Falscher Bombenalarm im Audimax

30. Oktober 2009, 01:50
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Polizei durchsuchte Hörsaal - Keine Einigung zwischen Hahn und ÖH - Positionen ausgetauscht, weiteres Treffen nicht geplant

Schon seit über eine Woche protestieren Studierende landesweit gegen die derzeitigen Studienbedingungen. Mittlerweile sind in fast allen Universitätsstädten Hörsäle oder Räume besetzt. In Graz waren die Studierenden heute auch auf der Straße unterwegs und haben demonstriert. Die Polizei spricht von 2000 Teilnehmern, die Veranstalter von rund 4000. Seit dem frühen Nachmittag ist die SOWI-Aula an der Universität Innsbruck besetzt. derStandard.at berichtet auch morgen wieder live.

UPDATE 1:45: Die Studierenden bekamen in der Nacht Besuch von der Polizei. Eine Bombendrohung war bei den Einsatzkräften eingegangen. Nachdem der gesamte Saal im Livestream verfolgbar mit Spürhunden durchsucht und nichts gefunden wurde, bedankte sich die Polizei für die gute Kooperation und zog wieder ab. Viele Besetzer hatten den Saal während der Suche nicht verlassen.

UPDATE 19.00: Wien – Das Audimax hat sich wieder gefüllt. Plenum steht an. Ab 23 Uhr sollen heute die Bands Satory und Sympathy for Strawberries spielen.

UPDATE 18.50: Innsbruck - Hier will man aus den Fehlern in Wien lernen: Nicht zu viel Party. Trinken ja, aber in Maßen, so das Motto. Die SoWi Aula dient derzeit Hauptquartier, weitere Hörsäle sollen besetzt werden, sie sollen vor allem als Schlafsäle fungieren.

UPDATE 18.40: Innsbruck – Gruppe "Sowi-Max" iist mittlerweile in Facebook aktiv. Die Innsbrucker orientieren sich an den Besetzungen in Restösterreich und wollen Arbeitsgruppen gründen. Ziel: "So lange durchhalten bis der Politik die Knie einbrechen." Die SOWI-Kassa konnte bisher 500 Euro sammeln für Essen und Getränke.

UPDATE 18.30: Graz – Fast zweieinhalb Stunden ziehen die Studierenden schon demonstrierend durch Graz. Jetzt sammeln sie sich zur Abschlusskundgebung am Grazer Hauptplatz.

UPDATE 18.22: Innsbruck – Die SOWI-Aula ist wieder gut gefüllt, immer mehr Studenten strömen für das Plenum herein, das jeden Moment starten wird.

UPDATE 18.20: Hahns Sicht auf die Gespräche: Er würde sich wünschen, dass die ÖH bei den Studentenprotesten als "öffentliche Interessensvertretung mehr Einfluss gewinnt". Aus Sicht des Ministers sind die Gespräche fortzusetzen. Er forderte auch den Koalitionspartner SPÖ dazu auf, sich einzubringen. "Wir müssen uns gemeinsam als Regierung der Debatte stellen und sie auch nutzen."

UPDATE 18.00: Wien – Im NIG (Aula) findet jetzt ein Solidarisierungstreffen der Lehrenden statt.

UPDATE 17.40: Wien – Die ÖH ist mit folgenden sieben Forderungen in die Gespräche gegangen: Ausfinanzierung der Hochschulen, Abschaffung der Studiengebühren für alle Studierende, Nein zu Zugangsbeschränkungen, Demokratisierung der Hochschulen, Sichere und gute Dienstverhältnisse für Lehrende, aktive Frauenförderung, bessere finanzielle Absicherung von Studierenden, Aufgaben der Hochschulen. "Es war keine Verhandlung sondern eher ein Austausch von Grundsatzposition", sagt Wallerberger zum Treffen.

UPDATE 17.35: Wien – Thomas Wallerberger, ÖH-Vize, sagt gegenüber derStandard.at, dass der Minister auf die Kompetenzen der Unis verwiesen hätte. Diese seien für die Geldverteilung zuständig: "Auf die Verantwortung des Ministeriums ist er in keinster Weise eingegangen."

UPDATE 17.30: Wien – Nach zwei Stunden ist das Treffen mit Minister Hahn beendet – Forderungen, wie zum Beispiel die gänzliche Abschaffung der Studiengebühren oder der Zugangsbeschränkungen, konnten nicht durchgesetzt werden. Ein neues Treffen ist nicht geplant.

UPDATE 17.15: Wien – Reaktion von SPÖ-Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl auf die Vorwürfe von ÖVP-Wissenschaftsprecherin Beatrix Karl Bundeskanzler Werner Faymann würde den Protest noch verstärken wollen: "Das Unterstreichen der Bedeutung von Dialog und konstruktivem Miteinander ist das Gegenteil von Eskalation."

UPDATE 17.10: Burgenland – Der burgenländische Landtag hat sich, wie berichtet, mit den Protestierenden solidarisiert und einen Dringlichkeitsantrag eingebracht.

UPDATE 16.55: Graz - Die Veranstalter sprechen von ungefähr 4.000 Demonstranten, die derzeit durch Graz ziehen. Abschlusskundgebung ist am Hauptplatz.

UPDATE 16.15: Die Wiener Linien sollen eine Klage gegen die Studenten planen, weil an einer Haltestelle Trasparente aufgehängt wurden, sagt eine Studentin im Audimax. Die Pressestelle der Wiener Linien war für eine Bestätigung leider nicht erreichbar.

UPDATE 16.10: In Graz ist die Demonstration schon in Gange. Corinna Milborn hat soeben ihren Vortag im Wiener Audimax begonnen.

UPDATE 16.00: Auf ebay kann man einen "symbolischen" Studienplatz für Kommunikationswissenschaft an der Uni Salzburg ersteigern. Der Erlös geht an den Verein für Humanitäre Aktionen an der Universität Salzburg.

UPDATE 15.50: Innsbruck – Derzeit sind noch etwa 150 bis 200 Leute in der SOWI-Aula, die auch planen über Nacht zu bleiben. Sie vertreiben sich die Zeit mit Karten spielen und der "Reise nach Jerusalem".

UPDATE 15.20: Innsbruck – Das Rektorat der Uni Innsbruck zeigt Verständnis für die Besetzung: "Wir sitzen letztlich im gleichen Boot. Auch wir als Universitätslehrer wollen unsere Studierenden bestmöglich ausbilden. Hier stoßen wir bereits jetzt an die Grenzen der Finanzierbarkeit. Wir sind daher an einer Diskussion über die Zukunft des Österreichischen Hochschulsystems sehr interessiert und somit auch offen für eine Diskussion mit den Studierenden", sagt Rektor Heinz Töchterle in einer Aussendung.

UPDATE 15.10: ÖVP-Wissenschaftssprecherin Beatrix Karl wirft Bundeskanzler Faymann in einer Aussendung Eskalation vor: "Die SPÖ dreht munter an der Eskalationsspirale, statt die Konsensbemühungen von Wissenschaftsminister Hahn zu unterstützen."

UPDATE 15.00: Innsbruck – In der SOWI-Aula haben sich die Studierenden mittlerweile häuslich eingerichtet. Die Leute sitzen am Boden, es wird geraucht, Musik läuft. An einer Skype Verbindung mit der Uni Wien wird gearbeitet. Um 18 Uhr ist ein Plenum angesetzt, für 20 Uhr ist Essen organisiert.

UPDATE 14.55: Seit heute morgen hängen am Uni Campus in Hamburg Solidaritäts-Transparente: "In Österreich brennen die Unis – Wann hier?"

UPDATE 14.50: ÖGB-Vizepräsidentin ist im Audimax in Wien eingetroffen und wird mit Applaus begrüßt. Sie zeigt sich "tief beeindruckt, was hier auf die Beine gestellt wurde."

UPDATE 14.40: An der Demonstration in Innsbruck sollen nach Schätzungen der Polizei rund 600 Leute teilgenommen haben.

UPDATE 14.25: Die Aula der SOWI-Fakultät an der Uni Innsbruck wurde soeben besetzt. Das bedeutet, dass jetzt in jeder österreichischen Universitätsstadt (Ausnahme: Leoben) Hörsäle oder Gebäude blockiert sind.

UPDATE 14.15: Die offiziellen Stellen der Universität Wien haben auf einen offenen Brief der BesetzerInnen geantwortet. In ihrem Brief (hier im Wortlaut nachzulesen) betonen sie, dass die finanzielle Ausstattung der Uni Wien derzeit "sehr unbefriedigend" sei. Man sei bereit mit den VertreterInnen des Plenums in Kontakt zu treten, allerdings unter der Vorraussetzung, dass auch das ÖH-Vorsitzteam mitwirkt.

UPDATE 14.10: Die Verschiebung der Vorlesungen ins Austria Center habe bisher reibungslos funktioniert, sagt eine Sprecherin der Uni Wien. Trotz mancher Beschwerden sind die Vorlesungen gut besucht.

UPDATE 14.05: Bei einer OGM-Befragung von 475 Personen ab 16 Jahren votierten 17 Prozent für WU-Rektor Badelt als neuen Wissenschaftsminister – wobei ihn nur 21 Prozent kennen. Familienstaatssekretärin Christine Marek (ÖVP) wollten 14 Prozent als Hahn-Nachfolgerin am Minoritenplatz, dies allerdings bei einem Bekanntheitsgrad von 55 Prozent.

UPDATE 14.00: Diskussion zum Thema "Ideologie" startet im Audimax.

UPDATE 13.50: Der ÖGB hat ebenfalls seine Solidarität bekundet. Um 14.30 wird die Vize-Präsidentin Sabine Oberhauser das Audimax besuchen.

UPDATE 13.40: Der Server der Besetzungs-Homepage scheint derzeit überlastet. Zugriff nur schwer möglich.

UPDATE 13.25: Auch die SchülerInnen sollen in die Proteste miteingebunden werden. Nächsten Montag soll es einen Filmnachmittag mit anschließender Diskussion im Audimax geben, zu der auch künftige Studierende eingeladen sind.

UPDATE 13.15: Derzeit läuft im Audimax gerade die Nachbesprechung zur gestrigen Demo in Wien. Die meisten sind sehr zufrieden mit dem Verlauf, auch wenn ein paar Farbbeutel geflogen sein sollen.

UPDATE 13.10: Bundeskanzler Faymann gibt Hahn einen Ratschlag: Er soll "so rasch wie möglich mit den Studierenden eine konstruktive Basis aufbauen und die Dialogbereitschaft der Regierung beweisen".

UPDATE 13.05: Infrastrukturministerin Doris Bures (SPÖ) unterstützt die Studierenden-Proteste. Der Grüne Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald sagte: "Wenn (die beiden Seniorenvertreter, Anm) Khol und Blecha Hand in Hand vor dem Parlament stehen, bricht der nationale Notstand aus, da gibt es Krisensitzungen und Regierungsrunden. Wenn zehntausende Studenten in ganz Österreich auf die Straße gehen, herrscht nur Schweigen bei SPÖ und ÖVP." Verständnis für die Studierenden bringt auch der Evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker auf.

UPDATE 13.02: Audimax Wien: Es soll eine Delegation zum Protest der Metallergewerkschaft geschickt werden (15.45 Uhr vor der Wirtschaftskammer in der Wiedner Hauptstraße), um sich solidarisch zu zeigen.

UPDATE 13.00: Vor der Uni Innsbruck ist die Demo voll im Gange. Die ersten Ansprachen werden gehalten, dafür gibt's Applaus. "Autonomie führt zu hohem Verwaltungsaufwand, Lehre und Forschung tritt in den Hintergrund. Wir vertreten uns jetzt selbst, die ÖH tut gar nichts", sagte ein Redner. Die ÖH hatte sich dezidiert gegen die Proteste ausgedprochen. 500 Studierende haben sich eingefunden.

UPDATE 12.45: Hahn will jetzt doch mit den Besetzern reden. Bei der Einweihung des neuen BOKU-Gebäudes in der Muthgasse wurde der Wissenschaftsminister vor laufenden Kameras von einer Studentin gefragt, ob er auch mit den Aktivisten – nicht nur mit der ÖH – verhandeln wolle. Hahn habe einen Gesprächstermin nächste Woche zugesagt, das wurde derStandard.at von einer Sprecherin der BOKU-Studierenden bestätigt. Ein genauer Termin steht noch nicht fest und klar ist auch noch nicht, wer den Termin seitens der BOKU-Studierenden wahrnehmen wird.

UPDATE 12.30: Die APA beleuchtet in einer Meldung die zurückhaltende Rolle der ÖH und lässt dabei den ehemaligen ÖH-Chef Martin Faißt von der VP-nahen AktionsGemeinschaft (AG) zu Wort kommen. Der findet es "grundfalsch", dass sich Sigrid Maurer (GRAS) nicht an die Spitze des Protestes stellt. Er stand 2000 an der Spitze der ÖH-Demo gegen die Studiengebühren, die zwischen 30.000 (Polizei) und 50.000 (ÖH) Personen auf die Straße brachte. "Die ÖH verhält sich zu passiv", so Faißt. "Das ist, wie wenn eine Gewerkschaft zu streikenden Betriebsräten sagt, wir unterstützen euch eh, aber schauen nur zu."

Eine der Streikorganisatorinnen an der Akademie der bildenden Künste, Martina Pfingstl, sagte vor einigen Tagen, die aktuellen Proteste seien nur deshalb zustande gekommen, weil sich verschiedene Kleingruppen verschiedener Unis zusammengetan hätten. "Es funktioniert, weil es nicht über die ÖH-Ebene läuft."

UPDATE 12.15: In Salzburg bleibt der Hörsaal 381 im Haus für Gesellschaftswissenschaften besetzt. Die Besetzer haben Arbeitsgruppen gebildet, die sich um Organisatorisches sowie um konkrete inhaltliche Forderungen kümmern. Zwei Seminarräume wurden besetzt, die als Schlafräume dienen. Im Foyer wurden ein Infopoint und eine Volksküche eingerichtet. Für 14 Uhr ist im besetzten Hörsaal ein Gastvortrag des Kommunikationswissenschaftlers Christian Fuchs angesetzt. Er spricht zum Thema "Kapitalismus und Perspektiven studentischen Protests". Für 20 bis 22 Uhr ist ein Plenum geplant, anschließend soll gefeiert werden.

UPDATE 12.10: Es kommen immer mehr Leute vor der Uni Innsbruck zusammen, auch der ORF will berichten. Der Demo-Zug beginnt um 12.45 Uhr, bis dahin werden Flyer mit Parolen verteilt. "Bildung für alle, jetzt sofort", skandieren die Studierenden. 250 Haben sich mittlerweile versammelt.

UPDATE 12.05: Vor der Uni Innsbruck ist beinahe alles für die Demo, die um 12 Uhr beginnen sollte, bereit: Plakate und ungefähr 50 Leute.

UPDATE 11.50: Der Burgenländische Landtag solidarisiert sich mit den Audimax-Besetzern.

UPDATE 11.45: Die Studierenden der BOKU äußern erneut ihren Unmut über die Bedingungen an der Türkenschanze. Heute wurde zwar das neue Gebäude in der Muthgasse eröffnet, allerdings ist das den Studierenden zu wenig. "Die katastrophale Raumsituation an der Türkenschanze wird mit dem Neubau in der Muthgasse auf keinen Fall gelöst," sagen Vertreter der ÖH BOKU. Und weiter: "Nur mehr Studien und Bauvorhaben, welche im starken Interesse der Wirtschaft stehen, werden finanzielle Förderungen zugesprochen. Das zeigt auch die rein wirtschaftliche Nutzung des halben Gebäudes in der Muthgasse. Studienrichtungen, welche nicht im unmittelbaren Interesse der Wirtschaft stehen und Lehre bzw. Forschung zum Großteil unabhängig gestalten müssen, fallen durch den Rost."

UPDATE 11.30: Sympathiebekundungen gibt es für die Studierenden auch von Herbert Tumpel. Präsident der AK Wien. "Dass die Chancen der jungen Leute in der Bildung ungleich verteilt sind, das ist der Kern des Problems", sagt Tumpel. Die AK unterstütze die Studierenden und die Österreichische HochschülerInnenschaft, bessere Studienbedingungen zu erreichen und Zugangsbeschränkungen abzubauen bzw zu verhindern. Tumpel fordert, dass der Bildungsabschluss und die Brieftasche der Eltern keine Rolle spielen dürfen. "Österreich braucht mehr, nicht weniger Studierende. Das erreichen wir nur, wenn es endlich Chancengleichheit in der Bildung gibt." Der AK Präsident fordert außerdem bessere Studienbedingungen auch für berufstätige Studierende.

UPDATE 11.20: Nach Angaben der Uni Wien sind derzeit ungefähr 70 Studierende im Hörsaal C1 am Uni Campus. Die Organisatoren der Besetzung sprechen von 300 Menschen. Die Studenten haben sich jedenfalls aufs Bleiben eingerichtet, so eine Besetzerin. Derzeit sei man damit beschäftigt, ähnlich wie im Audimax eine "Volksküche" aufzubauen. Die Uni Wien will das Gespräch mit den Studenten suchen, derzeit rede ein Dekan mit den Besetzern, so eine Sprecherin. Es seien auch zahlreiche Studenten vor Ort, die auf eine Lehrveranstaltung im C1 warten.

Die im Audimax angesetzten Vorlesungen werden am Freitag aber jedenfalls wieder im Austria Center Vienna in Wien-Donaustadt abgehalten. Selbst wenn die Besetzer abziehen würden, dauere es einige Zeit, bis der Hörsaal wieder für den Vorlesungsbetrieb tauglich gemacht werden könne, hieß es seitens der Uni.

UPDATE 11.15: Wissenschaftsminister Johannes Hahn lehnt ein Treffen mit "irgendwelchen Studentengruppen" ab und wird auch nicht von Studenten besetzte Räumlichkeiten an der Universität Wien besuchen, wie von Studentenseite mehrfach gefordert. "Es handelt sich immer noch um eine Besetzung, ich möchte diesen Unrechtszustand nicht durch meine Anwesenheit in irgend einer Weise legitimieren", sagte Hahn am Donnerstag.

Hahn dämpfte allzu große Hoffnungen an das heutige Treffen mit den ÖH-Vertretern. Es gebe in den Standpunkten "auch fundamentale Unterschiede", es könne nicht immer eine gemeinsame Meinung gefunden werden.

Thomas Wallerberger, Vize-Vorsitzender der ÖH, blickt dem Treffen mit gedämpften Erwartungen entgegen: „Ich bezweifle, dass es große Zugeständnisse geben wird," sagte er im Gespräch mit derStandard.at.

UPDATE 11.00: Das Treffen zwischen ÖH-Vertretern und Wissenschaftsminister Johannes Hahn findet heute um 15 Uhr im Wissenschaftsministerium statt.

UPDATE 10.55: Die Organisatoren der Proteste in Klagenfurt rufen zum gemeinsamen Protest auf. Um 14 Uhr, Treffpunkt Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, soll eine Demonstration zur Eröffnung des neuen Servicegebäudes der Universität Klagenfurt stattfinden, das von der Kärntner Sparkasse errichtet wurde. Die Demonstration gilt laut ÖH nicht den Sponsoren, sondern den politischen Rahmenbedingungen, die eine "zunehmende Kommerzialisierung des universitären Raums verursachen". Die Parole lautet: „Bildung statt Banken“.

UPDATE 10.45: Der steirische Kabarettist Jörg Martin Willnauer bekundet den Grazer Studentinnen und Studenten ebenfalls seine Solidarität und kommt mit seinem Kabarett-Rrogramm in den besetzten Hörsaal der Vorklinik. Der genaue Zeitpunkt wird noch bekannt gegeben. In wenigen Minuten beginnt in der Vorklinik der Vortrag "Universitätsreformen in Österreich – How Low Can You Go?"

UPDATE 10.30: Zu den zahlreichen Solidaritätsbekundungen für die Besetzer im Audimax kommen noch weitere hinzu, beispielsweise vom Sozialistisch Demokratischen Studentenbund in Saarbrücken, der Gruppe Aktiver Fachschaften der Uni München, der Linke Hochschulgruppe der Christian-Albrechts-
Universität Kiel oder des GeoDACH (Zusammenschluss der Geographie-Studierenden in Deutschland, Österreich und der Schweiz).

UPDATE 10.10: Die Hörsaal-Besetzer der Johannes-Kepler-Universität in Linz haben ihren Vize-Rektor Herbert Kalb für ihre heutige Diskussion (13 Uhr) gewonnen. Derzeit herrscht noch Mangel an Studierenden, die den Hörsaal 1 weiter besetzen.

UPDATE 9.45: Die Spekulationen um die Hahn-Nachfolge im Wissenschaftsministerium gehen weiter. Erneut erreichen Gerüchte die Medienredaktionen, dass der oder die NachfolgerIn aus dem universitären Bereich kommen könnte, etwa WU-Rektor Christoph Badelt oder Georg Winckler von der Universität Wien. Obwohl die Vorschläge Sympathien finden – sehr wahrscheinlich sind sie nicht. Denn dann hätte die ÖVP neben Justizministerin Claudia Bandion-Ortner einen weiteren parteilosen Minister.

UPDATE 9.15: Der C1, der größte Hörsaal im Campus (Altes AKH), ist seit gestern auch besetzt. Ungefähr 50 haben dort übernachtet. Derzeit sind ca. 300 Studierende im Hörsaal.

UPDATE 8.45: Lehrende und Forschende organisieren ein Solidarisierungstreffen im NIG, Universitätsstraße 7, in der Aula um 18 Uhr. Ziel des Treffens ist, einen Forderungskatalog von Lehrenden und Studierenden im Bezug auf die Missstände an Universitäten zu verfassen. Denn die Verhältnisse für den lehrenden Mittelbau sind prekär, Kurzzeitverträge und kein Geld für Studienmaterilaien sind nur wenige Beispiele dafür, beklagen die Lehrenden. Deshalb gebe es seitens der Interessengemeinschaft der Lektoren auch volle Unterstützung für die protestierenden Studenten, sagte Thomas Schmiedinger, Lektor am Institut für Politikwissenschaften an der Universität Wien im Ö1-Morgenjournal. "Für uns Lehrende ist es eine Katastrophe, wenn in einem Seminar zum Beispiel 80 Studierende sitzen." Seminare, in denen die Studentinnen und Studenten diskutieren und ihre Meinung austauschen sollen und wo die Gruppe klein gehalten werden soll, um das zu ermöglichen.

UPDATE 8.30: Ab heute beginnt der autonome Vorlesungsbetrieb an der Uni Wien. Zwischen 9 und 11 Uhr werden Vorlesungen zu Themen wie Gender und Ökonomie, Migration und Rassismus oder auch Ästhetik angeboten. Um 15 Uhr spricht Hans Mikosch zum Thema Uni-Gesetz im Audimax, um 16 Uhr die Journalistin Corinna Milborn.

Dort wird derweil gefrühstückt.

UPDATE 7.30: Die Route für die Demonstration in Graz ist bereits bekannt. Start ist um 16.00 Uhr vor der Hauptuni. Route: Universität Graz, Halbärthgasse, Zinzendorfgasse, Glacistraße, Kaiser-Josef-Platz, Gleisdorferstraße, Jakominiplatz, Herrengasse, Hauptplatz.

Originalartikel und Nachlese 7.00:

Wien – Die Protestaktionen der Studenten gegen die Zustände an den österreichischen Universitäten haben am Mittwoch ihren bisherigen Höhepunkt erreicht. An einer Demonstration durch die Wiener Innenstadt beteiligten sich am Abend zehntausende Menschen. Die Veranstalter sprachen von 50.000, die Polizei von 10.000. Jedenfalls war es der größte Protestzug dieser Art seit Einführung der Studiengebühren. Weiter besetzt bleibt das Audimax an der Uni Wien sowie auch in Linz, Graz und Salzburg.

Zur Groß-Demo in Wien hatte unter anderem auch die Österreichische Hochschülerschaft aufgerufen, die sich bis dahin sehr zurückhaltend gezeigt hatte: "Die Studierenden haben genug", verwiesen die ÖH-Vorsitzenden Sigi Maurer und Thomas Wallerberger auf "katastrophale Studienbedingungen, miserable Betreuungsverhältnisse und die andauernde Androhung von Zugangsbeschränkungen". Die Audimax-Besetzer publizierten einen offenen Brief an die Regierung, in dem unter anderem eine Überarbeitung des Bachelor/Master-Systems und die Abschaffung der Studiengebühren für Nicht-EU-Bürger und Langzeitstudenten verlangt wurde.

Der Ärger bei der Studentschaft scheint jedenfalls tatsächlich recht groß zu sein. Die Polizei zählte rund 10.000 Teilnehmer beim Demonstrationszug, der unter anderem am Wissenschaftsministerium am Minoritenplatz vorbei führte. Die ÖH vermeldete 15.000 Kundgebungsteilnehmer, die Veranstalter sahen 50.000.

"Kentucky fried Gio"

Wie bei Studentenprotesten üblich überboten sich die Teilnehmer mit mehr oder weniger originellen Transparenten. Zu lesen war alles mögliche von "Alles klar Herr Kommissar?" über "Kentucky fried Gio" bis zu "Spaghettibildung Bologna". Wer nach dem zweistündigen Marsch durch das herbsttrübe Wien noch Energie verspürte, schwang dann vor der Haupt-Uni das Tanzbein. Der Weltrekord im Mambo-Tanzen sollte gebrochen werden – die studentische Antwort auf den Formationstanz-Weltrekordversuch des Militärkommandos Wien am vergangenen Wochenende.

Besetzt bleibt jedenfalls das Audimax. Die Organisatoren baten sogar darum, nach der Demo nicht mehr in den Haupthörsaal der Uni Wien hineinzuströmen, da der Raum ohnehin überfüllt sei. Nicht ganz so viele Studenten blockieren derzeit den Hörsaal 1 der Johannes Kepler-Universität in Linz. In der oberösterreichischen Hauptstadt verzichtete man sogar auf eine Demo, damit die etwa 20 Studenten den Raum besetzt halten könnten.

Auch an der TU Graz ist ein Hörsaal in Studentenhand. Heute wollen in der steirischen Hauptstadt Studierende der TU und der Karl-Franzens-Universität gemeinsam demonstrieren. Schließlich ist noch der größte Hörsaal im Gebäude der Gesellschaftswissenschaften an der Uni Salzburg für unbestimmte Zeit besetzt. An einer Kundgebung nahmen am Mittwoch etwa 500 Studierende teil. Im bisher besetzungsfreien Innsbruck gehen die Studenten ebenfalls heute, Donnerstag, auf die Straße.

Während die Grünen am Mittwoch die Studenten verteidigten und die Regierung in die Pflicht nahmen, gibt es von anderen Seiten durchaus Kritik am Vorgehen der "Besetzer". So haben die Proteste für die AG-dominierte Hochschülerschaft der Montan-Uni Leoben ein "nicht mehr tragbares Maß" erreicht, die katholische Hochschuljugend warnte vor "utopischen Forderungen" und die freiheitlichen Studenten forderten die Räumung "des von lernfaulen Studenten besetzten" Audimax.

Nach dem Marschieren kommt jetzt das Verhandeln. Der scheidende Wissenschaftsminister Johannes Hahn wird am Donnerstag mit Vertretern der Hochschülerschaft zu Gesprächen zusammentreffen. Was er dort erzählen will, kann den Studenten-Vertretern freilich kaum schmecken. Hahn will nämlich über Zugangsbeschränkungen an den Unis sprechen. (APA, Teresa Eder, Saskia Jungnikl, Marijana Miljkovic, Sophie Niedenzu, derStandard.at, 29. Oktober 2009)

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    Sigrid Maurer, Vorsitzende der ÖH, vor dem Gespräch mit Minister Hahn.

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    Die SOWI-Aula in Innsbruck ist seit heute besetzt.

  • Minister Hahn schüttelt bei der Eröffnung des neuen Boku-Gebäudes in der Muthgasse einem Studierenden die Hand.
    foto: standard/cremer

    Minister Hahn schüttelt bei der Eröffnung des neuen Boku-Gebäudes in der Muthgasse einem Studierenden die Hand.

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    Mit Spannung erwartet: Das Treffen des Wissenschaftsministers mit den offiziellen Vertretern der Studierenden.

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    Waren es 10.000 oder gar 50.000? Die Angaben zur Teilnehmerzahl an der Demo sind widersprüchlich. Heute wird in Innsbruck und Graz demonstriert.

  • Schwarz-Weiß-Denken? Mag sein, aber fotografisch machen die Studierenden-Proteste so auch Eindruck.
    foto: berthold eder

    Schwarz-Weiß-Denken? Mag sein, aber fotografisch machen die Studierenden-Proteste so auch Eindruck.

  • Auch das Wiener Juridicum wurde gestern besetzt.
    foto: chv

    Auch das Wiener Juridicum wurde gestern besetzt.

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