Obama begrüßt Durchbruch

29. Oktober 2009 20:56

Demokraten im Repräsentantenhaus einigen sich auf Entwurf

Washington - Im Ringen um die US-Gesundheitsreform hat Präsident Barack Obama eine Einigung der Demokraten im US-Repräsentantenhauses begrüßt. Der Gesetzentwurf erfülle zwei wesentliche Kriterien, die er als Ecksteine für die Reform vorgegeben habe. "Seine Finanzierung ist geklärt und er wird das Defizit auf lange Sicht verringern", erklärte Obama am Donnerstag. Von der Reform würden vor allem mittelständische Unternehmen profitieren. Zudem enthalte der Entwurf die Option auf eine öffentliche Krankenversorgung, durch die der Wettbewerb im Gesundheitswesen verbessert werde.

Die Anführer der Demokraten im Abgeordnetenhaus hatten sich nach langen Verhandlungen auf einen Gesetzentwurf verständigt. Dieser sieht eine staatliche Krankenversicherung und eine Reichensteuer vor, die die Finanzierung der Leistungen für bisher Unversicherte sicherstellt. Haushaltsexperten des Kongresses zufolge belaufen sich die Kosten für die Umsetzung des Entwurfs über zehn Jahre auf 894 Milliarden Dollar (605 Mrd. Euro), was unter der von Obama vorgegebenen Zielmarke von 900 Milliarden Dollar liegen würde.

"Steuerlich einwandfrei"

"Der Gesetzentwurf ist steuerlich einwandfrei, er wird keinen Dime zum Defizit beitragen, während er den Versicherungsschutz erhöht, Schlüsselversicherungs-Reformen einführt und Vorsorge sowie Wohlbefinden im Gesundheitssystem fördert", sagte die Präsidentin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi. Laut den Demokraten würde ihr Vorschlag, der aus drei konkurrierenden Entwürfen zusammengebastelt wurde, das Haushaltsdefizit über zehn Jahre um 30 Milliarden Dollar zurückführen.

Der Entwurf sieht den Angaben zufolge weiter vor, Versicherern zu erschweren, Bürger mit Vorerkrankungen abzulehnen oder Verträge im Krankheitsfall zu kündigen. Die vorgesehene Reichensteuer von 5,4 Prozent betrifft Bürger mit einem Jahreseinkommen von mehr als einer halben Million Dollar. Die Steuer dürfte einem Repräsentantenhaus-Mitarbeiter zufolge über einen Zeitraum von zehn Jahren Einnahmen von insgesamt 460 Milliarden Dollar bringen. Sie sollen dafür verwendet werden, die Kosten für einen Schutz für bislang Unversicherte zu decken. Zudem soll das Bundesprogramm Medicaid ausgebaut werden.

Die Vorlage könnte schon kommende Woche im Plenum des Repräsentantenhauses zur Debatte gestellt werden. Der Senat wiederum verfolgt seinen eigenen Gesetzentwurf, den er erst am Dienstag vorgestellt hatte. Dieser wiederum enthält eine Ausstiegsklausel für die Bundesstaaten aus der geplanten öffentlichen Krankenversicherung.

Gegenwärtig haben etwa 46 Millionen der 300 Millionen Amerikaner keinen Versicherungsschutz, obwohl die USA pro Kopf die weltweit höchsten Aussagen für Gesundheit haben. Einer Studie von Thomson Reuters zufolge werden im Gesundheitswesen jährlich rund 700 Milliarden Dollar verschwendet. (APA/Reuters)

Odo
01.11.2009 04:39
Der Link zum Gesetzentwurf der Gesundheitsreform ("Affordable Health Care for America Act"):

http://thomas.loc.gov/cgi-bin/b... :H.R.3962:

xEurocent
29.10.2009 23:05

Wichtig ist, dass es überhaupt eine Public Option gibt. Die wird dann in den nächsten Jahren immer stärker gemacht, weil man einmal für diese Gruppe Ausnahmeregeln schafft und dann für jene Gruppe und irgendwann kann sie praktisch jeder beanspruchen.

Und dann wird sich der Markt ganz von selbst regeln, weil eine staatliche Versicherung einfach kostengünstiger funktioniert als eine Private, wo fast die Hälfte der Beiträge in Profit und Werbung gesteckt wird. Entweder die Privaten Versicherungen kehren zu dem zurück, was sie mal waren (Non-Profit-Unternehmen), oder sie sterben aus. Alles eine Frage der Zeit.

Odo
29.10.2009 12:39
"Weitergehende Pläne für eine direkt mit privaten Anbietern konkurrierende staatliche Versicherung konnten deren Befürworter um Parlamentspräsidentin Nancy Pelosi aber nicht durchsetzen."

Der Gesetzentwurf ist eine schwere Schlappe für Nancy Pelosi. Für die "robuste Public Option", die Speaker Pelosi wollte, gab es keine Chance, die nötigen 218 Stimmen im US-Repräsentantenhaus zu bekommen.

Allerdings ist die Mehrheit für den jetzt vorgelegten Entwurf auch noch nicht endgültig sicher. Es wird ja darüber hinaus noch viele Änderungsanträge zu diesem Gesetzentwurf geben und man wird abwarten müssen, wie er vor der Endabstimmung im "House" aussehen wird. Die Endabstimmung soll noch vor dem "Veterans Day" am 11.11. stattfinden.

FloW ERlebnis
29.10.2009 14:31
Ach ja, und etwas bedeutendes wurde auch vergessen:


Dass die Versicherungskonzerne endlich auch den Antitrust-Gesetzen unterworfen werden.

Das wird denen in den nächsten Jahren wohl noch viele Schmerzen bereiten...

FloW ERlebnis
29.10.2009 14:24
Hahaha, jetzt musste ich herzhaft lachen


Ihre Worte waren aber auch einfach zu vorhersehbar, "...schwere Schlappe wegen "nur" negotiated-rate option blabalabla..."

Darüber hinaus liefern die "blue dogs" und die ach so sparsamen "moderaten" eine wirklich ironische Offenbarung, da ja die vorraussichtlich schwächere pub-op um 80 Mrd. teurer kommt, also klar wird dass die "no" nur im Interesse der Versicherungskonzerne agieren!

Und wenn das durchbringen dieser "public option" für Sie eine "schwere Schlappe" darstellt, was ist dann erst trotz der vereinten Obstruktionspolitik von Verischerungskonzernen/Lobbyisten/Republikanern/Blue-Dogs das Scheitern der Gegner der Reform?

elle(s)
29.10.2009 15:38
über eigene niederlagen

reden/schreiben reps nicht.
nicht wahr?

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