Postenschacher

Merkel gegen Blair als EU-Präsident

28. Oktober 2009, 18:51
  • Artikelbild
    foto: ap/geert vanden wijngaert

    Schwedens Premier Fredrik Reinfeldt muss den Gipfel am Donnerstag und Freitag managen, viel Vermittlungsgeschick ist gefragt.

Nach der Angelobung als deutsche Kanzlerin hat Angela Merkel nun beide Hände frei, auf EU-Ebene die Besetzung der Schlüsselposten auf den Weg zu bringen

Nur wenige Stunden nach ihrer Angelobung im Bundestag flog die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel Mittwochnachmittag nach Paris zu einem Treffen mit Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy. Solche deutsch-französische Konsultationen auf höchster Ebene haben eine lange Tradition. Die beiden mächtigsten und einflussreichsten Länder der Union nützen dies, um den Partnern in Europa ihre historisch wichtige Bedeutung beim Wiederaufbau und vor wichtigen Entscheidungen zu zeigen.

Im konkreten Fall erwarteten Diplomaten Anhaltspunkte, welche Richtung in personellen und inhaltlichen Fragestellungen das Duo Merkel/Sarkozy für die nächsten Tage und Wochen vorgeben könnten. Heute, Donnerstag, treffen sich die 27 Staats- und Regierungschefs der EU beim traditionellen Herbstgipfel in Brüssel.

Dabei stehen neben dem Klimaschutzpaket mit den Vorbereitungen für den Klimagipfel in Kopenhagen vor allem die Fragen an, die in Zusammenhang mit dem Inkrafttreten des neuen EU-Vertrags von Lissabon zusammenhängen. Da das tschechische Höchstgericht seine Entscheidung über Klagen gegen den Vertrag auf 3. November, Dienstag nächster Woche, verschoben hat und nicht klar ist, ob und wann der tschechische Präsident Václav Klaus letztgültig unterschreiben könnte, ist es für die schwedische EU-Ratspräsidentschaft ungemütlich geworden.

Denn wenn man erreichen möchte, dass mit Jahreswechsel nicht nur eine neue EU-Kommission, sondern auch der erste Präsident des Europäischen Rates und der Hohe Vertreter für die Außenpolitik, der gleichzeitig Vizepräsident der Kommission wäre, ihre Arbeit aufnehmen können, dann müssen sehr rasch die wichtigsten Personalfragen gelöst werden.

Ursprünglich wollte Premierminister Fredrik Reinfeldt das bereits beim jetzigen EU-Gipfel klären. Nun ist ein Sondergipfel im November geplant, sodass die neuen EU-Spitzen sich allesamt Anfang Dezember dem Europäischen Parlament stellen können.

Zentrale Präsidentenfrage

Im Zentrum aller Überlegungen steht derzeit der Streit um den Posten des EU-Präsidenten. Wie berichtet, haben sich der Luxemburger Jean-Claude Juncker, der Ministerpräsident, und indirekt auch der britische Ex-Premier Tony Blair bereits in Stellung gebracht.

Merkel, so heißt es in informierten Kreisen, werde auf jeden Fall zu verhindern wissen, dass Blair zum Zug kommt. Ob Sarkozy, der noch im Juni für Blair geworben hatte, dann aber abrückte, in den deutschen Wunsch einstimmt, war am Mittwoch noch unklar.

Die deutsche Kanzlerin, heißt es unter CDU-Abgeordneten, habe nach der schwierigen Regierungsbildung in Berlin jetzt jedenfalls die Hände frei für die großen europäischen Entscheidungen. Was den Posten des künftigen Präsidenten betrifft, wird von Deutschland offenbar ein Vertreter gewünscht, der aus einem Land kommt, das dem Projekt der Integration der EU tief verbunden ist. Sollte Juncker wegen seines offensiven Auftretens gegen Blair aus dem Rennen genommen werden, so müsste ein Kompromisskandidat her. Neben Tarja Halonen und Paavo Lipponen aus Finnland (Präsidentin und Ex-Premier) taucht der Name Wolfgang Schüssels aus Österreich und des Niederländers Jan Peter Balkenende auf. Merkel hat sich bisher öffentlich in keiner Weise dazu geäußert. Gleichzeitig war davon auszugehen, dass Merkel und Sarkozy auch abstimmen, welche Wünsche die beiden Länder in Bezug auf wichtige Kommissarsposten haben. Paris will demnach Binnenmarkt oder Wettbewerb, Berlin ein wichtiges Wirtschaftsdossier. (Thomas Mayer aus Brüssel/DER STANDARD, Printausgabe, 29.10.2009)

Kommentar posten
21 Postings
short cut
01
29.10.2009, 11:25
Angie, bist zwar nicht mein Typ, ...

aber langsam wirst du mir sympathisch.

Christoph ************
00
28.10.2009, 23:42

Damit dürfte es nun für Blair entgültig gelaufen sein. Die Chancen Junckers würde ich auch als relativ gering ansetzen. Wer es aber nun werden könnte, bleibt ziemlich unverhersehbar.

Jürgen Rembremerding
03
28.10.2009, 23:05
Ich würd den Klaus nehmen!

quaxi668
00
28.10.2009, 22:02
luxembourg ist das einzige europïsche land welches zu frnkreich und deutschland ähnlich enge beziehungen hat

deshalb wird es juncker werden

die anderen länder sind weniger neutral

GB....weder noch
belgien... frankreich
niederlande.... deutschland
skandinavische länder.... deutschland
österreich.....deutschland
südeuropäische länder.... frankreich
kroatien.... deutschland
serbien.... frankreich
polen.... eher frankreich
tschechien....weder noch
rumänien....frankreich
etc.

TomW
00
29.10.2009, 23:12
Serbien?

Seit wann ist Serbien bei der EU dabei?

BuchbinderWanninger
 
13
28.10.2009, 22:30
Angie halt durch!

und verhindere diesen Blender und Heuchler Blair!

Wenn es Juncker nicht werden kann (den ich wünschen würde), dann soll meinetwegen auch Schüssel seine Chance haben, den mag ich zwar nicht besonders, aber er ist gegenüber Blair eine Lichtgestalt, frei von Weltrettungsvisionen mit Hunderten von Kilototen als Folge, ein findiger und erfahrener Profi, der seine Intelligenz zu unser aller Nutzen einsetzen könnte.

Eine Schande wäre es allerdings für uns Europäer, wenn wir einen Kandidaten aufstellten, der aufgrund seiner Vita sich eher als Angeklagter in einem Kriegsverbrecherprozess in Den Haag eignet, denn als unser aller höchster Repräsentant!

Hermine Berg
 
00
28.10.2009, 22:12
serbien? kroatien?

sie wissen aber schon, dass die nicht in der eu sind?

giseun
00
28.10.2009, 23:09
und was ist mit dem kosovo

der kosovo ist schliesslich sowohl von deutschland als auch von frankreich besetzt. nach der logik kommt der neue präsident der eu aus dem kosovo. müssen wir nur noch schnell den beitritt bis ende des jahres abwickeln

Fridolin der Große
00
28.10.2009, 21:45
Blair als EU-Präsident?

Dann wird die EU eine Zweigstelle des Weißen Hauses.

Gnade!

Hermine Berg
 
02
28.10.2009, 21:19
bitte den schuesse nehmen

der und der hahn, das waere einfach.... einfach..... ...

Der auf der Nudelsuppen dahergschwommen is
 
00
28.10.2009, 21:05
schüssel...

"der aus einem Land kommt, das dem Projekt der Integration der EU tief verbunden ist."
mhm...

mandi
01
28.10.2009, 21:32

blair als einer der hauptschlächter im irakkrieg, engster verbündeter von bush und somit verantwortlich für die spaltung europas (old/new) hat in brüssel nichts verloren!!!
zudem kommt er aus einem land, das nicht wirklich eu-freundlich ist, weder der euro- noch der schengenzone angehört und sich ständig irgendwelche sonderklauseln raushandelt! schüssel bitte auch nicht nach brüssel!!! er hat die rechten salonfähig gemacht! sarkozy würde ihn sowieso nie akzeptieren! juncker ist vollbluteuropäer und kompetent! er wäre der richtige! leider ist er halt nimma der jüngste! einen "europäischen obama" haben wir leider nicht!

maxbz
01
28.10.2009, 21:00
Klarer Fall für Juncker! Idealbesetzung.

Wer den sonst?
Die Großbritten verhalten sich streng antieuropäisch, Blair wäre einfach absurd.

vom anderen Sternli
04
28.10.2009, 20:07
Selbst als Sozialist!

Blair war schon immer eine Marionette von Bush.
Nicht einmal ein Konservativer hätte Labour mehr schaden können als er.

capcom
12
28.10.2009, 19:25

irgendwie finde ich das deutsch-französische verhältnis sehr erfreulich. bei aller kritik, aber die eu sichert uns den frieden.

NONE
70
28.10.2009, 19:40

Wer bedroht uns?

Ich geben ihnen zwar Recht, aber wahrscheinlich aus anderen Gründen. Und man muss auch hinzufügen das die Ausgaben der EU Staaten für Militär steigt.

Adrian Engler
00
28.10.2009, 19:18

Es gibt einige Politiker, die in Frage kommen. Jedoch sicher nicht Tony Blair, der sich wegen des von ihm aufgrund von Falschaussagen mitinitiierten Angriffskrieg gegen den Irak vor dem Tribunal in Den Haag verantworten sollte.

Helmut Binder
01
28.10.2009, 19:12
Hände weg von Blair !!!

Tony Blair war mit Busch federführend beim Beginn des Irak Krieges. Dieser hat der EU viele Tote und Leid gebracht. Was ist, wenn er wieder etwas sieht und weiss, was es gar nicht gibt?

rubinek
09
28.10.2009, 18:58

J.C Juncker soll es werden. Er ist ein Vorzeigeeuropäer und europaweit anerkannt.

Christoph ************
00
28.10.2009, 23:43

... und deswegen kann er es kaum werden. GB wird das zu verhindern wissen.

Ggg14
00
29.10.2009, 13:55

Es wird Zeit die Engländer auf ihren Platz zu verweisen. Entweder voll mitmachen und dann auch mitreden oder weder noch.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.