Im Osten was Neues

28. Oktober 2009, 18:18
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Gerade beim 20. Jahrestag des Mauerfalls will man als ZDF natürlich etwas Neues bieten - Den Machern der Dokumentation "Der schönste Irrtum der Geschichte - Wie die Berliner Mauer wirklich fiel" ist das sogar gelungen

Historische Gedenktage aufzubereiten ist für das Fernsehen nicht immer einfach. Wenn alle Zeitzeugen schon aufmarschiert sind, alle bekannten Bilder bereits gezeigt sind, dann ist der Neuigkeitswert gering. Die legendäre Stammelei von SED-Politbüromitglied Günther Schabowski am Abend des 9. Novembers, wonach die DDR-Grenzen "nach meiner Kenntnis ... sofort ... unverzüglich" geöffnet sind, hat das deutsche Fernsehen in den vergangenen Wochen gefühlte 500 Mal gezeigt. 

Doch gerade beim 20. Jahrestag des Mauerfalls will man als ZDF natürlich auch noch etwas Neues bieten. Den Machern der Dokumentation "Der schönste Irrtum der Geschichte. Wie die Berliner Mauer wirklich fiel" ist das sogar gelungen. Da berichtet der im Zeitzeugenbusiness weitgehend unbekannte Grenztruppen-Oberstleutnant Heinz Schäfer, dass er an "seinem" Südberliner Grenzübergang Waltersdorfer Chaussee "spätestens um halb neune" die ersten DDR-Bürger von Ost nach West ließ. In den vergangenen 19 Jahren und 352 Tagen galten immer die Grenzer am innerstädtischen Kontrollpunkt Bornholmer Straße als mutige Pioniere. Sie "fluteten" gegen 23 Uhr".

Doch, keine Sorge, die Geschichte muss nach dieser ZDF-Doku nicht umgeschrieben werden. Im Süden Berlins waren es nur wenige, die rübermachen wollten. Die wahren Massen drängten sich tatsächlich an der Bornholmer Straße. Darunter war auch "Ossi" Andreas Groß, der die später vielzitierten Worte: "Wer jetzt schläft, ist tot", in eine TV-Kamera sprach.
Ihn fand das ZDF wieder und zeigte ihn 20 Jahre danach. Die dramatische, an Rosamunde Pilcher erinnernde Geigen- und Klaviermusik hätte man sich dafür sparen können. Solche Bilder wirken auch für sich allein. (Birgit Baumann, DER STANDARD; Printausgabe, 29.10.2009)

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