Uni-Besetzer: Sie machen es richtig

29. Oktober 2009 11:41

Wieso sich durch die Studierenden-Proteste auf kurze Sicht nichts ändern wird, die Aktion aber längerfristig in den Köpfen vieler etwas bewegen wird

Zehntausende Studierende gehen auf die Straße und besetzen nun schon den achten Tag das Audimax in Wien. Es wird dennoch nichts bringen - kurzfristig gesehen zumindest. Irgendwann werden die Studenten das Audimax und viel früher noch die anderen besetzten Hörsäle verlassen und der Alltag wird wieder einkehren. Die Vorlesungen werden weiter überfüllt bleiben, die Frauenquote von 50 Prozent in allen Bereichen des Universitätspersonals wird es immer noch nicht geben und auch das Bachelor-Master-System wird nicht so schnell überarbeitet werden.

Doch längerfristig werden die Protestierenden etwas erreicht haben. In den Köpfen vieler wird hängen bleiben, wie untragbar die Bedingungen auf den österreichischen Unis sind, wie unzufrieden die Studenten mit ihrer (Aus)bildung sind, und dass sich etwas ändern muss. Je länger die Studenten in den besetzten Hörsälen ausharren, desto deutlicher wird das.

Auch wenn die Forderungen der Studenten für viele zu unrealistisch scheinen, als dass sie jemals Realität werden könnten, sie regen einen Diskussionsprozess an, dem sich auch die Politik nicht mehr verschließen kann. Die Audimax-Besetzer können, wenn sie im Hörsaal bleiben, im Moment also nichts falsch machen. Sie machen es richtig, wenn es um generelle Fragen der künftigen Bildungspolitik geht.

Die Audimax-Besetzer können in den nächsten Tagen noch versuchen, stärker mit den Schülern zusammenzuarbeiten. Auch sie plagen sich seit Monaten und Jahren mit dem nicht-funktionierenden Bildungssystem herum und sind erst vor einem halben Jahr auf die Straße gegangen, um zu demonstrieren. Diese Proteste werden auch von den Eltern unterstützt. Und auch die Lehrenden - egal ob in der Schule oder Uni - liegt  eine eine Verbesserung der Bildungspolitik am Herzen. Denn auch für sie ist es angenehmer, in einem funktionierenden System zu arbeiten.

Die Mobilisierung von Schülern, Eltern und Lehrenden böte für die Besetzer also eine Möglichkeit, um noch mehr Unterstützer auf ihre Seite zu bringen. (Rosa Winkler-Hermaden, derStandard.at, 29.10.2009)

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KTHXBYE
02.12.2009 20:22
"Uni-Besetzer: Sie machen es richtig"

Stimmt. Party und lustige Rollenspielchen sind ein durchschlagendes Zukunftskonzept.

Leukozyt
 
30.10.2009 16:46
Richtig!

Gestern, auf der Großdemo in Graz (ja, ich war auch dabei, und es waren viiiiiele ür Grazer Verhältnisse), hat u.a. auch eine Schülervertreterin eines BRG in Bruck an der Mur gesprochen und die volle Unterstützung der Schülerinnen und Schüler angekündigt. Danke!

Und unter den Demonstrierenden waren nicht nur Studis, auch Angehörige des Lehrkörpers der KF-Uni, der Musik-Uni und v.a. der TU Graz!

Als ich von Radio Helsinki interviewt wurde, fragte frau mich, ob ich glaubte, dass der Protestetwas bringe, und ich sagte, ja natürlich. Was es genau sein werde und wann, könne man nicht sagen, aber tausende Studierende in allen österreichischem Uni-Städten, mit Schüler-, Lehrer-, Elter-Innen-Unterstützung kann man nicht mehr ignorieren.

KTHXBYE
03.12.2009 10:05
"... fragte frau mich ...", "... Elter-Innen ..."

Da hat das Schulsystem bereits völlig versagt.

Gerhard Grabner
30.10.2009 13:03
Exakt auf den Punkt gebracht!

Danke!

Erwin Wolfram
30.10.2009 12:35

wenn man demonstriert, dann muss man radikale forderungen aufstellen. dies ist wegen der ueberwachung und dem ueberhang der gerontokratie unmoeglich. es bleiben also die moeglichkeiten kunst und sprichwoerter einzusetzen. es sind dies moeglichkeiten, die es in einer diktatur gibt. eine radikale forderung ist zb genug geld um zu lernen. genug wissen um zu leben. wie die demonstrationen in der presse besprochen werden, dafuer geniere ich mich.

Felkyo
30.10.2009 11:40

Hmm, ja, der Meinung bin ich auch, selbst wenn es ärgerlich, enorm ärgerlich ist, dass die Stimmen nicht erhört zu sein scheinen. Dass vielleicht noch Jahre vergehen müssen, bis sich irgendwas ändern kann.

Orakel1
30.10.2009 09:57
Ja, sie machen es richtig. Aber muss das zur Erreichen, was...

..was sie eigentlich nicht anstreben.

Nathaniel Winerib
30.10.2009 00:35
Zehntausende Audi-Max Besetzer: Eine realistische Rechnung?

"Zehntausende Studierende [...] besetzen nun schon den achten Tag das Audimax in Wien."

Frage: Wie können 10.000 oder mehr Studierende einen Hörsaal mit einem Fassungsvermögen von lediglich 800 besetzen?

Antwort: Im Schichtbetrieb. Alle 28 Minuten und 50 Sekunden wechseln sich die 800 ab. So kommen alle 10.000 einmal pro Tag ins Audi Max.

Klingt realistisch, oder? Jedenfalls realistischer als die Forderungen der Besetzer.

Sutur
30.10.2009 07:54
lol

es ist ja nicht nur das audimax besetzt. eußerdem stimmt an ihrer rechnung so einiges nicht. das mit den zehntausenden stimmt schon...

Belacqua
30.10.2009 00:51

Welche Forderung ist bitte nicht realistischerweise einzulösen?

byron sully
29.10.2009 21:03
danke für den kommentar,

seh ich ähnlich. und vor allem: sollte es zu echten streiks kommen, MÜSSEN die schulen gewonnen werden. denn streiks an schulen tun dem staat mehr weh als streiks an den unis. hat aber nur sinn, wenn es nicht harmlose 1-tages-warnstreiks sind, sondern was längeres.

Frobin Jojo
29.10.2009 17:27
Stimmt genau!

Natürlich machen Sie es richtig! Um genau zu sein, hätte ich nicht gedacht, dass Studenten heute noch so aktionistisch, politisch, radikal (im positiven Sinne) und bewusst idealistisch sein können.

Natürlich gibt es auch die Möglichstschnell-Studierer und Sichselbstvermarkter, die nix besseres zu tun haben als bloß nix in Frage stellen oder alle Hindernisse umgehen (nicht beseitigen). Die sollten dann lieber auf die Fachhochschulen gehen ... die übrigens besser von den Unis abgegrenzt werden sollten.

Genau solche Aktionen werden mittel- und kurzfristig etwas verändern. Verhandeln bringt nur was, wenn man demonstriert, dass man durchaus auch Verhandlungsmacht hat.

muhme
30.10.2009 10:40
seh ich genauso!

ich hab - ehrlich gesagt - auch schon geglaubt, dass man den studierenden von heute alles vorsetzen kann,ohne dass sie sich wehren. aber ich bin positiv überrascht, dass ihnen doch noch der kragen geplatzt ist. und: ja, bildung muss uns viel wert sein und nein, das muss nicht auf kosten des freien bildungszugangs geschehen. dankbar sollten wir alle sein, dass es junge menschen gibt, die lernen können und wollen und dafür sollte man ihnen weiß gott keine prügel vor die füße werfen! und das sollte von der politik auch so kommuniziert werden, dass auch andere bevölkerungsgruppen erkennen, dass wir letztendlich alle von höherer bildung und mehr erstklassig ausgebildeten jungen menschen profitieren!

dahofawors
29.10.2009 16:49
sehr kluge analyse mit den richtigen schlußfolgerungen

kaliyuga
29.10.2009 16:08
Anklänge an Trotzky -Organisation ISSE zufällig?

Programm von International Students for Social Equality: "Will der Protest für ein Recht auf Bildung und ein solidarisches und gerechtes Bildungssystem erfolgreich sein, .. braucht er eine politische Perspektive, die der kapitalistischen Gesellschaftsordnung den Kampf erklärt. Es ist notwendig eine unabhängige politische Bewegung aufzubauen, die sich zum Ziel setzt, den vorhandenen gesellschaftlichen Reichtum umzuverteilen und die Wirtschaft unter die demokratische Kontrolle der Bevölkerung zu stellen. Nur durch einen solchen Kampf, der auf Grundlage eines internationalen, sozialistischen Programms geführt werden muss, ist es möglich, das Recht auf Bildung und den freien Zugang zu allen Bildungseinrichtungen zu verteidigen.

thinkingplaces
29.10.2009 20:33

Was soll daran falsch sein? Man muss kein Trotzkist sein, um diese Passage unterschreiben zu können.

Westbahnhof
29.10.2009 15:36
Keine romantische Zukunftsträumerei!

"Die Forderungen belaufen sich sehr oft auf Rücknahmen der letzten paar UG Novellen hinaus." - genau!

Haarscharfe Analyse von Fritz234:
http://derstandard.at/?url=/pli... 6/14555350

didi111
29.10.2009 15:29
Aber haben im Frühjahr nicht die Studenten genau für das Gegenteil protestiert..


Damals waren sie doch für mehr Freizeit, mehr schulautonome Tage und unterstützenden die Lehrer in ihren Forderungen nach Beibehalten der 20 H Woche.

Aber diese Demo ist jetzt gegen den Bildungsabbau ODER anders herum für mehr Bildung.

Und das mit gutem Grund.

Sie sehen jetzt, daß ihnen die anderen Studenten aus anderen Ländernwissensmäßig fröhlich vorbeiziehen und sie müssen in Brüssel auf den Knien ersuchen, Quoten für heimische Unis zugesprochen zu bekommen.

Sehen Sie, gnädige Frau, daß man hier auch unerschiedlicher Meinung sein kann in der Beurteilung der vorliegenden Fakten.

Æsj
30.10.2009 11:14

wære mir noch nicht aufgefallen, dass studenten anderer lænder wissenstechnisch an den østerreichischen vorbeiziehen. die schwerpunkte sind natürlich teilweise verschieden, und flaschen findet man überall.

Jene Grüne Straßenkatze
29.10.2009 14:12
...

Ich hoffe wirklich, dass die Verfasserin recht hat. Aber glauben kann ich es nicht.

Die tiefen Vorurteile gegenüber StudentInnen (arbeiten alle nicht, leben im Luxus auf Kosten der Steuerzahler, sind alle Kommunisten) werden irgendwann, vermutlich eher früher als später, überhand nehmen. Und da StudentInnen nur protestieren können, indem sie sich ins eigene Fleisch schneiden, was nur wenig dauerhaft aushalten (ein paar Wochenstunden zu verlieren, ist verkraftbar, aber bei einem Semester liegt die Schmerzgrenze), wird dem Protest bald er Atem ausgehen.

Solange die Bevölkerung bildungsfeindlich bleibt, wird sich wohl nicht viel ändern. Und solange es ORF und Kronenzeitung in der jetzigen Form gibt, wird Bildung keinen Respekt erlangen.

dahofawors
29.10.2009 16:51
wenn alle studenten kommunisten wären...

dann wäre unser land aber nicht so organisiert, wie es zur zeit aussieht.
und wenn alle nur faulenzer wären, dann schaute es auch anders aus bei uns.

karotterI
 
29.10.2009 16:23
ja

deshalb ist es notwendig, dass auch die generation 40+, also jene, die in ihrer studentenzeit sich drauf "besonnen" haben, brave durchmarschierstudenten zu sein (i red von mir;)), sich mit diesen mutigen menschen solidarisieren.

die students demonstieren nicht nur für mehr bildung. sie demonstrieren dafür, die resourcen unseres reichtums besser, gerechter, richtiger zu verteilen.

wir leben in einem der reichsten länder der welt. warum treff ich soviele erfolgreiche menschen knapp am burnout? soviele, die sich fragen: war da nicht noch was? oder aber: wenn ich schon soviel hackln muss, dann muss wenigstens der urlaub im club drin sein, und die gucchischuchi, und der boss-anzug....

audimax erinnert uns dran: es geht auch anders

joseba beloki
29.10.2009 15:14

zumindest die krone im kleinformat (also das unsägliche heute) spart aber bislang auffällig bei der klassischen wortwahl für nicht genehme initiativen (chaoten, etc.).
das liegt wohl daran, dass sich das dichandsche imperium unmöglich auf die seite von jemandem schlagen kann, der zwar gegen böse demonstranten ist, aber dann einen job in der oberbösen eu bekommt.

peter marx
29.10.2009 14:03

Der Kommentar ist die eine Lesart der Dinge. Die andere, die vermutlich von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung geteilt wird, ist, dass sich ein Haufen hirn- und argumentationsschwacher Anarchos zusammengetan haben, die den Uni-Betrieb blockieren und denen man alles abnimmt, nur nicht, dass sie ernsthaft studieren wollen. So gesehen leisten die Besetzer den Studenten den denkbar schlechtesten Dienst.

3ch0
30.10.2009 14:48

Falsch.
Sie leisten sogar der Gesamtgesellschaft einen Dienst, da immer klarer wird, dass es zwar primär um die Bildungsdebatte, zunehmend aber auch um generelle Ablehnung neoliberal(istisch)er Prozesse in vielen ges. Belangen geht.
Die Solidarität versch. Gruppen (Metaller, ÖGB, AK, KUPF, ComIntern, etc etc) kommt ja nicht von ungefähr!

Es gibt noch haufenweise Menschen, die weder hirn- noch argumentationsschwach sind.
Sie sprechen hier also nicht für die Mehrheit ;)

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