AUA fliegt tiefer ins Minus

29. Oktober 2009, 18:43
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Die Verluste steigen, Flieger werden abgewertet und Mitarbeiter abgebaut. Kalter Wind weht aus Moskau.

Wien - Die AUA kommt auch nach der Übernahme durch die Lufthansa nicht zur Ruhe: ein Netto-Verlust von 242 Mio. Euro von Jänner bis September, in Russland droht die Airline Flugrechte zu verlieren und die verbleibenden Kleinaktionäre kündigen Widerstand gegen den ihrer Meinung nach zu geringen Enteignungspreisen (Squeeze-out) von 50 Cent je Aktie an.

Flugrechte in Russland

Wie der Standard erfuhr, verlängerte Russland die Flugrechte der AUA lediglich bis zum 28. November. Erst am Dienstag wurde in Moskau eiligst ein Verhandlungstermin angesetzt, weil die Russen der AUA die Flugrechte über den Sommerflugplan (bis 26. Oktober) hinaus nicht verlängern wollten. Sie beharren auf das bilaterale Abkommen, dass die Flugrechte an einen mehrheitlich österreichischen Eigentümer knüpft. AUA-Vorstand Peter Malanik zeigte sich am Donnerstag bei einer Telefonkonferenz "nicht beunruhigt" über die Situation und verwies auf die Stiftungslösung (hält 25 Prozent der AUA-Aktien), die Russland auch bei der Swiss akzeptierte.

Eine nur befristete Bewilligung des Flugplans sei "nichts Ungewöhnliches", spielte Malanik die Situation hinunter. Doch in Russland will man von der Stiftung nichts wissen und signalisierte den Österreichern, sie mögen eben einen anderen mehrheitlichen österreichischen Carrier (Niki, Robin Hood) für die bestehenden Flugrechte nominieren.

Die AUA bekam von den Russen bis zum 10. November Zeit, nachzuweisen, dass sie mehrheitlich in österreichischem Besitz ist. Das wird schwer möglich sein, weil die Lufthansa die AUA in ihrer Bilanz seit dem dritten Quartal voll konsolidiert. Die Russen wiederum kündigten an, bis 20. November zu entscheiden, ob sie die Erklärung der AUA akzeptieren oder nicht. Eine ähnliche Problematik droht der AUA in China und Indien, auch diese Drittstaaten akzeptieren (anders als die USA) keinen europäischen Eigentümer.

Russland sträubt sich

Der Grund, warum Russland auf hart schaltet, sei nicht gegen die AUA gerichtet, wird betont. Bloß die Russen wollen nicht, dass die Lufthansa, die selbst schon genug Verkehrsrechte in der Region hat, mit ihren Töchtern von Zürich, (Swiss), Brüssel (SN Brussels), London (bmi) und Wien noch stärker in Russland wird. Weil umgekehrt die russischen Airlines auf den begehrten europäischen Routen schwer zum Zug kommen. Allerdings brauchen die Russen auch die westlichen Airlines, die für die Überflugsrechte über Sibirien tief in die Tasche greifen. Können sich AUA und die russischen Behörden nicht einigen, dürfte die Angelegenheit bei der Politik, also Bundeskanzler Werner Faymann, landen.

Der streitbare Investor Rupert Heinrich Staller will ebenso wie der Hedgefonds Exchange den Squeez-out-Preis (Enteignungspreis) von 50 Cent pro AUA-Aktie nicht akzeptieren. Er deponierte bereits bei der AUA den Wunsch, dafür eine zweitägige Hauptversammlung (HV) anzusetzen. Das Squeeze-out käme zu einer Unzeit. Er verlangt einen fairen Wert, gemessen an dem was die AUA in drei Jahren nach der Sanierung Wert sei. Und er kündigt an, die HV anzufechten und Strafanzeigen gegen die Organe der AUA.

Operatives Plus im September

Operativ (bereinigt um Abschreibungen) hat die AUA in den ersten drei Quartalen einen Verlust von 64 Mio. Euro eingeflogen, 115 Mio. Euro wurden für Abfertigungen rückgestellt und um 76 Mio. wurden Flieger abgewertet. Das geschah bereits in der Bilanz 2008 im Ausmaß von 240 Mio. Euro. Im September wurde sogar erstmals wieder ein operatives Plus von 24 Mio. Euro erzielt.

Weil ein Teil der Tyrolean-Flotte stillgelegt wird, müssen 120 Piloten und Kopiloten gehen. Nach derzeitigen Stand wird die Zahl der Mitarbeiter von 7000 auf etwa 6000 reduziert. Mit den Sozialpartnern wird über Veränderungen im Kollektivvertrag gesprochen. Hauptprobleme seien nach wie vor der Nachfrageeinbruch im Osten und die defizitäre Langstrecke.(Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.10.20009)

 

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