Simon Ebner, Peter Schauer

Mit Che Guevara gegen die Bildungsmisere?

28. Oktober 2009, 18:33

Aus einer Stellungnahme der Katholischen Hochschuljugend

Aus einer Stellungnahme der Katholischen Hochschuljugend:

Soll ich Facebook-Fan der "Audimax-Besetzung" sein? Ist das auch möglich, wenn ich manche Forderungen differenzierter betrachte? Ist das auch möglich, wenn sich meine Solidarität mit der kubanischen Revolution noch immer sehr in Grenzen hält? Kurz, kann man Probleme der österreichischen Universitäten sachlich diskutieren? Ideologien sind wichtig als individueller Werte-Wegweiser, sollen jedoch keine Problemlösung verhindern.

Ziel der Bildungspolitik muss es sein, jungen Menschen die jeweils bestmögliche (Aus-)Bildung in bestmöglichen Bildungseinrichtungen zu bieten. Die Finanzkraft der Eltern darf dabei keine Rolle spielen und soll niemanden vom Studieren abhalten. Heißt das grundsätzlich keine Studiengebühren? Oder Studiengebühren ja, aber mit einem gut ausgebauten, sozial treffsicheren Stipendiensystem, (es zahlen jene, die es sich leisten können)? Heißt das auch grundsätzlich freien Hochschulzugang in jeder Studienrichtung? Wären also etwa Studieneingangsprüfungen eine neue kulturelle Barriere um bildungsfernen Schichten ihren Verbleib in eben jener sozialen Schicht zu "garantieren" ? Und wie groß ist die Gefahr, an den Bedingungen und Bedürfnissen des Arbeitsmarktes vorbei auszubilden?

Die Uni ist ein Lebensraum. Sie darf kein Ort sein, wo Studierende als bloße Bildungskonsumenten betrachtet und behandelt werden. Sie muss Platz bieten, um über die eigentliche Fachausbildung hinaus noch zusätzliches Wissen und Qualifikationen zu erwerben. Sie darf auch ehrenamtlicher Betätigung nicht die Luft nehmen vor lauter Anwesenheitspflicht und zunehmender Verschulung. Ein junger Mensch muss die Universität als selbstständig denkende, gut ausgebildete kritische Persönlichkeit verlassen können.

Die Republik Österreich benötigt keine Bürger/-innen, denen auch noch auf Hochschulen vermittelt wurde, dass es wie bei Multiple-Choice-Prüfungen, nur eine Wahrheit gibt. Spätestens in der Wahlkabine wären sie überfordert. Junge Menschen müssen in die Lage gebracht werden, sich ihr eigenes Bild machen zu können und kritisch vorgegebene Lehrweisheiten hinterfragen zu können.

Wenn also die Audimaxbesetzer ihre Kubaplakate entfernen, können sie sich für eine größere Masse von Studierenden, mit im Grunde gleichen Forderungen, öffnen. Die ausgelöste Bildungsdebatte muss genützt werden, um eine Zusammenarbeit zwischen allen ÖH-Gruppierungen von links bis rechts zu bewirken. Denn eine Besetzung mag geeignet sein, um Aufmerksamkeit zu erregen. Danach muss aber an Lösungen gearbeitet werden können! (DER STANDARD, Printausgabe, 29.10.2009)

Zu den Personen: Simon Ebner, Vorsitzender der Katholischen Hochschuljugend Österreichs (KHJÖ) und Student der Rechtswissenschaften und Philosophie an der Universität Salzburg.

Peter Schauer, Generalsekretär der KHJÖ studiert Sozioökonomie an der WU Wien

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Nikos S.
00
19.11.2009, 15:38

es ist kindisch sich so auf ein dämliches plakat zu stürzen! als ob nicht jeder an irgendetwas etwas auszusätzen hätte! sonst ist das ja ganz vernünftig, was die da schreiben..

ChrC1
 
00
9.11.2009, 01:13
da drängt sich doch die frage auf:

darf ich facebookfreund von jemandem sein, der die bastista-diktatur offenbar besser findet oder muß ich jetzt aus der kirchen austreten?

Kuehlschrank .
 
11
4.11.2009, 20:42

Denke ich in Klischees? Klinge ich schon wie ein 80jähriger Prediger, obwohl ich noch Student bin? Hat mich der Pfarrer öfters mal mit in den Beichtstuhl genommen? Gebe ich nur Platitüden von mir und bekomme selber nichts auf die Reihe?

py rx
01
4.11.2009, 15:43
überhaupt nix verstanden!

es geht nicht um die zusammenarbeit von öh-gruppierungen, sondern um einen selbstorganisierten widerstandsprozess von unten. und warum politisch rechte nicht protestieren, sollte mittlerweile selbst der bzw. die dümmste kapiert haben. che hin oder her, mit jesus geht´s offensichtlich nicht!

Jake Gittes
00
31.10.2009, 11:08

Wenn man heute in der Universität sitzt, so sitzt man doch in einem Haufen blökender Schafe ohne eigene Meinung, die nur eines im Kopf haben: Wie bekomme ich schnellstmöglich und auf dem einfachsten Weg den "Schein"?

rasenmähermann
01
29.10.2009, 13:55

Bitte kann mir wer das Kuba-Plakat zeigen?
Kuba-Plakate wären mir in der schieren Masse der Plakate nicht aufgefallen.
Ich persönliche halte von diesen Lesben, Anti- Männerbünde bla auch nichts, gehe hin weil das nicht die breite Masse ist. Die Besetzung ist sehr heterogen, was alle eint ist, meiner Meinung nach, das Ziel eines besseren Bildungssystems, Frust darüber und eine Portion Lebensfreude.
An die Autoren dieses Kommentars: Get over Yourself!

Ligationsmix
00
29.10.2009, 18:50

Er spielt auf die Che Bilder an und zeitweise hingen tatsächlich Plakate die zu Solidarität mit Kuba aufriefen. Ebenso waren rote Fahnen mit Kommunistischen Symbolen vertreten. Wurden aber wieder abgehängt... Also vollkommen unrecht hat er nicht. Auch die gemäßigte Kritik an der starken linkslastigkeit kann ich nachvollziehen (obwohl ich persönlich links stehe)

HerGuent
00
30.10.2009, 00:57
Kuba war nicht.

che transparente hats gegeben. das stimmt. wurde auch diskutiert. aber kuba transparente hat es nicht gegeben. allerdings eines wo Küba drauf stand und noch was. war soweit ich weiß von einer migrantischen gruppe mit türkischem hintergrund. und migrantenthemen sind auch ein bewußt focierter themenbereich innerhalb dieser ungwöhnlichen bewegung.
wie vorposter schon geschrieben haben, es ist eine absolut heterogene bewegung. es ist jeder eingeladen vorbeizuschauen und mitzumachen. ein paar grundregeln wurden gesetzt. mitunter antisexismus, antirassismus, gegen homophobie und transphobie usw. alles humanistisch gesehen, weder über links oder rechts zu deklarierende einstellungen und keine ideologien oder ähnliches, stichwort menschenrechte!!

Mynick
01
29.10.2009, 10:57
Ebner und Schauer gehen von einer falschen Vorstellung ....

.... der Gruppe der Audimax-BesetzerInnen aus. Sie sind keine Homogene, bzw. homogenisierte Ansammlung ununterscheidbarer Personen. Sie setzen sich aus VertreterInnen der unterschiedlichsten Gruppierungen zusammen und, was nun einmal menschlich ist, wollen dies auch zeigen. Die Che Poster wurden von einer oder mehrerer dieser Gruppen aufgehängt und es wurde darüber diskutiert sie zu 'verbieten'.
Es geht nicht darum, die Personen gleich zu machen und das sollte die Autoren doch eigentlich freuen. Sie könnten als katholische Studenten dorthingehen und als katholische Student mitmachen, wenn sie genügend katholische StudentInnen finden würde, die sich dafür interessieren, könnten sie mit ihnen sogar eine Gruppe in der Gruppe bilden.

Jingoist
05
29.10.2009, 14:58
Genau diese Heterogenität

als vermeintliche Stärke, ist aber die größte Schwäche der Besetzer , weil sie hunderte unterschiedliche Ziele, Wünsche, Vorstellungen und Forderungen in den Diskurs werfen und zur Verhandlungsgrundlage erklären. Wieso sind z.B. die "Metaller" so mächtig? Weil sie ihre Forderungen klar artikulieren, ein Kollektiv darstellen und mit einer Stimme sprechen. Bei diesem Protest, sind Prioritäten nicht wirklich zu erkennen. Statt einen breiten Konsens unter den Studenten zu erzielen, versteigt man sich in Klassenkampf und Feminismus Rhetorik. Das Audi Max ist eine einzige Bühne für Selbstdarsteller und Selbstdarstellerinnen. Schade drum.

Kuehlschrank .
 
00
4.11.2009, 20:36

Die Metaller befinden sich mittlerweile aber auch schon im Abwehrkampf. Als Vorbild für eine Studentenbewegung mögen sie mir nicht erscheinen.

John Lindemann
00
29.10.2009, 11:06
KHJ Wien

Dann müsste die KHJ Wien vor Ort diese Gruppe bilden, und wo ist sie? Nirgendst, weil es sie eigentlich nicht gibt und das hat LEIDER seine Gründe, doch vielleicht bringt genau die jetzige Situation schwung in die Sache. Wünschenswert wäre es auf jeden Fall.

Die KHJÖ ist nur der (sogenannte) Dachverband der für Koordinationen und vernetzung der Hochschulorte da ist, mehr ist auf der offizielen Website der KHJ nachzulesen.

John Lindemann
00
29.10.2009, 10:52

Ein junger Mensch muss die Universität als selbstständig denkende, gut ausgebildete kritische Persönlichkeit verlassen können.

Ich würde hier nicht ausgebildet, sondern gebildete sagen, das würde meiner Ansicht nach den Sinn des Textes sehr wohl ändern und mehr das treffen was Hr. Ebner und Schauer uns sagen wollen.

Ein junger Mensch muss die Universität als selbstständig denkende, gut gebildete kritische Persönlichkeit verlassen können.

Es wäre wirklich zu begrüßen wenn eine sinnvolle Lösung für alle Bildungssuchenden gefunden wird, und nicht nur auf Lösungen geachtet wird, die die meisten Wählerstimmen bringen werden. Naja mal sehen was kommt.

Ausgeflippter Lodenfreak
00
29.10.2009, 14:12

Das ist meiner Meinung nach ein aus Hochmut geborenes Mißverständnis, dass Ausbildung im Gegensatz zu Bildung steht und Unis mehr bilden statt ausbilden sollen. Eine gute Ausbildung kann ein wichtiger Teil von Bildung sein und ein Studiengang an der Uni soll eine gute Ausbildung in einem Bereich garantieren. Wer gebildet sein will, muss mehr tun und sich mit vielen verschiedenen Materien beschäftigen. Das kann aber nicht im Rahmen eines Studienganges erfolgen.

ChesneyB
00
29.10.2009, 18:06

Herr Lindemann hat auch nicht behauptet, daß Ausbildung im Gegensatz zu Bildung steht. Es ist bloß nicht das selbe.
Und lediglich bei den technischen Studienrichtungen darf man sich darauf beschränken, die Studenten nur auszubilden. (Man sollte es aber auch hier nicht tun.)

rlnd
00
29.10.2009, 11:15

Ich vermute, dass bewusst "ausgebildet" gewählt wurde (und das mehrmals im Text).

Der Doktor
00
29.10.2009, 09:07
Was für ein Gesülze!

Erinnert mich stark an vor 20 Jahren, als ich das letzte Mal eine Predigt gehört habe. Ein absoluter Prinz Valium!

byron sully
01
28.10.2009, 23:27
das problem an diesem kommentar

ist jenes, daß ich überhaupt nicht verstehe, was nun die aussage sein soll...

Lost In Contemplation
00
29.10.2009, 09:04
Ich mach nicht mit weil.... [einsetzen]

Hier wurde: Cubaplakate eingesetzt.
Ich find die Leute die auf die Frage ob sie auch was beitragen/sagen wollen antworten "Prinzipiell gut, ABER ich finde diese Forderungen treffen nur teilweise zu, deswegen tu ich nicht mit" seltsam. Also wenn ich was ändern will muss ich mich einbringen, aber genau das wird mit dem Hinweis darauf dass es nicht schon supertoll ist verweigert.
Ich studier nicht mehr, bin aber beeindruckt was in diversen AGs erabeitet wird.
Ein selbstorganisatorischer, anarchischer, kreativer, problemorientierter Prozess wie man ihn (bei uns) selten sieht.

byron sully
00
29.10.2009, 20:25
seh ich ähnlich,

ich find, die grundtendenz der forderungen sollte wichtiger sein als jede einzelne für sich. wenn ich bei einer wahl eine partei wähle, ist es auch selten, daß ich ihr wahlprogramm zu 100% unterstütze. es sind vielleicht 80% oder so. und hier ist es genau das gleiche: man kann 2, 3 der forderungen nicht ganz zustimmen, aber dennoch an den protesten teilnehmen.

lessismore
10
28.10.2009, 22:38

Die katholischen Studenten können ja vielleicht trotzdem hingehen, und dann den Guevaristen vor laufender Kamera mit dem Finger drohen, so wie es Seine Heiligkeit mit Ernesto Cardenal gemacht hat -- wie wär's?

Virya
00
29.10.2009, 16:21
Welcher Finger denn von den Fünfen?

Drew R. Man
00
29.10.2009, 16:43
also bei johnny paul II. war's der zeigefinger.

di.se.
 
00
28.10.2009, 21:57
Arbeitsmarkt und Bildung

Auch der "Arbeitsmarkt" wird von Menschen gestaltet. Er ist daher genauso Intelligent wie seine Beteiligten. Verlangt der "Arbeitsmarkt" nur nach Ausbildung an Stelle von Bildung, dann ist er nich intelligent genug für Innovation. Innovation entsteht nämlich genau dort wo Ausbildung mit Erfahrung, mit anderem, fremdem Wissen, also Bildung kollidiert.

Adjasadaku
95
28.10.2009, 22:32

"Ist das auch möglich, wenn sich meine Solidarität mit der kubanischen Revolution noch immer sehr in Grenzen hält? "

Gerade das ist doch das Problem. Auf Kuba gibt es ein exzellentes Bildungssystem. Dort gibt es zwar keine Aufnahmeprüfungen an den Medizin-Unis, dafür versorgen die kubanischen Ärzte die halbe 3. Welt. Danksagungen gab es dafür ua vom wohl im gesamten demokratischen Spektrum anerkannten ehem. südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela. Möglicherweise wäre die Apartheidt ohne Kuba heute noch Realität. Das verkennen Menschen wie Kollege Ebner leider und verhindern damit eine Lösung der Probleme an ihrer Wurzel.

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