Hilfe, die Deutschen kommen!

28. Oktober 2009, 18:35
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Die folgende Notizensammlung zum Thema "Sind Studenten eine Naturkatastrophe?" erreichte uns aus einer artverwandten Institution

"Durch Sarkasmus mache ich mir das Leben erträglich" (Rudolf Augstein)

Zuerst überfluten sie unsere guten alten Universitäten und dann besetzen sie auch noch Hörsäle. Jetzt ist es nicht mehr zu übersehen: Studenten sind eine Naturkatastrophe - und ganz besonders die deutschen Studenten. Undankbar sind sie, diese Studenten, das weiß man ja seit Jahrzehnten. Zuerst erlaubt man ihnen, an der Universität zu inskribieren und dann regen sie sich plötzlich aus heiterem Himmel auf, weil sie angeblich nicht ordentlich studieren können. Überfüllte Hörsäle und überbuchte Seminare gab es schließlich schon vor 20 Jahren.

Die Deutschen tragen jedenfalls die Hauptschuld an der akuten "Überflutung" unserer Unis und an den etwas ungemütlichen Zuständen dort. So viel ist sicher: Die deutschen Numerus-clausus-Flüchtlinge stürzen unsere Unis ins Chaos. Flüchtlinge eben. Was kann man da anderes erwarten.

Und natürlich die Abschaffung der Studienbeiträge! Diese Untat des österreichischen Parlaments hat jetzt jene Massen, die vor wenigen Jahren durch die strategisch meisterhafte Einführung der Studienbeiträge von unseren Universitäten verjagt und nachhaltig abgehalten wurden, wieder an die Universitäten gelockt. Ganz klar! Die Studienbeiträge hatten eben einen "Lenkungseffekt": Die ganzen "Scheininskribienten" und "Karteileichen" wurden damals 2001 ausgesiebt. Die haben zwar keine Hörsäle überfüllt, weil sie eh nie da waren, aber weggelenkt wurden sie allemal... statistisch gesehen.

Dass die Zahl der Erstinskribienten zwischen 2001 und 2008 trotz Studienbeiträgen von 31.850 auf 42.394 gestiegen ist, spricht nicht unbedingt gegen den Lenkungseffekt der Studienbeiträge - vielleicht wären es ohne Studienbeiträge noch mehr geworden. Wo doch in Österreich ohnedies schon 40% eines Altersjahrganges (Man stelle sich das einmal vor!) ein Studium beginnen. Im OECD-Schnitt sind es zwar 56 Prozent, aber da sind ja auch die Amerikaner dabei, und da weiß man ja, was sich dort alles Universität nennen darf ... wogegen unsere super HTLs in der Statistik nichts zählen! Die Deutschen haben sich zwar auch nur bedingt durch die Studienbeiträge abschrecken lassen - zwischen 2000 und 2008 ist die Zahl der Deutschen an unseren Universitäten von 6.354 auf 17.732 gestiegen - aber das beweist nur, dass man bei den Deutschen eben härtere Seiten aufziehen muss: Höhere Studienbeiträge haben einen stärkeren Lenkungseffekt!

Schuld sind aber auch unsere sozialromantischen Politiker: Jahrelang haben sie gepredigt, dass das Arbeitslosigkeitsrisiko mit steigender Bildung sinkt, haben mit Statistiken herumgewachelt, wonach Universitätsabsolventen die geringste Arbeitslosenquote aufweisen, und jetzt wundern sie sich, dass die Massen die Unis überfluten. Die haben wohl geglaubt, dass sie ohnedies niemand mehr ernst nimmt, aber da haben sie die Rechnung ohne die Krise gemacht. In der Krise werden die Leute offenbar leichtgläubig.

Na ja, Geld gibt's eh keines mehr. Das haben alles die Banken und die Autohändler bekommen. Also wird die Natur auch mit dieser Naturkatastrophe auf ihre Weise fertig werden: Die Stärkeren werden sich letztlich durchsetzen. Auch an den Universitäten. Schließlich soll man dort ja ohnedies etwas Nützliches lernen, etwas fürs Leben. Und im Leben wird einem auch nichts geschenkt. Das Leben ist halt einmal nichts für Zimperliche. Das werden sie schon noch sehen, diese undankbaren Gfraster ... sicher sind da auch wieder massenhaft Deutsche dabei. (Gerald Bast, DER STANDARD, Printausgabe, 29.10.2009)

Zur Person: Rektor der Universität für angewandte Kunst Wien

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