Google fand die Killer-Applikation

29. Oktober 2009, 11:51
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Kostenlose GPS-Navigation ist nicht nur ein Angriff auf TomTom und Co., es ist auch das Feature um sich gegenüber dem iPhone zu positionieren

Der heißumkämpfte Smartphone-Markt ist seit Mittwoch um ein zentrales Feature reicher: Google hat seine Navigations-Software Google Maps Navigation vorgestellt und damit nicht nur etablierten Herstellern wie TomTom oder Garmin den Kampf angesagt, sondern auch und vor allem Apple.

 

Am Anfang steht DROID

Auf der Suche nach der kommenden "Killerapplikation", als letzte große Würfe gelten gemeinhin SMS und Touchscreen, dürfte Google nun doch noch fündig geworden sein. Google Maps Navigation ermöglicht die GPS-Navigation mit mobilen Endgeräten und bietet einige wesentliche Vorteile. So etwa Sprachsuche, Verkehrsdaten sowohl von Drittanbietern, wie auch von AnwenderInnen und eine Street View-Navigation. Wesentlich ist in diesem Zusammenhang jedoch auch, dass Google diese Funktion zunächst auf einem Android-Handy und nicht auf dem iPhone starten wird. Den Beginn mit Android 2.0, das Voraussetzung für Google Maps Navigation ist, wird Motorola mit seinem kommenden DROID-Handy machen.

 

 

Apple hat das Nachsehen

In der Vergangenheit gab es stets immer wieder kleinere Konflikte zwischen Google und Apple. Einige AppStore-Applikationen, die auf Google-Angeboten basierten, wurden entfernt oder mittels Updates behindert - meint zumindest Google. Apple selbst gibt sich in der Causa eher zugeknüpft, war aber laut US-Medien wenig begeistert, dass sich viele AnwenderInnen in Richtung Google-Applikationen bewegt haben. Viele der beliebtesten iPhone-Apps kommen von oder basieren auf Google oder dessen Daten. Mit Google Maps Navigation und der Veröffentlichung unter Android 2.0 zeigt Google aber vor allem eines: die besten Apps sind nicht mehr nur für das iPhone vorbehalten.

Druck auf Apple

Durch sein Vorgehen hat Google den Druck auf Apple erhöht. Nach den Diskussionen rund um Google Voice, will man dem US-Computerkonzern ganz klar die Rute ins Fenster stellen. Das iPhone ist nicht per se die beste und einzige Plattform für unsere Anwendungen, es gibt auch Android, scheint die Devise des Online-Konzerns zu lauten. Man werde natürlich die iPhone-AnwenderInnen nicht aussperren, so Google bei einer Pressekonferenz, und daher auch an iPhone-kompatiblen Portierungen von Google-Latitude und Google Navigation arbeiten, die Veröffentlichung hinge aber letztlich von Apples OK beim AppStore-Zulassungsprozess ab.

Kostenlos, weil es die AnwenderInnen so mögen

Gegenüber der New York Times erklärte Google-CEO Eric Schmidt, dass man mit dem neuen Service der Industrie nicht schaden werde, sondern vielmehr einen Boom auslösen wolle, zum Vorteil der Hersteller wie auch der KonsumentInnen. Google Maps Navigation wird in absehbarer Zeit ein werbefinanziertes Angebot werden, dass dafür kostenlos bleiben wird. "Wir mögen ganz offensichtlich kostenlose Produkte, vor allem weil unsere KundInnen sei auch mögen", wird Schmidt von der New York Times zitiert.

Konkurrenz oder logische Erweiterung?

Kurz nach der Ankündigung Googles brachen die Aktienkurse von Garmin und TomTom deutlich ein. Für viele ExpertInnen scheint klar, dass eine kostenlose Alternative, die stets aktuell ist und einige Zusatzfeatures bietet, die etablierten Anbieter deutlich unter Druck setzen, wenn nicht sogar verdrängen wird. Doch nicht Alle sehen die Zukunft so: Das Smartphone würde zwar mehr und mehr zum Schweizermesser des digitalen Zeitalters - mit Kamera, Musikplayer, Navigation, Spielen und Internetzugang, aber es gibt immer noch gute Gründe für Standalone-Geräte.

Online oder klassisch?

Googles Maps Navigation ist ein Onlineservice, das einen entsprechenden Empfang voraussetzt und vielleicht schon bald mit mehr oder weniger störender Werbung zugepflastert sein wird. Die dezidierten Navigationsgeräte hätten Vorteile weil sie schneller auf das Kartenmaterial zugreifen könnten. Dagegen spricht, dass eine gute ausgebaute Infrastruktur sicherlich auch immer schnelleren Zugriff online ermöglichen wird. Ein wesentlicher Punkt ist natürlich der Preis. Nicht nur, dass Googles-Applikation kostenlos sein wird, so werden auch Smartphones immer billiger. Viele Navigationsgerätehersteller werden in absehbarer Zukunft wohl billigere Endgeräte anbieten müssen.

Trendwende und historischer Exkurs

Zum ersten Mal in der noch jungen iPhone-Geschichte kommt Apple unter Druck. Für einige ManagerInnen in Cupertino dürften Erinnerungen an die "alten Zeiten" hochkommen. In den späten 90er Jahren musste Apple bei Microsoft betteln, damit Office weiterhin auch für Mac-Rechner entwickelt würde. Nun befindet man sich in der gleichen Position - nur eben mit Google. Auch wenn sich im AppStore mittlerweile 100.000 Applikationen finden, Geld machen nur wenige und nur eine Handvoll kurbelt die Innovation und die Verkäufe an. Sollte Google Maps Navigation tatsächlich zur Killer-Applikation werden, dann wird Apple seine Haltung gegenüber Google wohl deutlich ändern müssen.(Gregor Kucera, derStandard.at vom 29.10.2009)

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    Google Map Navigation - die Killerapplikation der nächsten Zukunft, meinen ExpertInnen.

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