Mit Che Guevara gegen die Bildungsmisere?

28. Oktober 2009, 18:33
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Aus einer Stellungnahme der Katholischen Hochschuljugend

Aus einer Stellungnahme der Katholischen Hochschuljugend:

Soll ich Facebook-Fan der "Audimax-Besetzung" sein? Ist das auch möglich, wenn ich manche Forderungen differenzierter betrachte? Ist das auch möglich, wenn sich meine Solidarität mit der kubanischen Revolution noch immer sehr in Grenzen hält? Kurz, kann man Probleme der österreichischen Universitäten sachlich diskutieren? Ideologien sind wichtig als individueller Werte-Wegweiser, sollen jedoch keine Problemlösung verhindern.

Ziel der Bildungspolitik muss es sein, jungen Menschen die jeweils bestmögliche (Aus-)Bildung in bestmöglichen Bildungseinrichtungen zu bieten. Die Finanzkraft der Eltern darf dabei keine Rolle spielen und soll niemanden vom Studieren abhalten. Heißt das grundsätzlich keine Studiengebühren? Oder Studiengebühren ja, aber mit einem gut ausgebauten, sozial treffsicheren Stipendiensystem, (es zahlen jene, die es sich leisten können)? Heißt das auch grundsätzlich freien Hochschulzugang in jeder Studienrichtung? Wären also etwa Studieneingangsprüfungen eine neue kulturelle Barriere um bildungsfernen Schichten ihren Verbleib in eben jener sozialen Schicht zu "garantieren" ? Und wie groß ist die Gefahr, an den Bedingungen und Bedürfnissen des Arbeitsmarktes vorbei auszubilden?

Die Uni ist ein Lebensraum. Sie darf kein Ort sein, wo Studierende als bloße Bildungskonsumenten betrachtet und behandelt werden. Sie muss Platz bieten, um über die eigentliche Fachausbildung hinaus noch zusätzliches Wissen und Qualifikationen zu erwerben. Sie darf auch ehrenamtlicher Betätigung nicht die Luft nehmen vor lauter Anwesenheitspflicht und zunehmender Verschulung. Ein junger Mensch muss die Universität als selbstständig denkende, gut ausgebildete kritische Persönlichkeit verlassen können.

Die Republik Österreich benötigt keine Bürger/-innen, denen auch noch auf Hochschulen vermittelt wurde, dass es wie bei Multiple-Choice-Prüfungen, nur eine Wahrheit gibt. Spätestens in der Wahlkabine wären sie überfordert. Junge Menschen müssen in die Lage gebracht werden, sich ihr eigenes Bild machen zu können und kritisch vorgegebene Lehrweisheiten hinterfragen zu können.

Wenn also die Audimaxbesetzer ihre Kubaplakate entfernen, können sie sich für eine größere Masse von Studierenden, mit im Grunde gleichen Forderungen, öffnen. Die ausgelöste Bildungsdebatte muss genützt werden, um eine Zusammenarbeit zwischen allen ÖH-Gruppierungen von links bis rechts zu bewirken. Denn eine Besetzung mag geeignet sein, um Aufmerksamkeit zu erregen. Danach muss aber an Lösungen gearbeitet werden können! (DER STANDARD, Printausgabe, 29.10.2009)

Zu den Personen: Simon Ebner, Vorsitzender der Katholischen Hochschuljugend Österreichs (KHJÖ) und Student der Rechtswissenschaften und Philosophie an der Universität Salzburg.

Peter Schauer, Generalsekretär der KHJÖ studiert Sozioökonomie an der WU Wien

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