Ryanair: Ein Stehplatz um drei Euro

28. Oktober 2009, 18:49
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Ryanair-Chef O'Leary will Bratislava ausbauen und Wiener Gäste anlocken

Wien - Weil der Wiener Flughafen für Ryanair-Chef Michael O'Leary noch immer zu teuer ist, um hier zu landen, forciert er Bratislava. Sollte der dortige Airport bereit sein, die Kosten weiter zu senken, will Ryanair in der slowakischen Hauptstadt einen Stützpunkt errichten, drei Flieger dort stationieren und die Zahl der Passagiere auf zwei Millionen verdoppeln. Bereits jetzt bedient Europas größte und erfolgreichste Billig-Airline 17 Destinationen ab Bratislava.

Bratislava ist für den extrovertierten Airline-Chef "das billige Gate nach Wien", wie er im Vorfeld einer Pressekonferenz am Mittwoch zum Standard sagte. Bereits jetzt kämen 30 Prozent der Passagiere aus Wien. Ryanair, die in Österreich Graz, Linz, Salzburg und Klagenfurt anfliegt, hat 202 Flugzeuge und wird heuer 66 Mio. Passagiere befördern. In drei Jahren sollen es 90 Mio. sein und Ryanair die größte Airline Europas.

In die Schlagzeilen geriet O'Leary zuletzt mit zwei Plänen: Toilettenbesuche an Bord kostenpflichtig zu machen sowie Stehplätze anzubieten. Ihm gehe es nicht um das Geld für den Toilettenbesuch, versichert O'Leary, das würde er auch spenden. Bloß die Leute sollen sich bevor sie an Bord gehen "erleichtern". Das spart angeblich Spritkosten. Und wenn statt drei nur mehr zwei Toiletten eingebaut werden, könnten zusätzlich sechs Sitze mehr verkauft werden.

Sobald die Behörden grünes Licht geben, will Ryanair die letzten Reihen im Flieger zu Stehplätzen umfunktionieren. "Im Bus und in der Bahn stehen die Leute ja auch, warum also nicht im Flieger", fragt O'Leary. "Die Gäste sollen entscheiden, ob sie 30 Euro für einen Sitzplatz oder drei Euro für einen Stehplatz bezahlen."

Der Durchschnittspreis sank bei Ryanair heuer von 41 auf 33 Euro. Geld verdient die Airline nicht mit den Gratistickets, sondern mit den "personenbezogenen Leistungen", wie Kaffee, Hotelbuchung, Leihauto, Platzreservierung, oder wenn Gepäck aufgegeben wird. Ryanair will, auch um Treibstoff zu sparen, dass die Passagiere nur mit Handgepäck (ein Stück ist erlaubt) reisen. Daher kostet das erste Gepäckstück zehn Euro, das zweite 30 Euro und das dritte gar hundert Euro. Laut O'Leary geben nur 25 Prozent der Ryanair-Passagiere Gepäck auf.

Während Ryanair für heuer einen Nettogewinn von rund 200 Mio. Euro prognostiziert, baut die Lufthansa einer möglichen Gewinnwarnung für das Gesamtjahr vor. Die Ergebnisentwicklung hänge vom vierten Quartal ab, hieß es am Mittwoch. In den ersten neun Monaten hat Lufthansa wegen der anhaltend schwachen Nachfrage erneut rote Zahlen geschrieben. Unter dem Strich belief sich der Verlust auf 32 Mio. Euro nach einem Gewinn von 529 Mio. Euro im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das operative Ergebnis lag bei 226 (954 Milo. Euro). Der Umsatz schrumpfte um 13 Prozent auf 16 Mrd. Die AUA-Übernahme wird die Airline in den kommenden Monaten weiter belasten. Um das Ausscheiden schmackhaft zu machen bietet die AUA den Tyrolean-Piloten derzeit bis zu 360.000 Euro an. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.10.2009)

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