Oktober

Kurzarbeit federt Krise auf deutschem Arbeitsmarkt ab

29. Oktober 2009, 10:18

Mit 3,229 Millionen Menschen ohne Job sind es zwar mehr als vor einem Jahr, aber weniger als im Vormonat

Nürnberg - Der hunderttausendfache Einsatz von Kurzarbeit verhindert weiterhin Massenentlassungen in Deutschland und federt so die Auswirkungen der Wirtschaftskrise ab. Flankiert vom saisonüblichen Herbstaufschwung ging deshalb die Arbeitslosigkeit im Oktober gegenüber dem Vormonat überraschend stark zurück. Nach Angaben der deutschen Bundesagentur für Arbeit (BA) waren im Oktober 3.229.000 Männer und Frauen als arbeitslos registriert - dies waren 118.000 weniger als im September, aber um 232.000 mehr als vor einem Jahr.

Die Arbeitslosenquote stieg gegenüber dem Vorjahresmonat von 7,2 auf 7,7 Prozent. Vor einem Jahr hatte sie bei 7,2 Prozent gelegen. Experten hatten nur mit einem schwachen Herbstaufschwung gerechnet.

"Das ist aber noch keine Trendwende", kommentierte BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise die jüngsten Arbeitsmarktdaten. Die Wirtschaftskrise sei auf dem Arbeitsmarkt weiter spürbar, auch wenn sich die Lage in den vergangenen Monaten etwas beruhigt habe. "Die richtige Belastung kommt erst 2010. Schließlich ist das Wirtschaftsvolumen deutlich zurückgegangen", gab Weise zu bedenken. Dennoch habe Deutschland die Krise im Vergleich zu anderen Ländern gut gemeistert. Nach Ansicht des neuen Arbeitsministers Franz Josef Jung (CDU) machen die positiven Zahlen Mut.

Ein differenzierter Blick auf die jüngsten Daten macht nach Weises Einschätzung dennoch deutlich: "Die Struktur am Arbeitsmarkt ist nicht gut. Wir federn die Krise mit viel Geld ab", räumte der Behörden-Chef ein. So dürfte allein der beispiellose Einsatz der Kurzarbeit die BA-Kasse in diesem Jahr mit rund 5 Mrd. Euro belasten. Auch verlaufe die Entwicklung bei der Beschäftigung nur auf den ersten Blick moderat. Beim zweiten Blick zeige sich, dass seit Ausbruch der Finanzkrise allein in der Industrie und bei Leiharbeitsunternehmen rund 350.000 Arbeitsplätze abgebaut worden seien. Dem ständen allerdings viele neue Stellen im Sozial- und Gesundheits-Bereich sowie im Bildungswesen gegenüber. "Die meisten davon sind Teilzeit-Jobs."

Dennoch schloss Weise nicht grundsätzlich aus, dass dank des massiven Einsatzes von Kurzarbeit und anderer Effekte die große Jobkrise verhindert werden könne. "Es sieht so aus, als ob die Arbeitsmarktbrücke bis zum nächsten Aufschwung trägt. Ob die Brücke im Trockenen oder im Wasser endet, müssen wir im Jahr 2010 sehen. Es ist zumindest eine gute Absprungbasis", sagte Weise.

Kurzarbeit auf hohem Niveau

Nach Angaben von BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker bewegt sich die Kurzarbeit weiterhin auf hohem Niveau. Im August und September haben nach ersten Schätzungen rund 1,1 Millionen Beschäftigte Kurzarbeitergeld bezogen - nach 1,2 Millionen im Juli und 1,4 Millionen im Juni. Im Oktober hatten Unternehmen für rund 90.000 Mitarbeiter Kurzarbeit beantragt; im September waren knapp 110.000 Anträge gestellt worden. Umfragen bei den Arbeitsagenturen lieferten derzeit keine Hinweise, dass Unternehmen die Kurzarbeit beenden wollten und stattdessen Entlassungen im größeren Stil planten, erläuterte Becker. Viele Firmen wollten weiterhin an der Kurzarbeit festhalten. "Kurzarbeit trägt noch länger", fügte Becker hinzu.

Saisonbereinigt ist die Arbeitslosenzahl im Oktober um 26.000 auf 3,427 Millionen gesunken. Im Westen nahm die um jahreszeitliche Einflüsse bereinigte Erwerbslosenzahl um 16.000 ab, im Osten um 10.000. Die vergleichsweise moderate Lage auf dem Arbeitsmarkt bestätigt auch die Erwerbstätigenstatistik. Danach ist die Zahl der Erwerbstätigen zuletzt im August um 285.000 auf 40,55 Millionen gestiegen; der Wert lag damit um 104.000 unter dem entsprechenden Vorjahreswert. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sank im August - dem aktuellsten Wert - im Vergleich zum Vorjahr um 139.000 auf 27,55 Millionen.

In Ostdeutschland rutschte die Zahl der Arbeitslosen erstmals seit Mai 1995 unter die Marke von einer Million. Insgesamt waren in den neuen Ländern im Oktober 999.700 Männer und Frauen ohne Arbeit. Dies sind 40.000 weniger als im September. Im Vergleich zum Vorjahr ergibt sich ein Rückgang um 7.000. Die Bundesagentur führt den seit Jahren anhaltenden Rückgang in Ostdeutschland vor allem auf Abwanderungen zurück. In Westdeutschland waren im Oktober 2.229.000 Männer und Frauen ohne Beschäftigung. Das waren 78.000 weniger als im September, aber 239.000 mehr als noch vor einem Jahr. Dennoch bleibt die Arbeitslosenquote im Osten weiterhin fast doppelt so hoch wie im Westen. Dort lag die Quote im Oktober bei 6,6 Prozent, im Osten bei 11,8 Prozent. (APA)

Meerwelle
10
29.10.2009, 15:16

Gab es da nicht einige Poster in diesem Forum, die mit vollkommener Sicherheit GEWUßT haben, dass alle deutschen Wirtschaftsdaten vor der Wahl nur gelogen und betrogen waren, und dass nach der Wahl ein riesiger Einbruch erfolgen würde?????

Wie kommt es jetzt, dass die Arbeitslosenzahlen zum Vormonat besser geworden sind?

Ich weiß ganz wenig sicher und kann sicher nicht in die Zukunft schauen.

Aber eine Prognose traue ich mir mit absoluter Sicherheit zu:

Nämlich dass es immer Leute/Poster geben wird, die davon ausgehen, dass sie die Dinge einfach WISSEN (und ganz nebenbei in die Zukunft "sehen" können).

Die Existenz von Menschen mit solchen Überzeugungen ist eine der wenigen Aussagen über die Zukunft, die man Sicherheit machen kann.

Der Ruhestifter
 
00
30.10.2009, 16:30
Es reicht, die gegenwart zu sehen

Die arbeitslosenstatistik ist massiv geschönt, weil kurzarbeit und 1€-jobs natürlich arbeitslosigkeit verstecken. Das hat nichts mit prophetie zu tun.

Und: die arbeitslosigkeit schwankt saisonal. Im vergleich zum vorjahr ist sie gestiegen.

OlafSch
01
29.10.2009, 17:28

*Ironie an* wie diese poster wußten gab es einen riesigen komplett vor der wahl zwieschen cdu und ca. 4 Millionen Unternehmern in Deutschland die Entlassungspapiere erst einen Tag nach der Wahl rauszusenden damit das bürgerliche Lager gewinnt *Ironie aus* Niemand kann derzeit mit letzter Gewissheit voraussagen was in einem Jahr sein wird.

Schnapphahn
00
29.10.2009, 10:57
Leiber Standard

bitte überprüfen Sie doch noch einmal Ihre Zahlen.
Der Spiegel schreibt das genaue Gegenteil.
http://www.spiegel.de/wirtschaf... 22,00.html

Was stimmt denn nun?

Easy Rawlins
00
29.10.2009, 13:09

Der Spiegel vergleicht mit dem Vormonat und stellt einen Rückgang fest, der Standard (aus welchen Gründen auch immer) mit dem Vorjahresmonat und meldet einen Anstieg.

roiber
00
29.10.2009, 12:50

steht genau dasselbe nur ist die Überschrift auf den Vormonat nicht das Jahr bezogen :)

Schnapphahn
00
29.10.2009, 13:32

Ja habs gemerkt. Man sollte vielleicht doch etwas aufmweksamer lesen.

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