DER STANDARD-Test

Kindle: Die neuen Seiten der Bücher

29. Oktober 2009 09:51

Mit Kindle lassen sich bis zu 1500 Bücher in die Tasche stecken - Die Funktionen überwiegen die Fehler

Zwei Tage nach der Online-Bestellung war der Kindle, Amazons Lesegerät, angekommen: Ein Päckchen in Buchgröße, darin das E-Book in Größe eines A5-Blocks, leichter als ein Taschenbuch (289 Gramm), mit Sechs-Zoll-Display (15 cm) und einer Handvoll Tasten: Navigationsjoystick, "Next Page", "Previous Page", "Home" etc. - und Knöpfchentastatur.

Startschwierigkeiten

Eine Beschreibung war nicht beigepackt, eigentlich erklärte sich alles von selbst, mit einem kleinen Fallstrick. Zum Aufladen wird ein USB-Kabel mit US-Netzgerät mitgeliefert; warum Amazon zwar 100 verschiedene Mobilfunknetze bespielen, aber keinen Eurostecker liefern kann, bleibt ein Rätsel. Das führte auch zur einzigen kleinen Anfangspanne: An einem iPhone-Netzteil angesteckt, lud der Kindle nicht richtig auf, was dazu führte, dass die Tasten schlecht ansprachen und die Rücksendung kurzfristig erwogen wurde. Erst als der Akku am nächsten Morgen auf seine Leere hinwies, wurde der Fehler klar, das Gerät anderswo ordnungsgemäß aufgeladen - seither funktioniert alles wie versprochen.

Lesefluss

Kommen wir zum Wesentlichen, dem Lesen langer Bücher auf dem Kindle und dem Befüllen mit Lesestoff. The Stalin Epigram von Robert Littell, im Druck 384 Seiten mit schwierigen russischen Namen, seit dem Sommer ungelesen und jetzt ein zweites Mal in digitaler Form erstanden, war zügig ausgelesen. Fast macht der Druck auf "Next Page", mit dem sich die gelesene Seite für den Bruchteil einer Sekunde in Schwarz auflöst, ehe sich daraus die Buchstaben der neuen Seite geformt haben, ein wenig süchtig, und es wirkt, als beschleunige dies das Lesen. Am Ende der Seite gibt es eine Anzeige, wie weit man im Buch vorangekommen ist, in Prozenten und als dicker werdender Strich, sowie einer Art Seitennummerierung.

Gut in der Hand

Jedenfalls lässt sich das Buch am Kindle in allen Lebenslagen leicht und gut lesen, teils leichter als schwere und große Bücher: Am Tisch, im Lehnstuhl, in der Gartenliege, im Bett, bei prallem Sonnenlicht wie bei schummriger Nachttischlampe. Die Form ist handlich und lässt sich mit einer Hand halten, mit der linken wie der rechten umblättern. Das reflektive Display der elektronischen Tinte leuchtet nicht wie ein Computerschirm, sondern reflektiert wie ein gedrucktes Buch das vorhandene Licht. Dadurch geht es sparsam mit Strom um, der Akku hält bei ausgeschaltetem Mobilfunkteil rund zwei Wochen, bei ständig eingeschaltetem Datenfunk vier Tage.

Mehr als ein Buch

Man nimmt in Kauf, dass die Schrift der Bücher immer dieselbe ist, eine Begrenzung die sich wohl mit der Evolution der Spezies nach und nach auflösen wird. Dafür bietet die Elektronik Möglichkeiten, die jedem Buch fehlen: Sechs Schriftgrößen, Text vorlesen (so Verlag oder Autor dies nicht unterbinden), Wörtersuche, Wörterbuch, elektronische Notizen. Mit Lesezeichen kann man Passagen markieren, die Stelle, an der man zuletzt war, wird immer automatisch aufgeschlagen, und das (dank Mobilfunk) auch auf anderen Kindles, die man möglicherweise an anderen Orten verwendet, oder auf dem iPhone mit Kindle-Software. Das macht Bücherlesen auch in kurzen Zeiträumen, etwa für drei U-Bahn-Stationen, sehr leicht.

Shopping

Der Einkauf ist einfach und kann sowohl vom Kindle aus als auch über Internet am PC erfolgen. Der Download erfolgt über Mobilfunk direkt aufs Gerät (auch auf mehrere), die Kosten dafür sind im Buchpreis enthalten, auch wenn man im Ausland ist. Mit einem Mobilfunkvertrag muss man sich nicht herumschlagen.

Der Preisvergleich anhand des Testbuchs: 18,50 Euro gedruckt, 9,30 Euro digital (umgerechnet), 8,82 als Audiobook (kann am Kindle gehört werden). Der Kindle selbst kostete 226,50 Euro, mit Zustellung und ordnungsgemäß verzollt.

Deutsche Titel sind noch rar

Nicht nur Bücher, auch Audiobücher, Musik und eigenes Material kann aufgespielt werden, entweder über ein USB-Kabel vom PC/ Mac oder indem man sich eine PDF-Datei an eine spezielle Kindle-Mailadresse zuschickt, dann besorgt Amazon die Formatierung und den Download. Die größte Beschränkung derzeit: Das Angebot von rund 300.000 Buchtiteln, Zeitungen und Magazinen ist fast ausschließlich englisch, also wird größeres Publikumsinteresse wohl erst mit deutschsprachigen Titeln geweckt werden können.

Koexistenz

Gedrucktes und digitales Buch werden lange Zeit, wahrscheinlich für immer eine wunderbare Koexistenz führen können: Es gibt Bücher, die man weiterhin gern im Regal haben will, und es gibt Drucke, an die der Kindle (so wenig wie Konkurrenten) noch sehr lange nicht heranreichen werden - so wie es Bücher gibt, die man Seite um Seite verschlingt. Das geht am Kindle so gut wie beim Druck, vielleicht sogar besser.

(Helmut Spudich, DER STANDARD/Printausgabe, 29.10. 2009)

 

 

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 27
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schwarzberg
30.10.2009 23:48
Bridgestone zeigt flexiblen Farb-Reader

http://www.lesen.net/ereader/b... ader-1443/

der wandelnde Dunning-Kruger-Effekt
29.10.2009 22:09

Gibt es eigentlich irgendeinen der hier ständig vorgestellten ereader im Laden zu kaufen? Vom Sony PRS-505 mal abgesehen, den man bei Thalia schon vor dem Kauf live zu sehen bekommt.

der wandelnde Dunning-Kruger-Effekt
30.10.2009 17:25

Ähh… Leute! Ich hab‘ die Frage erst gemeint!
Kann man irgendwo im Geschäft diese Dinger live probieren oder kauft man die Katze im Sack?

ernst thaelmann1
05.11.2009 04:11

ich verwende den sony 505 und bin total zufrieden. liegt gut in der hand und den umblättertakt kriegt man auch intus. für reisen kann ich diesen nur empfehlen, macht richtig spass. hab mir die neuen modelle angeschaut, die wirken nicht so ausgereift.

yomellamo
29.10.2009 18:07
und wenn amazon wieder einmal lustig ist,

dann werden beliebige buecher halt einfach so wieder per datenverbdingung vom kindle geloescht....

ich werd mir wohl irgendwann einen ebook-reader kaufen, .. aber einen typ "1984" mit buecherverbrennmodus von amazon wirds wohl nicht werden.

Achilles pseudonym
 
30.10.2009 03:32
wenn dann..

würde fahrenheit 451 modus noch ein bißl besser als 1984 modus passen ;)

yomellamo
30.10.2009 10:26

1984-modus deshalb, weil amazon schon einmal alle exemplare von 1984 auf allen kindles geloescht hat (wegen irgendwelcher probleme mit den rechten)..

Kontra
29.10.2009 16:14

Habe anfänglich genau dasselbe Erlebnis mit dem i-pod-Stecker gehabt. Wollte das Gerät auch schon zurückschicken. Ich habe auch die Serviceline in den USA angerufen, wo man mit einer Coolness über den Fehler, britsche Stecker zu verpacken, einfach hinwegging: 'Da müssen sie halt einen Adapter kaufen!' Ob allerdings das Gerät fehlerhaft, oder der i-pod-Stecker ungeeignet ist, konnte nicht beantwortet werden, habe ich aber dann wie der Autor auch selbst herausgefunden.

Bin jetzt aber versöhnt und eine kindle-Leseratte. Selten so schnell ein Buch gelesen. Toll auch die sehr einfach zu bedienende Dictionary-Funktion, seither verstehe ich auch was da so steht.. ;-) auch wenn es nur englische Literatur gibt.

Ganerc-Callibso
29.10.2009 17:31
das ist für mich noch genau der Knackpunkt

das mangelnde Angebot...

ich würd mir das Ding sofort kaufen, muß aber deswegen noch warten - möglicherweise sind die anderen beiden Modelle (besonders der größere) dann auch schon in Europa zu haben.

Tetraodon
02.11.2009 19:46
Mangelndes Angebot

Na dann zeig mir mal ein größeres Angebot in diesem Sektor ;-)

K. Weber
29.10.2009 13:50

Alternative Geräte und noch viel mehr:
http://www.lesen.net/

Ganerc-Callibso
29.10.2009 17:32
muchos gracias

sehr brauchbar :)

Ali Ovissi
 
29.10.2009 12:07

Allein schon dass man private Dateien an Amazon schicken muss, quasi um Erlaubniss fragen muss ob man diese portieren darf ist eine Frechheit und kostet sogar so 7 cent pro Dokument!!!
Wer Kindle kauft ist selber schuld.
Hab mir vorige Woche den Sony PRS-600 aus den USA bestellt (300$=230€, Versandkosten inkl.)
DEr Sony Reader hat keine Beschränkungen, kann alle Formate (zb EPUB,PDF etc) selbst auf den Reader laden ohne Beschränkungen.
PS:
Auf www.gutenberg.com gibt es fast jedes buch in ebook format auf englisch völlig legal, es sind alles Werke bei denen die Urheberlizenz erloschen ist!

Ali Ovissi
 
29.10.2009 13:42

Ups, falscher Link:
Es ist www.gutenberg.org

abc9
29.10.2009 11:44
Und wieder das WESENTLICHE vergessen ...

Was ist mit DRM ?

Wohin verschwinden meine Bücher falls Amazon oder wer auch immer es sich mal anders überlegt ?
Hat es ja schon gegeben.

Und was passiert wenn gestohlen oder kaputt ?
Darf ich dann alle 1500 Bücher nochmals kaufen ?

Stefan Lindemann
30.10.2009 16:36

Mit DRM kann ich ja noch leben, aber ich verstehe nicht warum man die Bücher nicht einfach (zB. um die Hälfte) mieten kann, anstatt zu kaufen. Ich zahle sicher nicht den vollen Preis für ein Buch das dann nur auf Kindle funktioniert und in 5 Jahren wieder gekauft werden muss wenn man einen neuen E-reader von einer anderen Firma hat.

Misik nervt
01.01.2010 15:51

man kann die bücher immer wieder löschen und runterladen. 100x sogar wenn man möchte und das unbegrenzt, oder zumindest bis amazon dicht macht.
inzwischen unterstüzt der kindle viel mehr formate (zb pdf wurde neulich erst automatisch geupdated, davon hab ich lediglich mitbekommen weil sie es mir per email mitgeteilt haben, also keine wartezeiten usw..)
aus dem lizenzproblem haben sie gelernt..

Ganerc-Callibso
29.10.2009 17:32
letzeres scheint zentral gespeichert zu werden

also einfach nochmal anfordern und nix zahlen müssen...

Monopoly mit Hut
30.10.2009 09:01

Alleine die Tatsache, dass man eine schon einmal gekaufte Sache nocheinmal "anfordern" muss und dass dieser Vorgang wahrscheinlich nicht "einfach" geht ist ein Ausschließungsgrund.

Das hat bis jetzt bei KEINEM Anbieter von DRM-geschützten Dingen funktioniert. Im geringsten Fall hat man zusätzliche Arbeit. Im schlimmsten Fall sind die Daten ganz einfach weg.

Wieviele Stunden sind für die Säuberung der Rechner nach dem Sony-Rootkit-Desaster draufgegangen?

Wieviele Stunden Arbeitsausfall gab es, nachdem die DRM-Server von Microsoft 1000e Windows-Installationen als "raubkopiert" gebrandmarkt haben?

pall_mall
29.10.2009 11:22
wird der kindle...

... jemals österreich erobern? ich glaube nicht, denn amazon versendet keinerlei elektronische artikel mit speichermedien mehr nach österreich und dazu gehört der kindel ja auch!

Stefan Lindemann
30.10.2009 16:28
Wie Bitte?

Habe gestern erst eine externe Festplatte auf amazon bestellt.

pall_mall
29.10.2009 23:23
was ich mich jetzt schon frage...

... ist warum ich für eine feststellung rote stricherln kriege. oder haben hier amazon-angestellte gevoted???

Monopoly mit Hut
30.10.2009 09:05

Weil Deine Behauptung schlicht und einfach falsch ist.

Ich habe persönlich erst vor kurzem sowohl eine externe Festplatte als auch einen Sat-Receiver mit eingebauter Festplatte bei Amazon bestellt und geliefert bekommen.

Auf der Startseite(!) von Amazon Österreich befindet sich sogar der Hinweis, dass man den Kindle auch nach Österreich geliefert bekommt.

Auf der entsprechenden amerikanischen Amazon-Seite steht explizit: We are excited to now ship Kindle to Austria.

pall_mall
30.10.2009 17:39
vor einger zeit...

ist aber nicht jetzt kollege. seit ca. 2 wochen ist das jetzt der fall. ich wollte ein notbook kaufen und das ging nicht mehr. offizielle stellungnahme von amazon auf meine anfrage:

"Bedauerlicherweise können wir aufgrund derzeit nicht abschließend geklärter Fragen zur Urheberrechtsvergütung elektronische Artikel mit Speichermedien aus unserem Shop "Elektronik & Foto" nicht außerhalb Deutschlands ausliefern. Dies betrifft zum Beispiel folgende Produkte:

* Handys
* MP3-Player
* Festplattenrecorder
* Scanner
* Kopierer
* Faxgeräte
* Rohlinge
* Multifunktionsgeräte"

soviel zum thema, dass meine behauptung schlicht und einfach falsch ist. du solltest besser recherchieren bevor du sowas behauptest!!!

Monopoly mit Hut
03.11.2009 10:46

Ich hab ja auch "vor kurzem" geschrieben und nicht "vor einiger zeit".

Konkret: 22.10.2009

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