeigt, dass fast ein Fünftel der Spitäler keine Notfallsverhütung abgibt, sondern in jedem Fall an andere Stellen weiterverweisen. Zu 18 Prozent haben die Patientinnen die Auskunft als unfreundlich, nicht informativ und teilweise falsch empfunden.

Seit 2005 kann die "Pille danach" in "besonderen Notfällen" von Apotheken auch ohne Rezept abgegeben werden, so sieht es ein Erlass aus dem Gesundheitsministerium vor. "Gezielte Fragen vom Vorliegen einer Notfallsituation" sollen einer rezeptfreien Abgabe vorausgehen. Ein Umstand, den auch der Gesundheitsminister nicht als ausreichend empfindet.

Österreich Schlusslicht

Die Pille danach ist bereits in den meisten europäischen Ländern ohne Rezept zugänglich. Dazu zählen Belgien, Bulgarien, Tschechien, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Ungarn, Lettland, Luxemburg, Niederlande, Portugal, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Schweden und Großbritannien.

Damit das Gesundheitsministerium eine solche Verordnung erlassen kann, muss vorher ein Pharmaunternehmen einen entsprechenden Antrag bei der Rezeptpflichtkommission stellen. In Österreich bieten derzeit zwei Pharmaunternehmen die "Pille danach" an. (APA/freu, dieStandard.at, 29.10.2009)

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    Notfallsverhütung mittels "Pille danach" soll bald auch in Österreich rezeptfrei passieren können. Die Grünen wünschen sich überdies einen niederschwelligeren Zugang zu Verhütungsmitteln und dass diese insgesamt leistbarer werden.

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