Demokraten im Repräsentantenhaus einigen sich auf Entwurf
Washington - Im Ringen um die US-Gesundheitsreform
hat Präsident Barack Obama eine Einigung der Demokraten im
US-Repräsentantenhauses begrüßt. Der Gesetzentwurf erfülle zwei
wesentliche Kriterien, die er als Ecksteine für die Reform vorgegeben
habe. "Seine Finanzierung ist geklärt und er wird das Defizit auf
lange Sicht verringern", erklärte Obama am Donnerstag. Von der Reform
würden vor allem mittelständische Unternehmen profitieren. Zudem
enthalte der Entwurf die Option auf eine öffentliche
Krankenversorgung, durch die der Wettbewerb im Gesundheitswesen
verbessert werde.
Die Anführer der Demokraten im Abgeordnetenhaus hatten sich nach
langen Verhandlungen auf einen Gesetzentwurf verständigt. Dieser
sieht eine staatliche Krankenversicherung und eine Reichensteuer vor,
die die Finanzierung der Leistungen für bisher Unversicherte
sicherstellt. Haushaltsexperten des Kongresses zufolge belaufen sich
die Kosten für die Umsetzung des Entwurfs über zehn Jahre auf 894
Milliarden Dollar (605 Mrd. Euro), was unter der von Obama
vorgegebenen Zielmarke von 900 Milliarden Dollar liegen würde.
"Steuerlich einwandfrei"
"Der Gesetzentwurf ist steuerlich einwandfrei, er wird keinen Dime
zum Defizit beitragen, während er den Versicherungsschutz erhöht,
Schlüsselversicherungs-Reformen einführt und Vorsorge sowie
Wohlbefinden im Gesundheitssystem fördert", sagte die Präsidentin des
Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi. Laut den Demokraten würde ihr
Vorschlag, der aus drei konkurrierenden Entwürfen zusammengebastelt
wurde, das Haushaltsdefizit über zehn Jahre um 30 Milliarden Dollar
zurückführen.
Der Entwurf sieht den Angaben zufolge weiter vor, Versicherern zu
erschweren, Bürger mit Vorerkrankungen abzulehnen oder Verträge im
Krankheitsfall zu kündigen. Die vorgesehene Reichensteuer von 5,4
Prozent betrifft Bürger mit einem Jahreseinkommen von mehr als einer
halben Million Dollar. Die Steuer dürfte einem
Repräsentantenhaus-Mitarbeiter zufolge über einen Zeitraum von zehn
Jahren Einnahmen von insgesamt 460 Milliarden Dollar bringen. Sie
sollen dafür verwendet werden, die Kosten für einen Schutz für
bislang Unversicherte zu decken. Zudem soll das Bundesprogramm
Medicaid ausgebaut werden.
Die Vorlage könnte schon kommende Woche im Plenum des
Repräsentantenhauses zur Debatte gestellt werden. Der Senat wiederum
verfolgt seinen eigenen Gesetzentwurf, den er erst am Dienstag
vorgestellt hatte. Dieser wiederum enthält eine Ausstiegsklausel für
die Bundesstaaten aus der geplanten öffentlichen Krankenversicherung.
Gegenwärtig haben etwa 46 Millionen der 300 Millionen Amerikaner
keinen Versicherungsschutz, obwohl die USA pro Kopf die weltweit
höchsten Aussagen für Gesundheit haben. Einer Studie von Thomson
Reuters zufolge werden im Gesundheitswesen jährlich rund 700
Milliarden Dollar verschwendet. (APA/Reuters)