Brigitte Ederer bei Frauenquote "gespalten"

30. Oktober 2009, 15:17
2 Postings

Je älter sie jedoch werde, umso wichtiger empfinde sie es, dass Frauen in Führungspositionen sind, meinte die Siemens Österreich-Chefin beim Karriere-Frühstück

Wien - Karriere ist spannend, hat aber einen hohen Preis, erzählte Siemens-Österreich-Chefin Brigitte Ederer am Mittwoch in Wien beim Frühstück mit "Women fit for Business". Man müsse "etwas wollen" und praktisch unbegrenzt Zeit zur Verfügung stellen. Bei ihr hätten am Weg von der EU-Staatssekretärin über die Wiener Finanzstadträtin bis zur Siemens-Chefin noch "Zufälle" geholfen: "Ich war öfter zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort" sagte Ederer.

"Nach Position beurteilt"

Sie habe aber am Weg schmerzhaft gelernt, dass Wertschätzung meist ihren Funktionen gelte. "Ich mache mir Null-Illusion über die Wertschätzung für meine Person", so Ederer. Hört sie einmal als Siemens-Chefin auf, "werden von 100 Menschen die zu mir freundlich sind nur fünf übrig bleiben". Das habe sie ihre bisherige Karriere gelehrt: Als EU-Staatssekretärin für die SPÖ sei sie zunächst angefeindet worden, dann nach dem fulminanten Sieg bei der Volksabstimmung war sie plötzlich beliebt. Menschen, die sie damals herzlich grüßten, wechselten die Straßenseite, als sie SPÖ-Parteisekretärin wurde. Als Wiener Finanzstadträtin sei sie wieder gegrüßt worden und als Siemens-Chefin heiße es nun "Küss die Hand". "Leute werden nach Position beurteilt", gab sie der Runde von Geschäftsfrauen mit auf den Weg.

Preis der Karriere: Keine Kinder

Sie vergesse auch die Kränkungen nicht, die sie im Laufe ihrer Karriere erlitten habe. "Jeder in der Öffentlichkeit hat eine dünne Haut", wenn man Kränkungen nicht mehr spüre, solle man lieber aufhören. Karriere hinterlasse eben auch Narben und Verletzungen: "Man sieht ja nur den schönen Teil". Sie selber habe auf Kinder verzichtet, "ein Preis, den ich bewusst gezahlt habe," auch wenn sie gerne ein oder zwei Kinder gehabt hätte.

Was in Erinnerung bleibt

Von ihr selber werde wohl der "Ederer-Tausender" (sie hatte im Vorfeld der EU-Abstimmung gesagt, jeder/m Österreicher/in werde durch den EU-Beitritt 1.000 Schilling (73 Euro) mehr in der Tasche bleiben) und das "Mock-Busserl" bleiben - "aber von manchen bleibt gar nichts" ätzte Ederer. Teilweise habe ihr die öffentliche Bekanntheit zu schaffen gemacht, denn "die Österreicher sind sehr aggressiv, wenn sie anonym sind". Einmal sei sie persönlich für die Verspätungen der Straßenbahn verantwortlich gemacht worden.

"Bei großen Entscheidungen ist man einsam"

Dennoch sei ihr der Abschied aus der Politik ("Politik ist die faszinierendste Tätigkeit die es gibt - und gleichzeitig die undankbarste und kränkendste") schwer gefallen, als der Ruf von Siemens kam. Seit vier Jahren Vorstandsvorsitzende sieht sie ihren Job abgeklärt: 80 Prozent entfalle darauf, "Leute bei Laune zu halten". Sie müsse KundInnen, MitarbeiterInnen oder auch die Öffentlichkeit motivieren. Das gelte insbesondere jetzt, wo sie 600 Leute abbauen müsse. "Diese Lebenserfahrung hätte ich mir ersparen können" sagt Ederer, die einräumt, bei dieser Frage auch am Abend zu Hause nicht abschalten zu können. Aber bei den großen Entscheidungen sei man einsam und müsse alleine die Verantwortung tragen. "Ich habe schon mehr gelacht als in den letzten zwei, drei Jahren. Der Spaß hört mit dem Alter sehr auf".

Späte Anerkennung der Frauenquote

Je älter sie werde, umso wichtiger empfinde sie es, dass Frauen in Führungspositionen sind. Bei einer Frauenquote sei sie allerdings "gespalten". Denn einerseits habe sie eine Quote nie für eine erfolgreiche Maßnahme gehalten, andererseits müsse sie aber anerkennen, dass diese doch einiges bewirkt habe. Bei guter Mischung von Männern und Frauen hätten Unternehmen größere Erfolge. "Man sollte bei Entscheidungen nicht auf die Hälfte der Weltbevölkerung verzichten", sagt Ederer, die sich noch das Ziel setzt "eine weise Frau" zu werden. (APA)

Link

Das Business-Frühstück ist eine Veranstaltung mit prominenten Vorbildern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft, die monatlich vom Verein "WOMEN fit for business", Gesellschaft zur Förderung der Frauen in der Wirtschaft organisiert wird.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    "Ich habe auch immer viel gearbeitet, ich wollte es oft auch allen recht machen, aber das geht leider nicht, egal in welcher Position Sie sich befinden", beratschlagte Brigitte Ederer die Anwesenden beim Business-Frühstück. Und: "Meine Erfahrung ist, dass man für alles seinen Preis bezahlt, einerseits bei der Familienplanung, bei der Freizeitgestaltung mit dem Partner oder Freunden, andererseits bei den zu leistenden Wochenstunden. In der Politik begann ich meistens um 07.30 früh und mein Arbeitstag endete zwischen 21.00 und 23.00 Uhr. Am Wochenende war ich für die Wählerarbeit unterwegs. An manchen Wochenenden war ich auf drei Bällen hintereinander. Jetzt in der Wirtschaft, habe ich mehr Freizeit."

Share if you care.