Schüssel und Gusenbauer für Topjobs gehandelt

30. Oktober 2009, 07:47
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    foto: reuters/pirlet

    Schwedens Premier Fredrik Reinfeldt (Mitte) hat eine Monsteraufgabe: In den kommenden Tagen fallen die Würfel rund um den Lissabon-Vertrag. Die Parteifreunde Kanzlerin Angela Merkel und Kommissionschef José Manuel Barroso stehen ihm dabei helfend zur Seite.

"Die Sozialisten kriegen den Außenminister" - Faymann soll SPE-Kandidaten suchen

Brüssel - Zum Auftakt des EU-Herbstgipfels in Brüssel ist die Personaldebatte zur Besetzung der wichtigsten EU-Posten, die der neue Vertrag von Lissabon bringen wird, voll entbrannt. Sowohl für die Funktion des künftigen ständigen Ratspräsidenten wie auch für den künftigen Hohen Beauftragten für die Außenpolitik sind mit den Ex-Kanzlern Wolfgang Schüssel (VP) und Alfred Gusenbauer (SP) auch zwei Österreicher unter den genannten Kandidaten. Offizielle Bestätigungen gab es Donnerstag nicht. Nur Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker und Großbritanniens Ex-Premier Tony Blair wurden bisher von ihren Ländern offiziell präsentiert.

Faymann zweifelt an Chancen für Schüssel und Blair

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) räumt Blair im Ö1-Morgenjournal allerdings derzeit keine guten Chancen für die Funktion des Ratspräsidenten ein.

Ihm sei wichtig, dass eine Person gefunden wird, zu der man sich bekennen könne, so Faymann im Ö1-Morgenjournal-Interview. Bei Blair sei das nicht der Fall, gegen ihn gebe es bei den europäischen Sozialdemokraten große Ressentiments wegen seiner früheren engen Beziehungen zu US-Präsident George W. Bush und einiger damaliger Äußerungen.

Zu Gerüchten, Wolfgang Schüssel sei als Ratspräsident im Gespräch, meinte Faymann, ihn habe darauf niemand angesprochen. Aber wenn ein österreichischer Kandidat eine Chance habe, dann werde ihn Österreich unterstützen, darauf könne man sich verlassen.

Vor dem Gipfel haben Donnerstagnachmittag die Parteichefs von Christdemokraten und Sozialdemokraten ihre Strategien für die nächsten entscheidenden Tage in personalfragen festzulegen.

Für die europäischen Sozialdemokraten (SPE) soll Kanzler Faymann gemeinsam mit dem spanischen Amtskollegen José Rodriguez Zapatero einen Kandidatenvorschlag suchen: Der britische Außenminister David Miliband gilt als Favorit, weil die SPE Blair vehement ablehnt. Die SPE pocht auf den EU-Außenminister, der auch Vizepräsident der EU-Kommission wird. Für die Christdemokraten gilt neben Schüssel und Juncker der niederländische Premier Jan Peter Balkenende als Favorit für das Präsidentenamt.

Dass Schüssel "immer wieder genannt wird" bestätigte ÖVP-Chef Josef Pröll in Brüssel. VP-Außenminister Michael Spindelegger sagte, Österreich habe "Interesse" am Präsidentenamt. Dem widersprach Kanzler Faymann: "Ich habe davon noch nie gehört".

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Offiziell war "das Personalpaket" beim EU-Gipfel in Brüssel kein Thema. Aber alle redeten am Donnerstag über fast nichts anderes als die Frage, wer der erste ständige Präsident des Europäischen Rates und wer der erste EU-Außenminister werden soll.

Schwedens Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt, der als EU-Ratsvorsitzender Herr des Verfahrens und der Tagesordnung ist, wollte, dass "keine Konsultationen über irgendwelche Namen starten", nicht einmal informell. Er begründete dies mit dem Umstand, dass in Tschechien weder das Verfassungsgericht über eine Beschwerde gegen den Lissabon-Vertrag entschieden, noch Präsident Václav Klaus durch seine Unterschrift den Vertrag ratifiziert hat. Aber bereits zu Mittag hatten sich die Parteichefs aus den Mitgliedsländern getroffen, um eine Strategie zum Personalpaket festzulegen. Dabei wurden jede Menge Kandidaten für die beiden wichtigsten Posten ins Rennen geschickt. Natürlich unverbindlich.


Die Sozialdemokraten mit Bundeskanzler Werner Faymann erhoben Anspruch auf den Posten des EU-Außenministers. Nur Großbritanniens Premierminister Gordon Brown warb in dieser Runde für seinen Vorgänger Tony Blair für das Amt des Präsidenten des Rates.

Von den übrigen SP-Parteichefs wie auch von der SPE-Fraktion wird Blair jedoch vehement abgelehnt. Sie halten die Funktion des Außenministers für wesentlich bedeutender, ist er doch gleichzeitig Vizepräsident der Kommission.

Faymann wurde mit Spaniens Premier José Rodríguez Zapatero und dem Chef der Euro-Sozialdemokraten, Poul Nyrup Rasmussen, beauftragt, in den kommenden zwei Wochen einen SP-Kandidaten für dieses Amt zu finden und vorzuschlagen. Dies soll nach SP-Wunsch in enger Abstimmung mit Kommissionspräsident José Manuel Barroso, der deutschen Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy geschehen, alles Christdemokraten. Am Abend sagte Faymann, möglicherweise werde es bis 9. November am Rande des Festaktes zum Fall der Berliner Mauer erste Klärungen geben. Bei der SPE kursierten als Kandidaten Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, Finnlands Ex-Premier Paavo Lipponen, der deutsche Ex-Außenminister Frank-Walter Steinmeier, Spaniens Außenminister Miguel Ángel Moratinos, der britische Außenminister David Miliband, die französische Ex-Justizministerin Elisabeth Guigou und der rumänische Ex-Außenminister Adrian Cioroianu.

Österreicher uneinig

Faymann stellte Chancen von Gusenbauer jedoch in Abrede. Außerdem habe Österreich bereits Johannes Hahn als Kommissar nominiert, weshalb der Ex-Kanzler nicht in Frage komme. Als Gegenkandidat zu Blair um das Präsidentenamt hatte sich der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker in Stellung gebracht. Beim parallel verlaufenden Treffen der Parteichefs der Volksparteien in Brüssel wurde beschlossen, dass "die Sozialisten den ersten Zugriff beim Außenminister kriegen", wie der einflussreiche deutsche EU-Abgeordnete Elmar Brok, Mitglied im Außenausschuss, bestätigte.

"Immer wieder genannt" wird bei den Christdemokraten Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel, wie ÖVP-Chef Josef Pröll in Brüssel erklärte. Favorit ist Premier Jan Peter Balkenende aus den Niederlanden.

Was Faymann aber zuletzt auch im Ö1-Morgenjournal dementierte: "Das habe ich bisher nur in Österreich gehört." Er habe in den letzten Wochen klargemacht, dass Schüssel "ein unglaublich erfahrener Politiker, ein großer Europäer ist", betonte Pröll. Zuvor hatte Außenminister Michael Spindelegger (VP) Österreichs "Interesse an dem Posten" des EU-Ratspräsidenten bekräftigt. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 30.10.2009)

Kommentar posten
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cato48
10
31.10.2009, 03:14
Schüssel nach Brüssel....

...Das würde sicher eine Kompanie Personenschutzpolizisten für wichtigere Aufgaben freisetzen, denn ich glaube nicht, dass sich der ohne Schutz noch allein auf die Strasse traut.

Der mussste ja sogar schon bei der Angelobung seiner Regierung unterirdisch gehen!

Walter Bimini
00
31.10.2009, 23:50
noch sind wir nicht so weit. das kommt erst nach dem staatszusammenbruch.

dann wird es aber für alle politiker brandgefährlich.

jürgen schmid
12
30.10.2009, 14:16
dann liber no

den schüssel als den steinmeier das ist ein unsympat ersten ranges wie der auf den schweizern herumgeritten ist

Ceterum Censeo2
00
30.10.2009, 19:15
war das nicht der SteinBRÜCK?

juergen schmid
00
31.10.2009, 16:34
Sie haben recht

entschuldigns Herr Steinmeier für den anwurf

LightCurves
12
30.10.2009, 13:18

Geh hörts doch auf mit dem Schüssel. Wenn der in Brüssel genannt wird, dann von ÖVP und CSU Abgeordneten und dem Kurier-Korrespondenten. Und sonst von niemandem.

Childerich von Bartenbruch
21
30.10.2009, 12:25
müsste pensionsreformer schüssel ...

... dann eigentlich seine frühpension ruhen lassen?

neri
01
30.10.2009, 20:24
frühpension?

Sternchen100
12
30.10.2009, 11:57

Wissen die in der EU nicht, welche unglaublichen Korruptionsfälle in der Zeit von Schüssel gelaufen sind - oder wollen die in der EU ihn deswegen?

Walter Bimini
01
31.10.2009, 23:55
ich fürchte das ist eine seiner schwachstellen.

zu wenig korrupt - zumindest für brüssler verhältnisse, nicht einmal bekennender pädophiler und - das ist sein größter fehler - zu intelligent. denn intelligenz und brüssel schließen sich gegenseitig aus. ein kleiner hoffnungsschimmer für schüssel besteht noch. denn er ist nicht intelligent genug um diesen offensichtlichen widerspruch zu erkennen.

The Dark
00
30.10.2009, 11:55
Wenn Schüssel oder Gusenbauer etwas wird

bleibt zumindest Hahn in Ö.

Das ist fix.

Walter Bimini
00
1.11.2009, 00:00
und wir haben in beiden fällen viel zu lachen.

falls die eudsr sich für gusenbauer entscheidet, wird unser kurzzeit sandkistenkanzler sich sicher selbst übertreffen - sozusagen gusi at his best wie die laura rudas. wenns der schüssel wird, werden die genossen das erste mal ernsthafte schwierigkeiten mit ihrer ersten ordensregel "du sollst die eu mehr lieben als dich und deine paddei" haben.

First of the Few
22
30.10.2009, 11:41
NIEMALS wird der Schlaymann

sich für den Schüssel einsetzen - was immer er auch im Morgenjournal vorlü.gt. Da geht beinhart die Löwelstrasse vor EU oder den Fähigkeiten der Einzelnen für ihre EU-Rolle! Seine weinerliche Begründung warum er Molterer verhindert hat spricht Bände... Der hat weder Interesse (noch Format) dass ihn dauernd ein EU-Ratspräsident Schüssel wegen irgendwas anruft... Auch ein EU-Aussenminister Gussenbauer (der ja dann den österr. Kommissar wieder killen würde) ist seinem Brutus kaum kompatibel, würde der doch den Faktor 'wirkliche Welt da draussen' dauernd in diese Pensionisten- und Gewerkschafterpartei hintragen. Nein, da verhindert er grinsend ("Habe noch nie davon gehört") lieber beide! Hahn passt scho, als kleingeistiger Nenner. LICHT AUS!

Hans Klade
00
30.10.2009, 17:50

Gusenbauer hätte sicher eine Chance, wenn nicht der eigene "Parteifreund"Faymann gegen ihn als EU-Außenminister wäre. Gusenbauer´s größter Fehler war es, diesen kleingeistigen, rückgratlosen Mann zum Minister in seinem Regierungsteam zu machen, von wo ihm leider zum Schaden für uns alle der Aufstieg ins Kanzleramt gelang.

Walter Bimini
00
1.11.2009, 00:03
geben sies doch zu. sie wollen etwas zum lachen haben und stan und olli genügen ihnen nicht mehr.

ich sehe schon die neuen eu werbe plakate vor meinem geistigen auge "die eu hat besseres verdient" und dazu gusenbauers konterfei.

Walter Kaiser
00
30.10.2009, 12:53
Weinerlich war nur einer: Der Befehlsempfänger Molterer.

Und wer braucht schon wirklich einen egomanen intriganten Schüssel in einer wesentlichen Funktion?

Walter Bimini
00
1.11.2009, 00:05
so mancher österreicher würde lachen über die not der genossen

wie sollten sie dann ihre erste ordensregel "liebe die eu mehr als dich und deine paddei" befolgen.

Sternchen100
01
30.10.2009, 11:58
Gewissenlos

Mr. Sch. ist nur in einem gut - im intrigieren!

135
 
11
30.10.2009, 11:40
Schüssel wäre ein Treppenwitz der Geschichte.

Ein Mann, dessen Politik gewissenlosen Neoliberalismus
bedeutet wäre noch dazu in Zeiten einer noch nie da gewesen Krise mit seinem Deregulierungs-und Liberalisierungswahn, wohl der ungeeignetste Kandidat.
Dagegen sollten die Sozialdemokraten, vor allem die österreichischen energisch opponieren.
Oder deutet die Aussage Faymanns auf ein "Geschäft" hin?
die Hoffnungen gelten der Entscheidung der sd EU Parlamentsfraktion

W.Hammerl
13
30.10.2009, 12:03

Machen sie sich keine Sorgen. Weder Schüssel noch Gusenbauer hat eine Chance.

mikromalist
 
02
30.10.2009, 11:33
Schüssel ohne Khol,

könnte viel für Europa und AT tun.
Sein Intelligenzpaket schein mir gewichtiger, als jenes der übrigen AT Politiker, und Englisch klingen seine Sonntagsreden vielleicht nicht ganz so salbungsvoll.

Traurig, dass ich, als Linker, einmal so urteilen muss.
Gusi hat seine Chancen mit EINEM Krone Leserbrief zerstäubt?

Almi66
04
30.10.2009, 11:02
Wie hat Deix einst so treffend ueber uns Oesis gereimt..

I bin a kloans Mandl, aus an winzig kloan Landl...

Mehr ist zu unserem Alpen-(Westentaschen)napoleon nicht zu sagen!

Sternchen100
01
30.10.2009, 12:00

Bösartiges Rumpelstilzchen trifft es schon eher.

Homer Simpson II.
 
01
30.10.2009, 09:58
Ist das der Masterplan für die Verösterreicherung Europas?

Die Wettbewerbsaufsicht könnt ja der KHG übernehmen, das Bankwesen wird vom Julius reformiert und für das Duo Kohl/Blecha wird Ö. auch langsam zu klein...

Kahuna
01
30.10.2009, 10:05
Fuer Marcel, den Golfer, muesste es doch auch

noch einen Job im Finanzsektor geben?

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