Wehsely bringt Joschka in Fahrt

28. Oktober 2009, 19:32
11 Postings

Deutscher Ex-Außenminister: "Ich sehe jede Menge Frauen in Sportautos - und das in der Mitte der Straße." - Wehsely nahm's locker

Berlin – Seit Joschka Fischer seiner politischen Ämter verlustig ging, betätigt er sich als Lobbyist. In seiner Themenwahl ist er wenig zimperlich. Er lobbyiert für die Pipeline Nabucco mit der gleichen Überzeugung wie für die Elektroautos von Siemens. Für letztere saß der Ex-Außenminister und Ex-Marathonläufer Montag in Berlin auf dem Podium eines Kongresses.

Umrahmt von sechs weiteren Herren und keiner einzigen Dame galt es, die Zukunft von Stadt, Gesundheitspolitik, Energie und Automobil zu debattieren. Als die Sakkorunde geendet hatte, trat sehr höflich Wiens Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely vors Saalmikrofon, stellte sich kurz vor und bat die Herren um Auskunft darüber, ob in deren Zukunftsüberlegungen auch die zweite Hälfte der Menschheit vorkäme. Denn die zuvor in der Debatte erwähnten "Sport Utility Vehicle"-Fahrer seien doch zumeist männlichen Geschlechts, und Frauen hätten andere Bedürfnisse und Gewohnheiten als die Männer.

Hüsteln des Moderators. Da er hier "der einzige in Rosa" sei, könne er sagen, dass bereits die Hälfte der Technikstudenten weiblich seien. So trat der ebenfalls auf dem Podium befindliche Wissenschaftsvermittler das erste Steinchen einer nun anrollenden Lawine an Peinlichkeiten los. Und, fügte der Mann in Rosa hinzu: Nur mit dem Befördern von Frauen in professorale Ebenen hätte man noch so seine Probleme.

Die wenigen Frauen im Saal begannen steile Stirnfalten zu tragen. Die Skandinavier, egal welchen Geschlechts, blickten einander erstaunt an. Dann ergriff ein genervter Fischer das Wort. Das stimme so nicht mit den SUV-Fahrern, grantelte er: "Ich sehe jede Menge Frauen in Sportautos – und das in der Mitte der Straße." Röhrendes Saalgelächter, betretene Vereinzelte dazwischen.

Wehsely nahm's locker. "Man muss das positiv sehen", sagte sie zum Standard: "In Wien wäre so etwas nicht mehr möglich." (Ute Woltron/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.10.2009)

  • Wenn ein Zukunftskongress ausschließlich männlich besetzt ist, haben
Männer zu wenig nachgedacht: Fischer am ansonsten hochinteressanten
Future Dialogue in Berlin.
    foto: standard/siemens

    Wenn ein Zukunftskongress ausschließlich männlich besetzt ist, haben Männer zu wenig nachgedacht: Fischer am ansonsten hochinteressanten Future Dialogue in Berlin.

Share if you care.